Künstliche Intelligenz für Ihr Business


// Experten verraten Ihnen aus erster Hand wie auch Ihr Unternehmen von Künstlicher Intelligenz profitiert.

Praxischeck KI

"Das Bewusstsein für KI muss sich erst noch entwickeln"

15.02.2019
Technologien auf Basis Künstlicher Intelligenz wie Maschinelles Lernen oder Natural Language Processing sind auf dem Vormarsch. Schon heute ist klar, dass KI den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen maßgeblich beeinflussen wird. Doch wann macht der Einsatz von KI wirklich Sinn? Wie kann AI dem Business einen echten Mehrwert liefern? Drei Experten aus der Praxis geben Antworten.

Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sind derzeit in aller Munde. Doch wie Unternehmen diese Technologien nutzbringend einsetzen können, und was sie dafür benötigen, das versuchen viele Business- wie auch IT-Leiter gerade zu eruieren. In unserem Interview diskutieren drei Fachleute aus unterschiedlichen Sparten die Chancen und Einsatzmöglichkeiten von KI in Unternehmen: Dr. Jürgen Wirtgen von Microsoft und Dirk Fedder von Prodware, einem Anbieter von Lösungen auf Basis von Technologien von Microsoft. Dritter im Bunde ist Carlo Dannies vom Hamburger Beratungshaus und Cloud-Spezialisten Bright Skies.

KünstlicheIntelligenz gilt derzeit als Hype-Thema. Ist diese Technologie bereits in deutschen Unternehmen "angekommen?"

Dr. Jürgen Wirtgen: Wir verzeichnen ein deutlich wachsendes Interesse an KI. Unternehmen beginnen damit, Proof-of-Concepts zu erarbeiten und Projekte zu starten. Das erfolgt beispielsweise bei Anwendungen wie Bots und im Bereich der vorausschauenden Wartung, also Predictive Maintenance.

Dr. Jürgen Wirtgen verantwortet den Geschäftsbereich Cloud & Enterprise, das Microsoft Geschäft mit Datendiensten und Künstliche Intelligenz. Zuvor war der promovierte Informatiker in verschiedenen Management-Positionen in Vertrieb und Marketing bei internationalen Softwarekonzernen tätig. Zwischen 2005 und 2008 bildete er an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg als Professor junge Informatiker aus und widmete sich der Erforschung von Datenanalyse-Systemen. www.microsoft.de
Dr. Jürgen Wirtgen verantwortet den Geschäftsbereich Cloud & Enterprise, das Microsoft Geschäft mit Datendiensten und Künstliche Intelligenz. Zuvor war der promovierte Informatiker in verschiedenen Management-Positionen in Vertrieb und Marketing bei internationalen Softwarekonzernen tätig. Zwischen 2005 und 2008 bildete er an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg als Professor junge Informatiker aus und widmete sich der Erforschung von Datenanalyse-Systemen. www.microsoft.de
Foto: Microsoft

Carlo Dannies: Als Beratungshaus und Cloud-Spezialist sehen wir, dass Entwicklungsteams ihrem Werkzeugkasten mit Anwendungen von Microsoft nun auch verstärkt KI-Tools hinzufügen. Künstliche Intelligenz wird als eine weitere Technologie betrachtet, mit der sich Lösungen entwickeln lassen. Das gilt vor allem für Aufgaben, bei denen große Datenmengen analysiert werden müssen. Es wäre eine Vergeudung von Ressourcen, dafür hoch qualifizierte Mitarbeiter einzusetzen.

Dirk Fedder:Allerdings gibt es immer noch etliche Unternehmen, die das Potenzial von KI noch nicht erkannt haben. Dieses Bewusstsein muss sich erst noch entwickeln.

Können auch kleine und mittelständische Unternehmen von KI und Machine Learning profitieren?

Dannies: Der Mittelstand nutzt typischerweise IT-Lösungen länger, oft über den Abschreibungszeitraum hinaus. Daher dauert es auch länger, bis solche Unternehmen Themen wie KI als relevant einstufen. Doch das ist heute der Fall. Oft nutzen Mittelständler nun die notwendige Erneuerung von auslaufenden IT-Ressourcen wie SQL Server 2008 dazu, um IT- und Geschäftsprozesse in die Cloud zu verlagern und dabei in den Genuss neuer Funktionalitäten zu gelangen. Über Plattformen wie Microsoft Azure haben sie nun direkten Zugang zu KI- und Machine-Learning-Anwendungen.

