CIOs spielen Schlüsselrolle

Wie Automatisierung in den Arbeitsplatz integriert werden sollte



Stefan Pechardscheck schreibt als Experte zum Thema IT Strategy & Governance. Als IT-Experte berät er seit 20 Jahren Unternehmen und Organisationen in Fragen der strategischen Ausrichtung. Er ist Partner bei der Management- und Technologieberatung BearingPoint und verantwortet dort das Thema IT Strategy.
Die Automatisierung wird die Arbeitswelt massiv verändern. Führungskräfte müssen ihre Teams bei diesem Wandel unterstützen und eine Talent-Management-Strategie entwickeln.

Die Angst, den Arbeitsplatz an eine künstliche Intelligenz zu verlieren, war laut einer Studie der Online-Lernplattform Udemy im Jahr 2017 die Hauptursache für StressStress am Arbeitsplatz. Es wird derzeit viel orakelt, wann und wie Roboter die Arbeit vieler Menschen übernehmen. Automatisierung ist jedoch kein neues Phänomen. Sie begann vor Jahrhunderten und hat bis heute mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet. Berufe, die gefährlich, langweilig oder körperlich anstrengend sind, findet man heute wesentlich seltener als vor zwei Jahrhunderten. Alles zu Stress auf CIO.de

Hier wird noch per Hand geschweißt. Aber viele Industriezweige, wie zum Beispiel die Autoindustrie, lassen diese schwere und gefährliche Arbeit bereits von Robotern erledigen.
Hier wird noch per Hand geschweißt. Aber viele Industriezweige, wie zum Beispiel die Autoindustrie, lassen diese schwere und gefährliche Arbeit bereits von Robotern erledigen.
Foto: wi6995 - shutterstock.com

Inzwischen sind durch die Automatisierung neue Arbeitsstellen und neue unternehmerische Möglichkeiten geschaffen, die vor Jahrzehnten noch undenkbar waren - und die den Menschen damit den Zugang zu besseren Produkten und Dienstleistungen ermöglichen. Auf lange Sicht ist daher die Automatisierung vorteilhaft für die Wirtschaft: Sie macht Waren erschwinglicher, erhöht die Nachfrage und sorgt letztlich für neue Arbeitsplätze, die oft besser bezahlt werden als die, die sie ersetzt.

Es geht um Change

Anstatt Automatisierung als eine böse Kraft zu sehen, sollte man eher den Wandel thematisieren, den sie am Arbeitsplatz fördert. Mensch-Roboter-Teams haben BMW beispielsweise 85 Prozent produktiver gemacht im Vergleich zu Abläufen, die nur von Menschen oder nur von Robotern ausgeführt wurden, entdeckten Forscher des MIT. Automatisierung steigert allerdings nicht nur die Effizienz, sondern auch die Transparenz, indem sie die Arbeitsplätze der Menschen aufwertet statt sie zu ersetzen.

Viele Mitarbeiter beschweren sich heute, dass sie nicht genug Zeit haben, um ihre Arbeit zu erledigen. Einige klagen über unendliche Meetings, während andere murren, dass zu viele Leute ständig etwas von ihnen wollen. Oder, dass ihre Abteilungen zu groß sind, um effizient zu sein. Diese ineffizienten Arbeiten bedeuten vergeudete Zeit, in der sich Arbeitnehmer nicht auf die Aufgaben konzentrieren, für die sie eingestellt wurden.

Tatsächlich werden nur 60 Prozent des Arbeitstages produktiv verbracht, wie ein Bericht von Atlassian zeigt. Viele Tätigkeiten, über die sich Mitarbeiter beschweren, könnten automatisiert werden. Dies spart Zeit und ermöglicht ihnen, die Arbeit auszuführen, die ihnen und ihren Arbeitgebern tatsächlich etwas bringt. Das Mensch-Roboter-Traumteam könnte Wunder vollbringen.

Dieses neue Paradigma birgt damit sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Bei der Festlegung der Unternehmensstrategie müssen Führungskräfte ihre Organisation auf eine Zukunft vorbereiten, in der Menschen enger denn je mit Maschinen zusammenarbeiten. Dieses Neuland erfordert Engagement und einen vorausschauenden Aktionsplan, um die Stärken eines Unternehmens zu erhalten und neue zu gewinnen.

