Bosch-Geschäftsführer Kübel

"Wer zehn Stunden im Büro ist, muss nicht der Leistungsstärkere sein"

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Wenn statt der Anwesenheit das Ergebnis zählt, müssen sich Manager umstellen. Ein Gespräch mit Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor von Bosch, über neues Führen, flexibleres Arbeiten und warum gerade IT-Mitarbeiter viel Freiraum brauchen.

Bosch will in Deutschland 2100 Akademiker einstellen. Jede zweite der Stellen hat einen Bezug zu IT. Warum ist IT so zentral für Sie?

Christoph Kübel ist Geschäftsführer und Arbeitsdirektor bei Bosch.
Christoph Kübel ist Geschäftsführer und Arbeitsdirektor bei Bosch.
Foto: Robert Bosch GmbH

Christoph Kübel: Als Anbieter von Lösungen für vernetz­tes Leben spielt das Internet der Dinge bei uns eine wesentliche Rolle. Jedes elektronische ­Erzeugnis von BoschBosch soll internetfähig sein. Deshalb suchen wir viele Spezialisten, die im IT- und Softwareumfeld zuhause und sich auch in Elektrotechnik oder im Maschinenbau wohl fühlen - also Soft- und Hardware lieben. Wir brauchen interessierte und ideenreiche Mitarbeiter, um kreative Lösungen zu entwickeln. Top-500-Firmenprofil für Robert Bosch GmbH

Was bringt Mitarbeiter auf neue Ideen?

Christoph Kübel: Kreativität und neue Ideen entstehen in einer stimulierenden Arbeitskultur, die bei uns verschiedene Bestandteile hat. Als erstes und wichtigstes haben wir Werte definiert, die die Basis für unser Handeln sind. Auf deren Basis entwickeln wir unsere Führungskultur weiter. Starre Präsenzzeiten, fehlende Vielfalt oder Silodenken sind Innovationskiller. Darum setzen wir zum Zweiten statt auf eine Präsenzkultur auf mehr Ergebnisorientierung. Diese wird mit vielen unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen umgesetzt und stellt die Verantwortung des Mitarbeiters in den Vordergrund.

Dazu gehört drittens eine Diversity-Strategie in allen Dimensionen, das heißt Männer und Frauen, unterschiedliche Generationen, Arbeitskulturen und Nationalitäten. Wir legen viertens großen Wert auf die Vernetzung der Mitarbeiter untereinander, vor allem in Forschung und Entwicklung. Schließlich arbeiten wir in einer agilen Arbeitsorganisation und haben viele Projektteams und Start-ups, die autonom agieren können.

Welche der Bestandteile ihrer Arbeitskultur lässt sich am schwierigsten umsetzen?

Christoph Kübel: Eine Arbeitskultur ständig weiter zu entwickeln, ist insgesamt anspruchsvoll. Ein Beispiel ist das Thema FührungFührung. Vernetzte Lösungen erfordern eine zunehmend engere Zusammenarbeit, auch über Organisationsgrenzen und Fachdisziplinen hinweg, starre Hierarchien lösen sich auf. Welche Rolle hat künftig die Führungskraft? Wir beschäftigen uns damit, wie sich durch viele, flexible Arbeitszeitmodelle die Führung der Mitarbeiter verändert. Alles zu Führung auf CIO.de

IT- und Software-Spezialisten wünschen sich deutlich mehr Flexibilität, sie wollen nicht von neun bis fünf arbeiten, sondern gegebenenfalls nur abends oder nur morgens. Hier bieten wir schon maximalen Freiraum, auch wenn uns dran gelegen ist, dass die Teams regelmäßig zusammenkommen. Gleichzeitig bringt jede Generation an Absolventen neue Bedürfnisse mit.

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