Carlo Dannies bekleidet bei der Bright Skies GmbH in Hamburg die Position des Chief Operating Officer (COO). Bright Skies ist ein unabhängiges Beratungshaus mit einem klaren Fokus auf Cloud Computing. Dabei werden Partner ganzheitlich von der Strategieplanung bis zum Solution Development auf dem Weg in die (hybride) Cloud begleitet. Auch Bright Skies arbeitet eng mit Microsoft zusammen. https://bskies.io/
Carlo Dannies bekleidet bei der Bright Skies GmbH in Hamburg die Position des Chief Operating Officer (COO). Bright Skies ist ein unabhängiges Beratungshaus mit einem klaren Fokus auf Cloud Computing. Dabei werden Partner ganzheitlich von der Strategieplanung bis zum Solution Development auf dem Weg in die (hybride) Cloud begleitet. Auch Bright Skies arbeitet eng mit Microsoft zusammen. https://bskies.io/
Foto: BrightSkies

Wirtgen: Gerade mittelständische Unternehmen profitieren zudem davon, dass sie über Microsoft Azure auf einfache und kostengünstige Weise Zugang zu weiteren Ressourcen erhalten, etwa Rechenleistung, Entwicklungs-Tools, Datenbanken und Speicherplatz. Auch diese Komponenten machen es einfacher, KI- Anwendungen zu entwickeln und einzusetzen.

Die Cloud vereinfacht die Nutzung von KI

Welche Anwendungsfelder bieten sich in erster Linie für den Einsatz von KI und maschinellem Lernen an?

Wirtgen: Viele Unternehmen setzen KI zunächst bei Bots ein, die sie im ersten Schritt intern verwenden. Anschließend werden Bots auch für die Kommunikation mit Kunden genutzt, etwa im Bereich Helpdesk. Künstliche Intelligenz und Machine Learning lassen sich jedoch auch in der Predictive Maintenance und der Qualitätssicherung nutzen, etwa bei der Bildanalyse. So setzen beispielsweise Hersteller von Halbleiter-Wafern und Schrumpfschläuchen Bildanalyse-Systeme mit ML-Funktionen ein, um Produkte auf Fehler zu überprüfen. Weitere Einsatzfelder sind das Risikomanagement und Predictive Analytics.

Fedder: Auch der Fachhandel kann von diesen Technologien profitieren. Ein Beispiel sind Brillenfachgeschäfte. Sie können KI-gestützte Software dazu nutzen, um ihren Kunden passende Brillenmodelle vorzuschlagen. Im Online-Handel erfolgt das, indem der Kunde ein Foto auf die Plattform des Anbieters hochlädt, inklusive Informationen über das gewünschte Modell, dessen Farbe und Form. Die Software sucht dann passende Versionen aus und zeigt anhand eines Bildes, wie die Brille am Träger aussieht.

Dirk Fedder ist Director Professional Services bei der Prodware Deutschland AG in Hamburg. Das Unternehmen ist ein langjähriger Partner von Microsoft und besitzt mehr als 25 Jahre Erfahrung bei der Implementierung von Microsoft Dynamics-Software im Bereich ERP, CRM sowie von innovativen Business Intelligence (BI)-Lösungen. www.Prodware.de
Dirk Fedder ist Director Professional Services bei der Prodware Deutschland AG in Hamburg. Das Unternehmen ist ein langjähriger Partner von Microsoft und besitzt mehr als 25 Jahre Erfahrung bei der Implementierung von Microsoft Dynamics-Software im Bereich ERP, CRM sowie von innovativen Business Intelligence (BI)-Lösungen. www.Prodware.de
Foto: Prodware

Kann auch der stationäre Handel von solchen KI-Funktionen profitieren?

Fedder: Selbstverständlich! Die Software lässt sich auch vor Ort beim Optiker einsetzen. "Intelligente" Warenregale zeigen dann, welche Brillenmodelle für den Interessenten in Frage kommen, etwa indem Spotleuchten die entsprechenden Brillen markieren.

Dannies: KI und ML können überall dort zum Einsatz kommen, wo große Datenbestände verarbeitet und analysiert werden. Das ist beispielsweise im Finanzsektor der Fall, aber auch in der Medizin. Ein Beispiel ist das Erkennen von Tumorzellen. Statt diesen zeitaufwendigen und ermüdenden Prozess einem Labormitarbeiter oder Arzt zu übertragen, können Algorithmen dies übernehmen. Das reduziert den Aufwand und führt schneller zu Ergebnissen. Das heißt aber nicht, dass nun eine KI-Instanz entscheidet, ob ein Patient Krebs hat oder nicht. In letzter Instanz stellt der Arzt diese Diagnose. Künstliche Intelligenz und Machine Learning helfen ihm jedoch dabei.

Künstliche Intelligenz ist kein "Jobkiller"

Werden KI-Lösungen letztlich Arbeitsplätze vernichten und menschliche Mitarbeiter überflüssig machen?

Dannies: Nein, im Gegenteil. Ein Problem in Deutschland ist der Mangel an Fachkräften. Indem "Fleißarbeiten" an Maschinen und KI-Instanzen ausgelagert werden, lassen sich Facharbeiter effektiver und effizienter einsetzen. Der Trend hin zu hochwertigeren Tätigkeiten ist Teil des gesellschaftlichen Wandels, der in vielen Regionen stattfindet, nicht nur in Deutschland. Allerdings mangelt es noch an politischen Rahmenbedingungen, die diese Veränderung mittragen, etwa in Form einer verbesserten Aus- und Weiterbildung.

