Strategien


AOK will Krankenkassen-Standard durchsetzen

Baustelle mit Risiko

Glaubenssache: SAP oder Java-Umgebung

Von SAM erhofft man sich eine erhebliche Steigerung der IT-Effizienz und einen Rückgang der Wartungskosten. "Bereitete der Datenträgeraustausch wegen der vielen Datenformate vor acht Jahren noch enorme Probleme, so werden die Abstimmung und Konvertierung von Daten in Zukunft wesentlich erleichtert", verspricht Reichelt.

Bis alle 17 Landesgesellschaften My SAP nutzen können, wird die Bundes-AOK voraussichtlich 250 Millionen Euro investiert haben. "Das ist keine Eh-da-Kalkulation nach dem Motto: Personal, das wir ohnehin einsetzen, ver-ursacht keine Kosten", verteidigt Reichelt als Vorstandsbevollmächtigter die Entscheidung. Personal fließe neben den Entwicklungskosten in die Kalkulation mit ein. Das relativiert auch den Unterschied zu den 30 Millionen Euro, die die Techniker Krankenkasse für die Eigenentwicklung ihres Bestandsführungssystems TK easy (ergonomisches Anwendungssystem) veranschlagt; oder den 50 Millionen, mit denen der Bundesverband der Betriebskrankenkassen für die Renovierung der Bestandsführung kalkuliert.

Konzipiert ist die Entwicklungs- und Anwendungs-umgebung TK easy für 5,3 Millionen Kunden; die AOK braucht hingegen eine Infrastruktur für 27,3 Millionen Mitglieder. TK-IT-Vorstand Hans-Dieter Koring: "Wir wollten von Anfang an keinen Branchenstandard schaffen." Auch der Bundesverband der Betriebskrankenkassen hat nicht diesen Anspruch. Die Anforderungen der einzelnen Krankenkassen unterscheiden sich nach TK-Ansicht stark: "Jeder schneidert nach seinen Bedürfnissen", so TK-easy-Entwicklungsleiter Penssler. "Das ist wie beim Auto; da können Sie auch nicht beliebige Baugruppen von Ford nehmen und in einem Mercedes einsetzen." Daher unterstützte die TK das von See initiierte Projekt nicht; die AOK hatte damals noch keinen Vorstoß unternommen. Da die Kostenerstattung gesetzlich fixiert ist, liege der Unterschied bei den Kassen im Service, sagt Koring. Ein Standard würde Wettbewerb verhindern.

Bei der TK übernimmt SAP R/3 nach wie vor betriebswirtschaftliche Abläufe, während das Java-Programm TK easy den Sozialversicherungsteil erledigt. Alle Daten, die zwischen Versicherten, Arbeitgebern und Krankenkassen benötigt werden, verarbeitet TK easy. Knapp ein Fünftel der Anwendungen läuft bereits auf der neuen Plattform; 2005 soll das Projekt abgeschlossen sein. Drei Jahre benötigte Penssler für die Integration der Plattform in bestehende SAP-R/3-Strukturen.

"Es ist die pragmatischste Lösung auf dem Krankenversicherungsmarkt", meint Helmut Meitner, der für IT und E-Business zuständige Partner bei der Frankfurter Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants. Sie habe zudem innovativen Charakter und - funktioniere.

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