Strategien


Digital Component Model

Schenker-CIO nimmt die Kundenschnittstelle ins Visier

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
Mit digitalen Plattformen will Markus Sontheimer, CIO und CDO von DB Schenker, die Schnittstellen zum Kunden kontrollieren. Die technische Basis bildet ein Komponentenmodell, das dem Logistikdienstleister neue Geschäftsmodelle erschließt.

An den Hype um die Service-orientierte Architektur (SOA) kann sich auch Markus SontheimerMarkus Sontheimer noch gut erinnern. Kleine gekapselte Softwaremodule sollten die schwerfälligen Monolithen im Backend ersetzen und die IT agiler machen. In der praktischen Umsetzung erwiesen sich SOA-Vorhaben dann als ziemlich komplex. Sontheimer, seit 2015 CIO und CDO von DB SchenkerSchenker, verfolgt mit seinem Digital Component Model (DCM) einen ähnlichen Ansatz, betont aber: "Eine SOA startet mit technischen Modulen, wir gehen von Business-Komponenten aus." Top-500-Firmenprofil für Schenker Profil von Markus Sontheimer im CIO-Netzwerk

Hinter DCM steckt eine Architekturinitiative, die auf eine Transformation der IT abzielt. Sie soll den Wandel von einer monolithisch ausgerichteten Softwarearchitektur hin zu einer modular strukturierten und komponentenbasierten Systemlandschaft vorantreiben. Sontheimer spricht von "Business Function Components", API-fähigen Softwaremodulen, die sich in unterschiedlichen Kombinationen wiederverwenden lassen. Eine solche Komponente ist etwa das "Customer Onboarding". Entwickelt wird sie von einem agilen Team, bestehend aus einem Product Owner aus der Fachabteilung, einem ScrumScrum Master und zwei Entwicklern. Alles zu Scrum auf CIO.de

Markus Sontheimer, CIO und CDO von DB Schenker: "Durch die interdisziplinären Teams etabliert sich die IT als Partnerin auf Augenhöhe. Es gibt keine Abteilungsgrenzen mehr."
Markus Sontheimer, CIO und CDO von DB Schenker: "Durch die interdisziplinären Teams etabliert sich die IT als Partnerin auf Augenhöhe. Es gibt keine Abteilungsgrenzen mehr."
Foto: DB Schenker

Agile Sprints und MVPs

"Wir entwickeln in agilen Sprints, ausgehend von einem Minimum Viable Product, ein Vorgehen, das auch viele erfolgreiche Startups praktizieren", erläutert der CIO. Die Initiative soll aber mehr erreichen als nur eine moderne und flexible Architektur: "DCM versetzt uns in die Lage, mit neuen Geschäftsmodellen Umsatzquellen zu erschließen." Ein Beispiel liefern die "Connect- 4.0"-Anwendungen, die auf Basis des Komponentenmodells entwickelt wurden.

Schenker will damit vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen einen einfachen Zugang zu Logistiklösungen bieten. Kunden können über Schenkers Online-Plattformen individuelle Transportaufträge erstellen und direkt buchen. Vom System erhalten sie dafür einen Spot-Preis, vergleichbar mit einem Tagespreis, den ein Algorithmus automatisch kalkuliert. Entsprechende Plattformen hat Schenker für seine drei Transportmodi Connect 4 Land, Connect 4 Ocean und Connect 4 Air auf den Markt gebracht. Auf der gleichen technischen Basis setzt die Plattform eSchenker auf. Sie adressiert schwerpunktmäßig große Kunden, mit denen der Logistiker bereits Verträge geschlossen hat.

"Für uns ist entscheidend, die Kundenschnittstelle zu kontrollieren", nennt Sontheimer die Beweggründe. Die strategische Vorgabe des Managements laute: "Customers First Choice", sprich: Schenker sucht den direkten Kontakt zum Kunden ohne zwischengeschaltete Plattformen anderer Anbieter. Die Strategie scheint aufzugehen: Mehr als 550.000 Transaktionen pro Monat wickelt der Anbieter mittlerweile über Connect 4.0 und eSchenker ab. Die ersten Connect-4.0-Plattformen waren Ende 2018 in mehreren Ländern live gegangen.

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