Wie Sie Ideen entwickeln

Tipps für kreative Einfälle und Produkte

20.12.2017
Von Felix Thönnessen


Felix Thönnessen ist Startup Coach der ersten Stunde. Als Coach und Berater betreut er u.a. die Kandidaten der Sendung „Die Höhle der Löwen“. Als Keynote Speaker und Redner ist er für die Themen Digitalisierung, Marketing und Startups unterwegs. Mit seiner Beteiligungsgesellschaft investiert er auch selbst in Startups und Existenzgründer.
Wie heißt es doch so schön? Wer suchet, der findet. Doch wie verhält sich diese altbekannte Weisheit, wenn es um etwas grundsätzlich Abstraktes wie eine Idee geht?
  • Bei der Kreativitätsfindung ist es hilfreich, ein bestehendes Problem herauszugreifen und nach einer Lösung zu suchen.
  • Es kann sinnvoll sein, zwei Produkte miteinander zu kombinieren, um eine neue Idee zu generieren.
  • In der Ideen-Entwicklung muss dem Zeitgeist unbedingt Rechnung getragen werden.

Gute Einfälle sind nicht so leicht aus dem Ärmel zu schütteln. Trotzdem gibt es Ansatzpunkte, die bei der Ideenfindung nützlich sein können. In der Folge werden drei Ansätze skizziert, die helfen können, neue Ideen für Produkte und innovative Konzepteinnovative Konzepte zu generieren. Alles zu Innovation auf CIO.de

Neue Ideen müssen nicht unbedingt bahnbrechend sein. Oft resultieren sie aus den Mängeln älterer Lösungen.
Neue Ideen müssen nicht unbedingt bahnbrechend sein. Oft resultieren sie aus den Mängeln älterer Lösungen.
Foto: turgaygundogdu - shutterstock.com

Vom Problem zur Lösung und zurück

Am Anfang einer jeden unternehmerischen Tätigkeit steht die Ideen-Entwicklung. Leider erweist es sich als nicht allzu einfach, neue Ideen auf Kopfdruck zu entwickeln. Für die Ideenentfaltung gibt es jedoch unterschiedliche Kreativitätstechniken, mit deren Hilfe es leichter fällt, ein neues, unternehmerisches Konzept zu schaffen.

Eine sehr gute Möglichkeit bei der Kreativitätsfindung ist es, ein bestehendes Problem herauszugreifen, daran anzuknüpfen und nach einer Lösung zu suchen. Zu meinen Unizeiten sagte ein Professor einmal, dass der Fortschritt letzten Endes nur ein Produkt der menschlichen Faulheit gewesen sei. So versteht man auch, warum die Menschen das Rad erfunden haben.

Daher ist es immer gut, sich an einem bestehenden Problem zu orientieren, dessen Lösung einen gesellschaftlichen Gewinn mit sich bringt. Je nachdem, in welcher Branche man versucht, eine neue Idee zu generieren, sollten dabei unterschiedliche moralische und gesellschaftliche Ansprüche im Fokus stehen. Zum Beispiel: In der Medizin sind es die Forschungen zu Krebs und Aids, die einen nicht unerheblichen Nutzen für die Gesellschaft nach sich ziehen, im Ernährungsbereich wäre die Entwicklung einer Schokolade, die nicht dick macht, ein Meilenstein.

Auf der anderen Seite können Sie auch Ihren Blickwinkel ändern und sich danach richten, inwieweit eine bereits bestehende Lösung zu einem Problem ein neues Problemfeld eröffnet. Ein gutes Beispiel dafür sind Induktionsherde. Natürlich waren Gas- und Elektroherde eine sinnvolle Entwicklung, gemessen daran, dass Speisen früher noch mühsam über dem Feuer zubereitet werden mussten.

Sie bringen aber das Problem mit sich, dass der Benutzer sich relativ leicht verbrennen kann. Dieses Problem löst wiederum ein Induktionsherd. Das Beispiel zeigt, dass es für neue Ideen durchaus förderlich ist, in bereits bestehenden älteren Lösungen gezielt nach Mängeln zu forschen, um auf diese Weise neue Ideen zu entwickeln.

Halten wir fest: Ein probates Mittel der Kreativitätstechnik ist, immer zwei Seiten für die Ideenfindung zu betrachten.

