Design Thinking im Mittelstand

10 Punkte für mehr Erfolg mit Design Thinking



Christian Mehrtens ist seit August 2017 Leiter des Geschäftsbereichs Mittelstand und Partner bei der SAP Deutschland SE & Co. KG.
Innovation ist kein Selbstläufer. Mittelständler benötigen eine Methode, um kontinuierlich kreative neue Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Abhilfe kann hier Design Thinking schaffen.

Der Mittelstand ist das Herzstück der deutschen Wirtschaft. Doch was Innovationen betrifft, laufen mittelständische Unternehmen derzeit Gefahr, abgehängt zu werden. Das zeigt eine Studie von KfW Research. Demnach ist die "Innovatorenquote" im deutschen Mittelstand seit 2005 deutlich gesunken. So stellten 2015 nur noch 22 Prozent der mittelständischen Unternehmen Innovationen vor. Zehn Jahre zuvor waren es noch 43 Prozent.

Es liegt auf der Hand, dass sich daran etwas ändern muss. Denn ebenso wie große Unternehmen sehen sich Mittelständler mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Dazu zählen Start-ups, also kleine, agile Mitbewerber, die sich auf spezielle Anforderungen ihrer Kunden konzentrieren. Unternehmen sind dadurch gezwungen, in immer kürzeren Zyklen neuartige Produkte zu entwickeln und diese schnell zur Marktreife zu bringen.

Die Zahl der mittelständischen Unternehmen in Deutschland, die Innovationen entwickelt haben, ist in den vergangenen Jahren gesunken.
Die Zahl der mittelständischen Unternehmen in Deutschland, die Innovationen entwickelt haben, ist in den vergangenen Jahren gesunken.
Foto: KfW Research

Designer-Farbe statt langweiligem Beige

Was dazu gehört, zeigt beispielsweise ein Blick in die Chemie-Branche: Firmen, die Wandfarben für Innenräume herstellen, können beim Kunden kaum noch mit einer beliebigen Standardfarbe punkten. Der Interessent erwartet heute vom Fachhändler eine individuelle Farbberatung. Mit einer automatischen Anlage, die ihm der Hersteller zur Verfügung stellt, mischt der Händler anschließend vor Ort den gewünschten Farbton. Um auf die Nachfrage nach solchen kundenspezifischen Produkten reagieren zu können, müssen Hersteller digitale Lieferketten aufbauen.

Zudem erwarten die Kunden, dass Hersteller und Händler ihnen eine perfekte Customer Journey bieten. Im Konsumgüterbereich lässt sich dies beispielsweise durch Kundenbindungsprogramme, Apps und Services auf Social-Media-Plattformen verwirklichen, bei Investitionsgütern durch digitale Dienste wie die vorausschauende Wartung von Produktionsanlagen mithilfe von IoT-Komponenten (Internet of Things).

Ideen kommen nicht nur "von oben"

Doch um solche neuartigen Geschäftsmodelle zu entwickeln, muss ein Mittelständler gängige Vorgehensweisen überdenken. Auf den Chef als Quelle für neue Ideen zu vertrauen, reicht nicht aus. Besser ist es, InnovationInnovation und die damit verknüpften Prozesse auf viele Schultern zu verteilen. Alles zu Innovation auf CIO.de

Hier kommt Design ThinkingDesign Thinking ins Spiel, was gleichermaßen eine Methode und eine Denkweise darstellt. Der Ansatz erlaubt es Kunden und Mitarbeitern eines Unternehmens, ihre Vorstellungen in die Entwicklung neuartiger Produkte oder Lösungen einzubringen. Ausgangspunkt ist ein Bedürfnis der Kunden, also eine Problemstellung. Das Ziel ist, proaktiv praxistaugliche und nutzbringende Lösungen zu entwickeln. Diese Innovationen müssen sich zudem technisch umsetzen lassen und für den Anbieter rentieren. Alles zu Design Thinking auf CIO.de

Grundelemente von Design Thinking

Wesentliche Elemente von Design Thinking sind ein auf den Menschen bezogener Ansatz ("Human Centric") und eine enge Zusammenarbeit von Teams mit Mitarbeitern aus unterschiedlichen Sparten: Entwickler, Fachleute aus Vertrieb, Marketing und der Produktion sowie Führungskräfte. Hilfreich ist zudem, wenn Kunden und Partnerunternehmen mit einbezogen werden.

Ein weiteres Element von Design Thinking ist eine iterative Vorgehensweise. Problemanalysen, Entwicklungsschritte und Optimierungen erfolgen schrittweise. Das bedeutet jedoch nicht, dass kein Raum für gänzlich neue, bahnbrechende Ideen vorhanden sein sollte. Vielmehr ist es wichtig, auch solche Vorschläge zu sammeln und zu prüfen. Die sprichwörtliche Schere im Kopf hat bei Design Thinking keinen Platz.

Der Design-Thinking-Prozess: Der Ausgangspunkt ist die Identifizierung eines "Problems" – in enger Abstimmung mit dem Kunden, der eine Lösung dafür benötigt.
Der Design-Thinking-Prozess: Der Ausgangspunkt ist die Identifizierung eines "Problems" – in enger Abstimmung mit dem Kunden, der eine Lösung dafür benötigt.
Foto: SAP

Vorteile von Design Thinking

Wird es richtig umgesetzt, bietet Design Thinking eine Reihe von Vorteilen. Zu den wichtigsten zählt ein besseres Verständnis für den Kunden. So läuft ein Unternehmen nicht Gefahr, Produkte an ihm vorbei zu entwickeln. Zudem bedingt die stärkere Interaktion mit Anwendern, dass sich Kunden ernst genommen fühlen und eine stärkere Loyalität gegenüber einem Anbieter entwickeln.

