Recruiting und Analytics

Talent on Demand gegen Fachkräftemangel

Christiane Pütter ist Journalistin aus München.
Unternehmen sollten künftig verstärkt mit externen Partnern, Freiberuflern und Startups zusammenarbeiten, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. PwC spricht von "Portfolio Workers". Diesen Pool sollten Führungskräfte als "Talent on Demand" managen.
  • Insgesamt 63 Prozent der Personal- und Business-Manager halten es für wichtig, Data Analytics bei Personalentscheidungen zu nutzen, 27 Prozent setzen das um
  • 63 Prozent erkennen die Relevanz von Open Innovation und Crowdsourcing, 42 Prozent sind in dieser Hinsicht aktiv
  • Vergleichbar mit der "Customer Experience" müssen Unternehmen eine gute "Work Experience" bieten

Unternehmen wissen, was sie in puncto Mitarbeiterqualifizierung tun müssen, gehen es aber nicht an. So lautet das Fazit der Studie "Preparing for tomorrow's workforce, today" von PwC (PricewaterhouseCoopers). Das gilt sowohl für Data Analytics als auch für organisatorische Veränderungen.

HR-Manager (Human Resources) und Business-Manager schätzen ihre Firma in vielen Punkten unterschiedlich ein.
HR-Manager (Human Resources) und Business-Manager schätzen ihre Firma in vielen Punkten unterschiedlich ein.
Foto: PwC

An der Studie haben sich mehr als 1.200 HR (Human Resources)- und Business-Manager aus 79 Ländern beteiligt. PwC hat sie nach den größten Problemen gefragt. Problem Nummer eins weltweit sind datenbasierte Entscheidungen in der PersonalarbeitPersonalarbeit. Insgesamt 63 Prozent geben an, es sei wichtig, Data Analytics bei solchen Entscheidungen zu nutzen - aber nur 27 Prozent befolgen das auch. Alles zu Personalführung auf CIO.de

Herausforderung Nummer zwei sind Lücken bei den künftig erforderlichen Fähigkeiten der MitarbeiterMitarbeiter und Punkt drei Vorurteile bei Neueinstellungen und Boni. Allerdings weicht die Region Westeuropa hier vom globalen Durchschnitt ab. Als zweite Priorität gilt hier die Anpassungsfähigkeit an künftige Erfordernisse der Arbeitswelt (global: Platz neun) und als dritte die fehlende Technologie-Affinität der Personalabteilung (global: Platz vier). Alles zu Fachkräftemangel auf CIO.de

Data Analytics als Mittel gegen Vorurteile

Die Studie zeigt, wie weit die Einschätzungen von HR- und Business-Managern auseinander gehen. So erklärt jeder dritte HR-Manager (33 Prozent), Data Analytics als Mittel gegen vorurteilsbehaftete Neueinstellungen und Belohnungen einzusetzen. Dem stimmt aber nur jeder fünfte Business-Manager (20 Prozent) zu. Und während 41 Prozent der HR-Manager sagen, über ein tiefes Verständnis der Technologie-Landschaft zu verfügen, bestätigen das nur 26 Prozent der Befragten aus dem Business.

PwC bezieht den Begriff Workforce nicht mehr allein auf festangestellte Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens. In Zukunft werden alle Firmen mehr und mehr mit externen Partnern kooperieren, dazu zählen einzelne Freiberufler ebenso wie Startups. Die Analysten sprechen von "Portfolio Workers". Entscheider müssen lernen, diesen gesamten Pool als "Talent on Demand" zu managen. Das hängt mit der Idee des Crowdsourcing zusammen, der zufolge Innovationen aus dem kompletten Umfeld eines Unternehmens kommen und nicht nur von den eigenen Mitarbeitern selbst.

Gut zwei Drittel der Studienteilnehmer (67 Prozent) halten es für wichtig, Talent flexibel nutzen zu können. 43 Prozent setzen das bereits um. Fast ebenso viele (63 Prozent) sehen die Relevanz von Open Innovation und Crowdsourcing, 42 Prozent sind aktiv.

Obwohl 63 Prozent der befragten Entscheider Open Innovation für wichtig halten, sind erst 42 Prozent aktiv.
Obwohl 63 Prozent der befragten Entscheider Open Innovation für wichtig halten, sind erst 42 Prozent aktiv.
Foto: PwC

Gutes Arbeitsklima durch viel Kommunikation

Ein weiterer Aspekt der Studie kreist um die Unternehmenskultur beziehungsweise das Arbeitsklima. Vergleichbar mit der "Customer Experience", dem Erleben von Produkten und Dienstleistungen aus Kundensicht, spricht PwC von einer "Work Experience". Dazu gehört für Carol Stubbings, Joint Global Leader, People and Organisation bei PwC UK, mit der Belegschaft über den technologischen Wandel zu sprechen.

Medienberichte über den möglichen Wegfall von Stellen durch Künstliche Intelligenz (KI), Roboter und Automatisierung verunsichern viele Menschen, beobachtet Stubbings. Unternehmensleitungen müssen das von sich aus zum Thema machen und den Mitarbeitern ihre Sicht und ihre Pläne vermitteln.

Mitarbeiter in Entscheidungen des Unternehmens einbinden

Ein gutes Arbeitsklima entsteht laut PwC dann, wenn sich Mitarbeiter in Entscheidungen des Unternehmens eingebunden sehen. Das klassische Top-Down-Modell sei weniger zukunftsfähig als emanzipatorische Modelle, weil Entscheider von den Erfahrungen und dem Wissen der Belegschaft stärker profitieren. Gut neun von zehn Befragten (91 Prozent) sprechen in diesem Zusammenhang von Vertrauen: Für den künftigen Erfolg sei es wichtig, ein Unternehmen zu sein, dem "Gesellschaft, Kunden und Mitarbeiter vertrauen".

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