CIO Christa Koenen

So digitalisiert die Deutsche Bahn



Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Christa Koenen, CIO des DB Konzerns seit April 2018 und gleichzeitig Vorsitzende der Geschäftsführung der DB Systel, spricht auf den IT-Strategietagen in Hamburg über den Kulturwandel der Digitalisierung.
Christa Koenen, CIO Deutsche Bahn AG und Chefin von DB Systel.
Christa Koenen, CIO Deutsche Bahn AG und Chefin von DB Systel.
Foto: Foto Vogt

"Bei uns gibt es stets unglaublich viele Diskussionen. Jeder möchte über sein Lieblingsthema reden. Das dient dazu, zu wissen, welche Themen wir im Blick haben müssen", sagt Koenen. Hinter ihr wird das "DB Trend-Radar 2018" an die Wand geworfen. Kurz vorher ging es in einer Dreierrunde mit Koenen um die "Schlagworte der DigitalisierungDigitalisierung". Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Die Frage sei immer: Sind die Themen schon reif, und was bringen sie für das Business? "Beim Thema BlockchainBlockchain, fragen uns Kunden oft, wie wir nur so ein Umweltkiller sein können", sagt Koenen. Viele wüssten darüber eben nur das, was in der Presse stände. Für die Bahn sei dabei nicht die Technologie an sich wichtig. Es ginge um Transparenz und Vertrauen in ein Netzwerk. "Wir haben Blockchain für Verträge ausprobiert, um zu lernen", sagt Koenen. Einen Piloten gab es in einem Verkehrsverbund im Süden Deutschlands. Dabei ging es um die Einnahmen-Aufteilung. Alles zu Blockchain auf CIO.de

Koenen: "Wir haben unendlich viele Daten da draußen. Wir können viele Infos gar nicht nutzen" Aber: Die Bahn bringe an Güterwagen Sensoren an, und wo es schon Sensoren gibt, greife die Bahn sie ab, "Mit der Kapazität der heutigen Speicher und CPUs haben wir die Möglichkeit, daraus einen Mehrwert zu generieren."

Big Data nicht zum Selbstzweck

Data AnalyticsAnalytics sei schon in der Normalität angekommen. Bei der Bahn gebe es sehr viele Weichen mit Motoren. Wenn die kaputt gingen, komme es zu Ausfällen und Verspätungen. "Die Motoren senden viel mehr Daten, bevor sie kaputt gehen, sie verbrauchen mehr", sagt Koenen. "Dann schon schicken wir Techniker raus, um den Schaden zu beheben. Big Data machen wir, nicht weil es cool ist, sondern weil es uns für unsere Kunden etwas bringt." Alles zu Analytics auf CIO.de

Auch der Einsatz von AI sei nützlich. Wenn die Bahn wie früher händisch Auswertungen und Umlaufpläne mache, bringe das nicht viel. "Wir haben das langsam digitalisiert, mit dem Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu bekommen."

All diese Dinge seien wichtig, sagt Koenen, man dürfe aber das "was" und das "wie" nicht vergessen. Vernetzung werde immer wichtiger, die Bahn müsse mit Partnern und Lieferanten interagieren.

Transparenz als das neue new normal

Das führe auch zu einem Wandel der Organisation selbst: "Wo wir früher streng hierarchisch waren, müssen wir heute anders unterwegs sein. In einer vernetzten Welt ist Transparenz der Information zur Normalität geworden."

Bei DB Systel arbeiten rund 4.300 Mitarbeiter, ein Full-Service-Dienstleister. "Vor fünf Jahren haben wir uns alle geärgert. Wir wurden bei der Rede des CEOs zur Digitalisierung gar nicht erwähnt. Das hat uns komplett aufgeweckt."

Die Rolle des Dienstleisters, der alles selbst macht, wolle man nicht mehr haben. Wo steht DB Systel heute? Das Unternehmen habe seine Haltung und seine Kultur verändert. "Wir wollen auf Augenhöhe führen, sind jetzt in selbstorganisierten Teams unterwegs. Der einzelne Mitarbeiter bekommt Verantwortung, ausgerichtet auf den Kundennutzen." Die Teams arbeiteten nun vernetzt - auch mit den Kunden.

Das sei ein "super spannender Prozess", der viele Kräfte und Kreativität freisetze. Ein Teil der neuen Lösungen bei der Bahn sei aus diesen Freiheitsgraden entstanden. Beispiel AIM: Anhand von Akustik werden die Rolltreppen überwacht. Oder Vision.ai, Schad-Erkennung in den Werken anhand von Aufnahmen, die der Computer auswertet.

Ab in die Public Cloud

Und: "Wir migrieren in die Public Cloud. Das RechenzentrumRechenzentrum wurde 2017 verkauft, um flexibel mit den Daten zu arbeiten", sagt Koenen. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

Wofür digitalisiert die BahnBahn? Das Kerngeschäft sei sehr Asset-lastig, langsam gewachsen, viel Technik, viele Daten und Know-how. Es ginge um neue digitale Geschäftsmodelle: "Wie können wir mit der Transparenz ganz anders mit den Kunden Geschäfte machen, damit wir nicht nur Zulieferer sind?" Top-500-Firmenprofil für Deutsche Bahn AG

AI, IoT, Blockchain und die Cloud eröffneten der Bahn viele Möglichkeiten als Enabler. Man müsse das aber mit dem Kerngeschäft integrieren. Koenen: "Das adaptive Netzwerk muss sich auf die Kunden und die Partner erstrecken. Wir haben früher alles selber gemacht. Heute schauen wir, was es am Markt gibt."

Die IoT-Cloud sei eine modulare Plattform, wo einzelne Module ausgetauscht werden können, keine monolithische, mit der man keine InnovationInnovation treiben könne. Koenen: "Man muss all dies in ein Ökosystem integrieren, um letztlich das Beste für den Kunden herauszuholen. Wir versuchen, die einzelnen Mitarbeiter zu empowern. Am Ende ist nicht die Frage, was IT ist, sondern was IT bewirkt." Alles zu Innovation auf CIO.de

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