Recruiting in Deutschland

Zwei von drei Entwicklern finden sich unterbezahlt

Christiane Pütter ist Journalistin aus München.
44 Prozent der deutschen Firmen haben in diesem Jahr erst maximal fünf neue Entwickler eingestellt. Zwei Drittel der potenziellen Kandidaten finden, sie bekämen zu wenig Geld. Wer sie kontaktieren will, schreibt am Besten eine Mail. Keinesfalls anrufen, zeigt eine Umfrage von Stack Overflow.
  • Full Stack Webentwickler Java (47 Prozent der Nennungen) und Webentwickler Backend (44 Prozent) sind am stärksten gesucht
  • Recruiter räumen ein, dass sie zu selten Events von und für Entwickler besuchen
  • Sechs von zehn Entwicklern in Festanstellung sind grundsätzlich offen für einen neuen Job

Deutsche Unternehmen suchen vor allem über Karriereseiten (41 Prozent) und Social Media-Kanäle (25 Prozent) neue Entwickler. Das scheint sich schwierig zu gestalten. 41 Prozent der Firmen finden nicht genug passende Kandidaten, weitere 54 Prozent geben an, "es könnten mehr sein". Das belegt der aktuelle "Der Stack Overflow IT-Recruiter Report".

Deutsche Unternehmen suchen vor allem Full Stack Webentwickler Java.
Deutsche Unternehmen suchen vor allem Full Stack Webentwickler Java.
Foto: Stack Overflow

Stack Overflow sieht sich als weltweit führende Plattform für Entwickler und Programmierer. Nach eigenen Angaben verzeichnet Stack Overflow jeden Monat mehr als 50 Millionen Besuche von Profis und Berufsstartern. Am Recruiter Report haben mehr als 200 Unternehmen teilgenommen, die solche Entwickler suchen.

Eine relative Mehrheit von 44 Prozent der Befragten hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres erst wenige "Neue" eingestellt, nämlich maximal fünf. Weitere 22 Prozent konnten fünf bis zehn neue Mitarbeiter gewinnen. Bei weiteren zehn Prozent sind es bis zu 15 Neue.

Auf der Wunschliste stehen vor allem Full Stack Webentwickler Java (47 Prozent der Nennungen) und Webentwickler Backend (44 Prozent). Auch Webentwickler Frontend (37 Prozent) sowie Webentwickler Full Stack (32 Prozent) sind gefragt. 25 Prozent der Unternehmen suchen außerdem Entwickler für das Backend Webcloud. Alle weiteren Entwickler, etwa Full Stack Webentwickler PHP, Systemadministratoren und Mobile Entwickler iOS, bleiben unter der 20-Prozent-Marke.

Unternehmen wissen, dass sie mehr tun müssen

Stack Overflow hat sich angesehen, über welche Wege Unternehmen neue Entwickler suchen. Dabei zeigen sich die Befragten selbstkritisch. Neben den bereits erwähnten Karriereseiten und Social-Media nutzen Recruiter Firmen-Blogs oder gehen zu Events und Vorträgen von und für Entwickler - allerdings "kaum" oder "noch nicht genug", wie sie angeben.

Die Autoren der Umfrage schätzen deutsche Unternehmen in Sachen Entwickler insgesamt als zu passiv ein. Nach den Zahlen von Stack Overflow sind sechs von zehn angestellten Entwicklern grundsätzlich offen für einen neuen Job. "Scheuen sie die Ansprache nicht!", gibt die Plattform Recruitern mit auf den Weg.

Deutsche Recruiter geben zu, dass sie noch nicht alle Mittel ausschöpfen.
Deutsche Recruiter geben zu, dass sie noch nicht alle Mittel ausschöpfen.
Foto: Stack Overflow

Wie sollte diese Ansprache aussehen? Hier setzen die umworbenen Kandidaten ganz klare Prioritäten. Eine Mehrheit von 53 Prozent möchte per E-Mail angesprochen werden. Ebenso viele geben übrigens an, sie würden es "hassen", wenn man sie anruft. 24 Prozent der potenziellen Kandidaten lassen sich gern über Xing ansprechen, weitere 17 Prozent über LinkedIn.

Offenbar schätzen Recruiter diese Präferenzen falsch ein. Denn sie halten mit 33 Prozent der Nennungen das persönliche Treffen für den besten Weg. Lediglich 30 Prozent setzen auf die Mail.

Neuer Trend HR-Analytics

Mit Geld kann man Entwickler offenbar locken. 66 Prozent von ihnen fühlen sich unterbezahlt. Dazu ein paar Zahlen: Laut Stack Overflow erhalten Spezialisten für Maschinelles Lernen mit knapp 55.000 Euro pro Jahr das höchste erfragte GehaltGehalt. Entwickler im Bereich DevOpsDevOps bekommen gut 51.000 Euro pro Jahr, Desktop-Entwickler gut 46.000 Euro und Systemadministratoren rund 45.000 Euro. Alles zu DevOps auf CIO.de Alles zu Gehalt auf CIO.de

Die Entwickler versicherten Stack Overflow jedoch, das Gehalt sei nicht alles. Sie bewerten eine Stelle auch nach den Weiterentwicklungsmöglichkeiten, den Programmiersprachen und Tools, die zum Einsatz kommen, und nicht zuletzt nach dem Büro, in dem sie dann arbeiten würden.

Ein weiteres Ergebnis der Studie bezieht sich auf die Frage, wie modern deutsche Unternehmen rekrutieren. Stack Overflow spricht bereits von einem "neuen Trend" in Bezug auf HR-Analytics. Die Autoren der Umfrage wollen dies als Schnittstellendisziplin aus Management, Personal, Marketing, Unternehmenskommunikation, Controlling und IT verstanden wissen. Aktuell geben nur dreizehn Prozent der Befragten an, durchgängig HR-Analytics zu nutzen. Das heißt konkret: sie messen drei Indikatoren, nämlich die Zahl der realen Bewerbungen, die Time to hire und die Menge an Klicks.

7 Tipps für das Recruiting

In der überwiegenden Mehrzahl der Unternehmen - nämlich 76 Prozent - besteht das Recruiting-Team lediglich aus einer bis vier Personen. In rund der Hälfte davon (52 Prozent) gibt es jemanden, der sich ausschließlich um das Recruiting von Entwicklern kümmert.

Stack Overflow rät Unternehmen folgende sieben Punkte:

  1. Ein Bewerbermanagement-Tool nutzen (laut Studie setzen 56 Prozent der Befragten ein solches Tool ein);

  2. Die so genannte Candidate Journey ebenso wie die Bewerberabbruchraten verfolgen (Einsatzgrad: 46 Prozent);

  3. Einen Talentpool oder ein Beziehungsmanagement für das Netzwerk aus ehemaligen Mitarbeitern und Bewerbern pflegen (52 Prozent);

  4. Stellenanzeigen und Karriereseite für mobile Endgeräte optimieren (81 Prozent);

  5. Suchmaschinen Optimierung (SEO) für die Karriereseite und Stellenanzeigen nutzen (43 Prozent);

  6. 1-Click-Bewerbungen anbieten (23 Prozent) sowie

  7. Interviews mit Bewerbern auch per Videokonferenz führen (77 Prozent)

Stefan Schwarzgruber, Country Manager DACH bei Stack Overflow, sagt: "Employer Branding - das bedeutet schlicht und einfach: zunächst ein guter Arbeitgeber für Entwickler werden - und dann möglichst viel darüber reden!"

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