Wirtgen: Microsoft sieht in Künstlicher Intelligenz ein Mittel, das Mitarbeiter bei ihrer Tätigkeit unterstützt. Ein Beispiel ist die Inspektion von Abwasserkanälen. Üblich sind Verfahren, bei denen solche Kanäle mithilfe von Kameras auf Schäden untersucht werden, die auf Fahrzeugen montiert sind. Die Analyse der Aufnahmen ist eine zeitaufwendige und anstrengende Tätigkeit. KI- und Machine-Learning-Lösungen können eine Vorsortierung der Aufnahmen vornehmen. Der Fachmann kann sich dann auf die Inspektion derjenigen Kanalabschnitte konzentrieren, die laut der Software vermutlich Schäden aufweisen.

Gibt es Branchen, in denen der Einsatz von KI weniger Sinn macht?

Wirtgen: Künstliche Intelligenz lässt sich nach unserer Einschätzung in einer Vielzahl von Bereichen einsetzen, auch in der Pflege. Dort können KI-Lösungen dabei helfen, Sprachbarrieren zwischen Pflegekräften aus dem Ausland und den Betreuten zu beseitigen. In Schulen wiederum lassen sich KI-Systeme dafür nutzen, um Schülern Lerninhalte zu vermitteln.

Dannies: Das entlastet die Lehrer und erlaubt es ihnen, besser auf einzelne Schüler einzugehen und eine individuelle Förderung umzusetzen.

Fedder: Wichtig ist allerdings, dass man in sensiblen Bereichen wie der Pflege oder Medizin auf die Vorbehalte Rücksicht nimmt, die gegenüber Technologien wie KI bestehen. Nur ein Beispiel: Die Hälfte der Bundesbürger kann sich laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom vorstellen, sich teilweise von Roboter pflegen zu lassen, an die 50 Prozent lehnen das jedoch ab. Und 44 Prozent sehen den Einsatz von digitalen Anwendungen im Pflegebereich skeptisch. Das zeigt, dass Aufklärungsbedarf besteht, was den Nutzen von Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Robotics betrifft.

Mitarbeiter mit auf die Reise nehmen

Welche Herausforderungen müssen Unternehmen bewältigen, die KI und Machine Learning einsetzen wollen?

Fedder: Wichtig ist, die Mitarbeiter "mitzunehmen". Denn etliche haben Bedenken, dass ihnen diese Technologien die Arbeit wegnehmen oder sie dazu nötigen, andere Aufgaben zu übernehmen. Außerdem sollten Führungskräfte ihre Mitarbeiter dazu animieren, KI-Lösungen auszuprobieren und entsprechende Use Cases zu entwickeln - auch dann, wenn das eine oder andere Projekt scheitert.

Dannies: Im ersten Schritt sollte die IT-Infrastruktur daraufhin überprüft werden, ob sie überhaupt für KI-Anwendungen tauglich ist. Parallel dazu ist es hilfreich, ein Technologiekonzept zu entwickeln. Es zeigt auf, welche Stärken ein Unternehmen hat und in welchen Bereichen sich KI und maschinelles Lernen nutzbringend einsetzen lassen. Dabei sollte der Mehrwert im Mittelpunkt stehen, der sich mit diesen Technologien erzielen lässt. Nicht vergessen werden dürfen zudem "Leitplanken" für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Ein Beispiel: Auch wenn eine KI-Instanz bei einem Patienten Tumorzellen entdeckt, sollte ein Arzt dieses Ergebnis überprüfen und die Entscheidung über die weitere Vorgehensweise treffen.

Wirtgen: Zu berücksichtigen ist zudem, dass die IT-Abteilung die Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI-Lösungen schaffen muss. Dazu zählt, eine Datenstrategie zu erarbeiten und die Qualität der Datenbestände zu optimieren. Denn der Einsatz von KI wird nach unserer Erfahrung vor allem von den Fachabteilungen vorangetrieben. Sie erhoffen sich dadurch unter anderem eine höhere Effizienz. Die IT sollte dafür gerüstet sein.

Expertise von Microsoft und seinen Partnern nutzen

Wie können Unternehmen am effizientesten Know-how im Bereich KI, Machine Learning und Deep Learning aufbauen?

Fedder: Der beste Weg ist nach unserer Erfahrung, die Expertise von Partnern von Microsoft zu nutzen und sich von diesen beraten zu lassen. Das heißt, Kunden und Interessenten können Microsoft gewissermaßen als Sparringspartner nutzen. Sie haben dann die Möglichkeit, im Dialog mit Microsoft selbst und Partnern wie Prodware und Bright Skies zu prüfen, in welchen Bereichen der Einsatz von KI Sinn macht und welche technischen und organisatorischen Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Zudem können Microsoft- Partner erläutern, welche Optionen zur Wahl stehen, etwa die Nutzung von KI-Lösungen, die auf der Azure-Cloud-Plattform verfügbar sind.

Dannies: Speziell Cloud-Plattformen wie Azure erleichtern es Unternehmen, sich mit überschaubarem Aufwand mit neuen Technologien wie KI vertraut zu machen. Und diesen Vorteil sollten deutsche Unternehmen nutzen. Denn eines ist klar: Technologien wie KI und Machine Learning sind ein wichtiger Faktor, um die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen sicherzustellen.

Zur Startseite