Strategien


IT Transformation Strategy 2020

Osram-CIO Mossanen braucht kein globales RZ mehr

Wolfgang Herrmann ist IT-Fachjournalist und Editorial Lead des Wettbewerbs „CIO des Jahres“. Der langjährige Editorial Manager des CIO-Magazins war unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO sowie Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
Die digitale Transformation läuft beim Leuchtsystemhersteller Osram auf vielen Ebenen. CIO Kian Mossanen hat die meisten Geschäftsanwendungen in die Cloud verlagert und eigene globale Rechenzentren geschlossen. Für die Digitalisierung spielen IoT und Master Data Management eine wichtige Rolle.

Das "größte IT-Projekt in der Geschichte Osrams" hat Mossanen schon abgehakt. Mit dem Carve-out des traditionellen Lampengeschäfts in das neue Unternehmen Ledvance (siehe unten "Background") trennte er die komplexen IT-Strukturen auf und konsolidierte zugleich die Osram-Rechenzentren für kaufmännische und weitere Anwendungen in die Cloud. Doch das war erst der Anfang. Mit einer umfassenden Transformationsstrategie will der gelernte Betriebswirt die Konzern-IT fit machen für neue Geschäftsfelder und die Herausforderungen der Digitalisierung.

Osram entwickelt sich zum Softwareunternehmen, sagt CIO Kian Mossanen: „Die IT muss dabei zum Treiber der Veränderung werden.“
Osram entwickelt sich zum Softwareunternehmen, sagt CIO Kian Mossanen: „Die IT muss dabei zum Treiber der Veränderung werden.“
Foto: Osram

In Mossanens Büro im Münchner Norden hängt ein schickes Surface Hub von Microsoft. Darüber wickelt er sämtliche Videokonferenzen ab. "Das funktioniert sehr einfach und nahtlos beispielsweise über Outlook-Einladungen", berichtet er. Das Riesen-Tablet symbolisiert zugleich Osrams "Future Workplace Strategy". Seit Januar 2017 arbeitet der Konzern weltweit mit einem standardisierten, cloud-basierten Workplace auf der Grundlage von Office 365.

Die Daten würden von Microsoft in Europa gehosted, betont der CIO. Auch für die Client-seitige Hardware hat er sich auf einen einzigen Anbieter festgelegt, gleiches gilt für Datenleitungen und Weitverkehrsnetze. Hier setzt der IT-Chef auf AT&T: "Wir haben jetzt nur noch einen globalen Netzwerk-Provider." Nach einer konzernweiten Migration betreue AT&T heute die WAN-Infrastruktur für 121 Standorte in 40 Ländern.

Wie konsequent Mossanen seine Outsourcing-Strategie verfolgt, zeigt sich auch an anderen Stellen. So betreibt beispielsweise der international tätige Dienstleister Stefanini den Service Desk für alle Osram-User weltweit. Im Bereich Application Services kooperieren die Münchner seit April 2016 mit Cognizant . Dennoch muss der CIO im Konzern-Backend noch umfangreiche Konsolidierungsvorhaben stemmen. Sie sind Bestandteil der neuen "IT Transformation Strategy 2020". Im Kern geht es dabei um die drei Säulen "Rightsizing" der Anwendungslandschaft, Master Data Management und SAP S/4 HANA.

Rightsizing heißt Konsolidieren

Der einst von IBM geprägte Anglizismus Rightsizing bedeutet in diesem Kontext schlicht KonsolidierungKonsolidierung der über viele Jahre gewachsenen Applikationsstruktur auf nur noch wenige Systeme. Hintergrund ist Osrams eigener Carve-out aus dem Siemens-Konzern im Jahr 2013. Etliche Altanwendungen aus dieser Zeit sind noch in Betrieb, so Mossanen. OsramOsram betreibe zu viele verschiedene SAP-Systeme , die immerhin seit Juni 2016 in der IBM-Cloud gehosted würden. Top-500-Firmenprofil für Osram Alles zu Konsolidierung auf CIO.de

Bei der Konsolidierung gehe es aber auch um funktionale Erweiterungen der verbleibenden Systeme, beispielsweise im Bereich E-Commerce. Vor allem die kundenorientierten Anwendungen müssten modifiziert werden. Vor der Ledvance-Abspaltung mit dem klassischen Leuchtmittel-Geschäft war Massenfertigung und -vermarktung im B2C-Umfeld für Osram erfolgskritisch. Nun aber gewinne das B2B-Projektgeschäft an Bedeutung, das andere Anforderungen an die IT-Systeme stelle.

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