CIO-Befragung

IT-Organisationen verschmelzen mit dem Business

Christoph Witte arbeitet als Publizist, Sprecher und Berater. 2009 gründete er mit Wittcomm eine Agentur für IT /Publishing/Kommunikation. Dort bündelt er seine Aktivitäten als Autor, Blogger, Sprecher, PR- und Kommunikationsberater. Witte hat zwei Bücher zu strategischen IT-Themen veröffentlicht und schreibt regelmäßig Beiträge für die IT- und Wirtschaftspresse. Davor arbeitete er als Chefredakteur und Herausgeber für die Computerwoche. Außerdem ist Witte Mitbegründer des CIO Magazins, als dessen Herausgeber er bis 2006 ebenfalls fungierte.

Nur die produktorientierten Unternehmen beginnen zu verstehen, dass eine derart getrennte Führung eine Voraussetzung für flexible Ressourcenzuordnung ist. "Die agilen Arbeitsweisen und eine zunehmende Produktorientierung haben eindeutig gezeigt, dass die Trennung der Führungsverantwortung deutliche Vorteile bringt", kommentiert Heinevetter. "Allerdings bedeutet sie Machtverlust für viele Führungskräfte und ist deshalb auch schwierig einzuführen und zu leben. Deshalb trauen sich da viele Unternehmen noch nicht ran."

Low-Code wird zum Muss

Um eine starke Verschmelzung von IT und Business zu erreichen, müssen Unternehmen in der Lage sein, einfachere IT- und Digitalaufgaben ohne IT-Professionals zu bewältigen. Allerdings spiegelt sich der Hype um das Thema Citizen Development in der aktuellen Situation der Unternehmen nur bedingt wider. Erst knapp 60 Prozent der Unternehmen setzen auf Citizen Development, allerdings nicht immer unter Einbeziehung und Steuerung der IT. Das gilt nur für 63 Prozent der IT-Organisationen, die damit arbeiten. Bei mehr als einem Drittel dieser Unternehmen findet Citizen Development ohne Beteiligung der IT statt.

Insgesamt wird die Bedeutung des Themas aktuell noch unterschätzt. Je größer ein Unternehmen, desto eher sehen die Verantwortlichen die Chancen und umso öfter findet Citizen Development unter Beteiligung der IT statt. Insbesondere die großen IT-Organisationen nennen dabei Vorteile wie die Beschleunigung der digitalen Transformation, die Kompensation des Fachkräftemangels sowie die Symbiose von Business und IT. Das volle Potenzial kann Citizen Development allerdings nur entwickeln, wenn geklärt ist, welche Verantwortung das Business und welche die IT übernimmt. Hier besteht noch großer Nachholbedarf: Lediglich 12 Prozent der Befragten haben eine Governance für Citizen Development definiert.

Nachholbedarf bei Data Analytics und Data Governance

Eine hohe Relevanz von Daten und deren Einfluss auf ihre Unternehmen sehen über 70 Prozent der Befragten. Allerdings erkennen sie auch noch großen Handlungsbedarf, um die Transformation zur Data-Driven-Organisation (DDO) zu schaffen. Insbesondere in den Bereichen Data Governance und Data Analytics müssen noch viele Hausaufgaben erledigt werden.

Auch die Organisation muss sich weiterentwickeln, um den Anforderungen einer Data-Driven-Organisation zu entsprechen. Rund 75 Prozent der Studienteilnehmer sehen einen Bedarf an neuen Rollen, Business-getriebenen Daten-Use-Cases sowie Daten-Ökosystemen. Als neue Rollen werden mehrheitlich Data Analyst, Data Scientist, Data Owner, Data Architect und Data Engineer genannt. Vier von fünf der Befragten wünschen sich keinen Chief Data Officer.

Große Lücke zwischen Anspruch und Realität

Trotz des hohen Interesses an der Data-Driven-Organisation (DDO) und der Product-Driven Organisation (PDO) sind die tatsächlichen Einführungsquoten gering. Nur 18 Prozent der IT-Organisationen haben eine PDO erfolgreich eingeführt. Dabei handelt es sich häufig um erste Pilotprojekte. Bei DDO fallen die Werte noch niedriger aus.

Nur fünf Prozent der Unternehmen geben an, sich erfolgreich zu einer DDO transformiert zu haben. Das wird sich voraussichtlich auch nicht so schnell ändern. Insgesamt sehen sich die Organisationen noch nicht gut aufgestellt die Transformation voranzutreiben. Im PDO-Sektor geben sich 77 Prozent der befragten Unternehmen eine Schulnote zwischen 3 und 6. Im DDO-Bereich fällt die Selbstreflektion noch negativer aus. 90 Prozent geben sich eine Note zwischen 3 und 6.

Trotz des großen Veränderungsdrucks, unter dem Unternehmen generell und die IT-Organisationen im Besonderen stehen, sind Mitarbeitende und Führungskräfte offenbar nicht ausreichend auf den Change vorbereitet. Den Befragten zufolge fühlen sich nur 45 Prozent der Mitarbeiter und 49 der Führungskräfte "change ready". In großen Organisationen sind nach Einschätzung der Teilnehmer sogar nur 34 Prozent der Führungskräfte auf die Veränderungen vorbereitet, in mittleren IT-Organisationen 49 und in kleineren immerhin 54 Prozent.

Zur Startseite