Einstiger Festo-CIO Roger Kehl

Der CIO wird zum CDO oder vice versa

Schreibt und recherchiert Führungs- und Karrierethemen - in der Redaktion von CIO-Magazin und COMPUTERWOCHE. Ihre Schwerpunkte sind CIOs, IT-Karrieren und -Nachwuchs, Führung, New Work und Diversity.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Setzt sich für mehr Frauen in der IT ein.
Entweder wird die IT integraler Bestandteil des Business oder sie wandert in die Fachbereiche, sagt Roger Kehl zum 20-jährigen Jubiläum des CIO-Magazins.
"Der CIO muss die IT transformieren. Er muss sich als strategischer, digitaler Berater verstehen", fordert Roger Kehl, Head of Manufacturing bei Atos.
"Der CIO muss die IT transformieren. Er muss sich als strategischer, digitaler Berater verstehen", fordert Roger Kehl, Head of Manufacturing bei Atos.
Foto: Festo

Die IT trägt immer stärker als strategischer Wert zum Unternehmenserfolg bei, sei es beim Produktportfolio, dem Go-to-Market oder dem Servicekatalog, beobachtet Roger Kehl, vormals CIO von Festo, jetzt Head of Manufacturing bei Atos und Mitglied im Executive Management Board Central Europe. Seiner Meinung nach ändert sich damit auch die Rolle des CIORolle des CIO: "Er muss die IT transformieren." Alles zu Rolle des CIO auf CIO.de

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des CIO-Magazins haben wir CIOs, CEOs, Seitenwechsler (vom Anwender zum Anbieter) sowie andere Experten aus der ITK-Branche befragt, wie es um die Rolle des CIO steht. Laut Kehl geht die Entwicklung weg von der klassischen Support-Funktion, die als Kostenfaktor gesehen wird und den laufenden Betrieb sicherstellen muss. Vielmehr müsse sich ein CIO als strategischer, digitaler Berater verstehen, der Differenzierungsmerkmale im Markt erschafft: "Etwa durch innovative Sales- oder Engineering-Prozesse oder bei den Produkten seines Unternehmens, beispielsweise bei der Software in einem Elektroauto oder der Software für IoT-Komponenten."

Innovationsdruck erfordert Agilität

Zu den wichtigsten CIO-Aufgaben gehört es Kehl zufolge daher, die digitale Innovation in den zentralen Angeboten des Unternehmens zu etablieren und die eigenen IT-Prozesse zu modernisieren: "Innovationsdruck verlangt nach agilen Arbeitsweisen, neuen Tools und Cloud-nativen Technologien."

Eine oftmals ungeklärte Reibungsstelle sieht der Manager in der Konvergenz aus IT (Informationstechnologie) und OT (Operational Technology): "In den Fertigungsanlagen gibt es zahlreiche vernetzte Elemente, die mit dem Firmennetz und, für Remote Services, auch den Anlagenherstellern verbunden sind." Um das große Potenzial bei der Umsetzung von Industrie 4.0-Szenarien zu heben, müssten Cyber-Security-Aspekte unbedingt berücksichtigt werden.

Apropos IT-Sicherheit: Das ist für Kehl eine der zentralen Aufgaben für CIOs. Hier gelte es, die richtigen Maßnahmen zu treffen, Zeit in die Vorbereitung zu investieren, mögliche Szenarien durchzuspielen und jetzt schon Recovery-Pläne in der Schublade zu haben. Und ganz wichtig: Die Geschäftsleitung von Anfang an miteinzubinden.

Zwei Szenarien für die Zukunft

Wo geht Kehl zufolge die Reise hin für CIOs? Er sieht zwei mögliche Szenarien: "In der eher konservativen Sicht entwickelt sich der CIO hin zur Rolle des CDO oder vice versa. IT wäre dann nicht mehr vom Rest des Unternehmens zu trennen, sondern ein integraler Bestandteil." Der CIO müsse bei der DigitalisierungDigitalisierung des Unternehmens eine Schlüsselstellung einnehmen und auch die Befähigung dazu erhalten. Eine fortwährende Trennung würde nur Redundanzen verursachen. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Ein anderes Szenario wäre, dass die IT-Komplexität weiter zunehme und gleichzeitig die Fachbereiche eine größere Souveränität in Bezug auf ihr IT-Budget und ihr IT-Fachwissen entwickelten. "Schon heute sehen wir den Trend hin zum 'Citizen Developer', dass also IT-Kompetenzen sowie App-Verantwortung und App-Entwicklungen im Fachbereich liegen", sagt Kehl. Als Konsequenz stellt er sich die Frage, ob man eine "zentrale" IT überhaupt noch brauche, denn diese Strukturen begönnen sich aufzulösen: "Was dann noch bleibt, sind IT-Governance und -Security."

Wir feiern 20 Jahre CIO-Magazin

Ob auf dem Tablet oder in der Print-Edition zum Anfassen, das CIO Magazin begleitet IT-Manager seit 20 Jahren.
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Foto: Montage cio.de / rawpixel.com - shutterstock.com

Am 16. September feiern wir den 20. Geburtstag des CIO-Magazins. An diesem Tag vor 20 Jahren wurde das erste Heft fertig, das mit einer Auflage von 80.000 in den Markt ging. Auf dem Jubiläumsevent stellen wir ihnen auch die Prognosen zur Zukunft der IT aus dem neuen CIO-Jahrbuch vor. Für das musikalische Highlight sorgt unsere "CIO-Band", die remote ihren ersten Song aufgenommen hat.

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