Die Kombination macht's

Kürzlich kam im Autoradio die Meldung von einem Mann, der ein Startup gegründet hat, das Kapseln produziert, in denen sowohl die Milch als auch der Zucker für den Kaffee bereits enthalten sind. Zunächst fand ich diese Idee nicht sonderlich spannend, dann aber gar nicht schlecht. Warum? Die meisten Menschen trinken ihren Kaffee nun einmal mit Milch und Zucker.

Bei Meetings stehen meistens eine Kaffeekanne und ein Tablett mit mehreren kleinen Plastikmilchtöpfchen und Zuckerwürfeln auf dem Tisch. Die Ideen, auf denen die neuen Kapseln basieren, sind sowohl einfach als auch offensichtlich. Zum einen ist es eine ungeheure Verschwendung von Plastik, diese kleinen Milchtöpfchen herzustellen. Außerdem bergen sie die Gefahr, dass man sich beim Öffnen die Kleidung versaut, weil sie in der Handhabung einfach unpraktisch sind.

Blick man an dieser Stelle auf den ersten Punkt zurück, dann hat der Erfinder dieser Kapseln den ersten Schritt sehr gut beherzigt. Er hat ein bestehendes Problem - in diesem Fall die Unhandlichkeit sowie den Müll - aufgegriffen und nach einer Lösung für das Milch-Zucker-Kaffee-Problem gesucht.

Das Beispiel zeigt vortrefflich, dass es nicht immer eine bahnbrechende Sache sein muss, wenn man eine neue Idee entwickeln möchte. Manchmal liegt gerade in der Einfachheit der Charme einer Lösung.

Denken wir das Beispiel jedoch einmal weiter. Der Erfinder dieser Kapseln hat eine Lösung gefunden, die aber auch ein Problem beinhaltet. Ihr Nachteil ist, dass keine Dosierung mehr stattfinden kann. Schließlich gibt es Menschen, die lieber etwas mehr Milch oder etwas mehr Zucker haben wollen oder vielleicht sogar nur eines von beidem.

Trotzdem führt dieser Einfall vor Augen, wie sinnvoll es sein kann, zwei Produkte miteinander zu kombinieren, um eine neue Idee zu entwickeln. Gerade die Beauty-, Mode- und Fashion-Industrie profitiert deutlich von solchen Zwei-in-eins-Ideen, wie Duschgel kombiniert mit Shampoo, Shampoo mit Spülung oder Duschgel mit Bodylotion beweisen.

Momentan sehr im Trend sind auch Bürsten, die eine integrierte Glätteisen-Funktion besitzen. Das macht einmal mehr deutlich, dass es sinnvoll ist, zwei Produkte, die eine ähnliche oder verwandte Eigenschaft besitzen, zu kombinieren. Diese Idee wird dann bereits aus praktischen Gründen Nachfrage erfahren, da wir alle Zeit und Geld sparen wollen. Versuchen Sie daher, verwandte Felder zu suchen, die gut miteinander kombinierbar sind, und bedenken Sie dabei: Der Mensch ist von Natur aus faul.

Kein Blick zurück

"Früher war alles besser!" Wie oft haben wir diesen Spruch schon gehört? Das Gute dabei ist, dass er in diesem Kontext nicht hundertprozentig passend scheint. Was aber stimmt ist, dass früher vieles anders war. Wer also eine neue Idee generieren möchte, sollte darauf achten, dass sie zeitgemäß ist.

Zum Beispiel würden Sie vermutlich heutzutage nicht darauf kommen, eine Tuning-Werkstatt für Pferdekutschen zu errichten. Schließlich hat sich die Welt im letzten Jahrhundert weiterentwickelt. Es sind neue Technologien und Produkte erfunden worden wie beispielsweise das Auto (das im Übrigen auch ein weiteres Produkt der menschlichen Faulheit war), so dass wir heute schon bei zum Teil selbstfahrenden Wagen angelangt sind.

So könnten weiterführende Ideen, die Sie oder andere entwickeln wollen, von der Wartung dieser selbstfahrenden Wagen ausgehen. Dies würde unter anderem die Organisation der Werkstätten und des TÜVs einbeziehen. Keiner verlangt in diesem Zusammenhang jedoch von Ihnen, das Rad völlig neu zu erfinden.

Es gilt daher nicht nur Ideen zu entwickeln, sondern diese auch an das moderne Leben anzupassen, damit sich die Produkte in der Gegenwart verkaufen. Auf diese Weise stellen Sie immer sicher, dass Sie sich sowohl am bestehenden Markt als auch an den Kunden orientieren.

Viel Erfolg bei der Ideen-Entwicklung!

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