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Data Scientists fehlen

Berater scheitern an Data Analytics

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Fast sechs von zehn Beratern fehlen Zeit und Know-how für die Interpretation von Daten. Knapp drei von zehn verkaufen Analytics-Lösungen als Lizenz-Produkt. Das zeigt eine Studie von Lünendonk.
  • Vor allem in Projekten rund um das Internet of Things (IoT), E-Commerce und Digitales Marketing müssen Berater analysieren.
  • Zwei von drei Consultants setzen analytische Software bisher nur punktuell ein.
  • Knapp acht von zehn Beratern haben nicht genug Fachkräfte (Data Scientists, Technologie-Experten) im Haus.

Der klassische Unternehmensberater muss sich "digitale Beratungskomponenten" aneignen. Darunter verstehen die Consultants von Lünendonk Know-how rund um Datenerhebung und Analyse. Nötig sind außerdem Wissen über Software-Tools zur Erkennung von Zusammenhängen sowie Kenntnisse zu Big DataBig Data, Cloud und digitalen Geschäftsmodellen. Das geht aus der Studie "Consulting 4.0" hervor, die Lünendonk gemeinsam mit dem Visualisierungs-Software-Anbieter Tableau erstellt hat. Alles zu Big Data auf CIO.de

Die Unternehmensberater erwarten, dass technologisches Know-how an Bedeutung gewinnt.
Die Unternehmensberater erwarten, dass technologisches Know-how an Bedeutung gewinnt.
Foto: Lünendonk

Treiber dieser Entwicklung sind Industrie 4.0Industrie 4.0 (IoT, Internet of Things) sowie Projekte in E-Commerce und Digital Marketing. An der Studie haben rund 100 Berater teilgenommen, knapp zwei Drittel (64 Prozent) verstehen sich als Organisations- und Prozessberater oder als Strategieberater. Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Daten konsolidieren und zusammenführen "sehr aufwändig"

Der Umgang mit Daten gestaltet sich schwierig. So erklären 86 Prozent, das Konsolidieren und Zusammenführen von Daten aus verschiedenen Quellen sei "sehr aufwändig" und erschwere die Projekte. 71 Prozent fällt - zumindest teilweise - die Interpretation von Daten schwer, weil sich die Zusammenhänge in großen Datenbeständen nicht leicht erkennen lassen. 57 Prozent mangelt es an Zeit für die Interpretation von Daten. Sie kämpfen mit Aufbereitung und Visualisierung von großen Datenbeständen.

Zwei Drittel der Befragten setzen analytische Werkzeuge bisher nur punktuell ein. 19 Prozent arbeiten zu einem großen Teil damit. Die Erwartungen hoch: 49 Prozent der Berater glauben, mit solchen Tools doppelt so schnell arbeiten zu können. Die anderen denken, dass sie sogar noch schneller wären.

Vor allem mit der Konsolidierung und Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Quellen haben Berater Schwierigkeiten.
Vor allem mit der Konsolidierung und Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Quellen haben Berater Schwierigkeiten.
Foto: Lünendonk

Lünendonk hat erfragt, welche Visualisierungs-Tools die BeraterBerater kennen. Fast jeder nennt Excel und Powerpoint (100 beziehungsweise 99 Prozent). Es folgen Power BI (72 Prozent), Tableau (61 Prozent) und Qlik (59 Prozent). Alles zu Consultant News auf CIO.de

Meistgenutzte Datenquellen

Die Berater nutzen für ihre Arbeit ERP-Daten (92 Prozent) sowie Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen (91 Prozent). Außerdem operieren sie mit externen Kundendaten (80 Prozent), Daten von Lieferanten (57 Prozent) Log-Daten aus IT-Systemen (56 Prozent) und Social Media-Daten (54 Prozent). Jeder Dritte (33 Prozent) spricht auch von Sensor-, RFID- und anderen Maschinendaten.

Berater bilden mit Anbietern strategische Kooperationen

Die Umfrage weist auch Vorreiter aus: 29 Prozent der Teilnehmer verkaufen den Kunden Analytics-Lösungen als Lizenz-Produkt. Hier geht es in erster Linie um die Bereiche Produktion/Fertigung, Logistik/Lieferkette, Einkauf und IT. Weitere dreizehn Prozent wollen mit solchen Angeboten nachziehen. 40 Prozent haben keinerlei Pläne und 18 Prozent konnten diese Frage nicht beantworten. Sie wissen es nicht.

61 Prozent der Berater bilden mit den Anbietern von Tools strategische Kooperationen. 14 Prozent haben solche Allianzen noch nicht geschmiedet, planen dies aber. Bei 17 Prozent steht das nicht auf der Agenda.

Das Stichwort vom "Consulting 4.0" bezieht sich in erster Linie auf Projekte rund um das Internet der Dinge (IoT).
Das Stichwort vom "Consulting 4.0" bezieht sich in erster Linie auf Projekte rund um das Internet der Dinge (IoT).
Foto: Lünendonk

Warum Analytics bei Beratern scheitert

Wenn der Einsatz von Analyse-Werkzeugen scheitert, liegt das vor allem daran, dass die Berater nicht genügend Fachkräfte im Unternehmen haben. Hier geht es speziell um Data Scientisten und Technologie-Experten (76 Prozent der Nennungen). 72 Prozent haben schlicht keine Zeit, sich mit Data Analytics zu beschäftigen. Gut jeder Zweite (51 Prozent) erklärt allerdings, mit der aktuell guten Auftragslage zufrieden zu sein - und keinen Grund für Veränderungen zu sehen.

Die Mehrheit der Befragten greift immer öfter zu Standardsoftware-Lösungen als Basis für Beratungsprojekte und baut darauf konkrete Produktlösungen auf (69 Prozent "trifft zu"/"trifft teilweise zu"). 63 Prozent versuchen, ihre eigenen Tools mitzubringen, auch dann, wenn der Kunde eigene hat. 53 Prozent nutzen die Werkzeuge, die der Kunde bereits einsetzt. 52 Prozent beobachten, dass die Kunden in Ausschreibungen immer häufiger den Einsatz von Analyse-Tools fordern.

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