Ebenso wichtig ist ein weiterer Faktor: Die Chancen, dass ein Produkt auf dem Markt Erfolg hat, erhöhen sich, wenn Entwickler nicht isoliert an Lösungen arbeiten. Vielmehr werden Silos aufgebrochen und interdisziplinäre Teams gebildet. Sie betrachten Aufgabenstellungen aus Sicht des Kunden und erarbeiten Lösungen, die dem Nutzer das Leben leichter machen.

Der wichtigste Vorteil von Design Thinking ist jedoch, dass es Barrieren beseitigt, die der Entwicklung innovativer Ansätze und Lösungen im Weg stehen. Auch mittelständische Unternehmen können mit überschaubarem Aufwand Innovationsprozesse starten beziehungsweise beschleunigen. Das zahlt sich aus - in Form von neuen, disruptiven Geschäftsmodellen.

Die Grundlagen von Design Thinking, wie sie Hasso Plattner bereits vor rund zehn Jahren identifiziert hat.
Die Grundlagen von Design Thinking, wie sie Hasso Plattner bereits vor rund zehn Jahren identifiziert hat.
Foto: Hasso-Plattner-Institut

Tipps für eine erfolgreiche Umsetzung

Damit ein Design-Thinking-Projekt zu einer Erfolgsgeschichte wird, sollten Unternehmen eine Reihe von Faktoren berücksichtigen. Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam hat im Rahmen einer Studie folgende zentrale Punkte ermittelt:

Der Kunde steht im Mittelpunkt: Was will der Nutzer und was benötigt er? Diese Fragen sollten im Mittelpunkt von Innovationsprozessen stehen. Die Antworten darauf findet ein Unternehmen nur dann, wenn es ein sehr gutes Verständnis und Empathie für seine Kunden entwickelt.

Kein "Command and Control": Wer Mitarbeitern allzu strikte Vorgaben macht, darf sich nicht wundern, wenn trotz Design Thinking keine Innovationen entstehen. Statt auf autokratische Führungsmodelle sollten Unternehmen auf einen kooperativen Stil setzen.

Design Thinking ist kein Garant für Harmonie: Eine gestörte Kommunikation zwischen Abteilungen lässt sich nicht mit Design Thinking beheben. Vielmehr sollten solche Probleme im Vorfeld ausgeräumt werden, damit Innovationsprozesse in Gang kommen.

Innovationsmotor statt Sparbüchse: Die primären Ziele von Design Thinking sind effizientere Innovationsprozesse, eine bessere Zusammenarbeit der Mitarbeiter sowie eine engere Interaktion mit Kunden, nicht das Reduzieren von Kosten. Dieser Effekt kann sich jedoch durchaus einstellen, wenn Design Thinking erfolgreich praktiziert wird.

Veränderungen sind gut: Design Thinking heißt, Althergebrachtes auf den Prüfstand zu stellen. Sowohl das Management als auch die Mitarbeiter müssen solche Veränderungen gemeinsam und geschlossen mittragen.

Sich Zeit lassen: Design Thinking braucht Zeit, denn es erfordert einen Wandel der Unternehmenskultur und eine Anpassung von Prozessen. Ein Unternehmen muss daher an mehreren Stellschrauben drehen, etwa Organisationsstrukturen und Managementmethoden.

Maßanzug statt "One Size fits All": Jedes mittelständische Unternehmen tickt anders. Daher sollten die Design-Thinking-Methode und eingesetzten Tools an die individuellen Anforderungen des Unternehmens angepasst werden.

Leuchttürme aufbauen: Parallel in allen Bereichen eines Unternehmens Design Thinking zu etablieren, ist weder machbar noch nötig. Besser ist, die Methodik zunächst in Abteilungen zu etablieren, die von Ideenreichtum und Innovation leben. Das sind beispielsweise die Sparten Forschung und Entwicklung, Marketing und der interne Support.

Fazit

Unternehmen können ihre Innovationsfähigkeit nicht per Dekret erhöhen. Mitarbeiter benötigen vielmehr eine Umgebung, in der sie ihre Kreativität zur Entfaltung bringen können. Mittelständische Unternehmen haben dafür optimale Voraussetzungen: Ihre Mitarbeiter sind hoch motiviert und die familiäre Unternehmenskultur ist ein idealer Raum, um Austausch zwischen Abteilungen zu fördern. Zudem sind mittelständische Unternehmen besonders nahe an ihren Kunden und kennen diese sehr gut. Sie sind in der besten Situation, um auf die Bedürfnisse und Probleme ihrer Kunden einzugehen.

Um auch in Zukunft gegen agile und innovative Mitbewerber zu bestehen ist es unerlässlich, dass Mittelständler das kreative Potenzial ihrer Beschäftigten fördern und nutzen. Design Thinking kann sie dabei maßgeblich unterstützen und ihnen helfen, so innovativ wie ein Startup zu werden.

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