Best Practices für die Integration von Automatisierung am Arbeitsplatz

Die Veränderungen, die die Automatisierung mit sich bringt, werden weitreichend sein und sich auf verschiedene Arbeitsplätze in unterschiedlicher Weise auswirken. Führungskräfte müssen ihre Teams bei diesem Wandel unterstützen und eine Talent-Management-Strategie entwickeln, die eine Reihe von Faktoren berücksichtigt.

In Zeiten exponentiell zunehmender Datenmengen müssen sie zum Beispiel Experten finden, die in der Lage sind, Betriebsprozesse neu zu strukturieren: brillante Data Scientists, die Big DataBig Data analysieren, verstehen, und Muster in ihnen erkennen können. Alles zu Big Data auf CIO.de

Aufmerksamkeit sollte jedoch auch allen anderen Arbeitnehmern geschenkt werden. Viele Organisationen haben bereits damit begonnen, Aus- und Weiterbildungsprogramme aufzubauen, in denen Mitarbeiter ihre Qualifikationen verbessern oder neue Fähigkeiten erwerben können. Zu lernen, wie man mit Maschinen arbeitet, statt Gegner in ihnen zu sehen, könnte sich auf lange Sicht als erfolgversprechender erweisen - ebenso wie der Erwerb von Wissen in neuen Arbeitsgebieten, die eher schwer automatisiert werden können: Bereiche, die Kreativität und hohe kognitive Fähigkeiten sowie soziale und emotionale Intelligenz erfordern.

Ein Teil der Arbeitnehmer wird Mühe haben, sich anzupassen. Manche werden möglicherweise interne Kämpfe ausfechten. Wieder andere werden in neue Rollen innerhalb des Unternehmens wechseln. Eine solche Transformation ist nie leicht. Vor allem dann nicht, wenn sie von der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund mangelnder Anpassungsfähigkeit begleitet wird. Führungskräfte aller Ebenen haben daher die Pflicht, sich die Anliegen der Belegschaft anzuhören sowie Unterstützung und Zuspruch anzubieten, um die Akzeptanz und Offenheit für die Veränderung zu erhöhen.

Die Angst vor einer ungewissen Zukunft wird durch das Fehlen angemessener interner Kommunikation verstärkt. Daher sollten Führungskräfte offen mit ihren Mitarbeitern sprechen, um die Effekte der Automatisierung im Unternehmen zu erklären und darzulegen, was auf dem Spiel steht. Die Mitarbeiter müssen verstehen können, wie sie mit Hilfe von Robotern effizienter arbeiten.

CIOs spielen eine Schlüsselrolle

CIOs spielen bei diesem Change-Management-Prozess eine Schlüsselrolle: Sie müssen im Stande sein, den Einsatz von Robotern zu rechtfertigen, indem sie ihren Mitarbeitern aufzeigen, wie Maschinen Geschäftsprozesse und -ergebnisse verbessern. Sie sollten KPIs verwenden, um glaubwürdig zu erklären, wie Automatisierung das Unternehmen zum Besseren wandelt. Dies hilft der Belegschaft, Vertrauen aufzubauen und die Angst vor dem Unbekannten zu lindern.

Einige Mitarbeiter, vor allem die Generation der Millennials, das am schnellsten wachsende Segment der Arbeitnehmer, werden diesen Wandel als Chance sehen, sich beruflich weiterzuentwickeln und zusätzliche Fertigkeiten zu erwerben. Eine Gallup-Analyse zeigt, dass sie "die Gelegenheiten, in einem Job zu lernen und zu wachsen, über alle anderen Überlegungen stellen", wenn sie sich auf eine Stelle bewerben. Diese offene Haltung zum lebenslangen Lernen macht sie zu einem Gewinn für die Unternehmen, für die sie arbeiten.

Viele Firmen verstehen mittlerweile, dass die Automatisierung Fehler beseitigen und den Umfang und die Geschwindigkeit von Betriebsabläufen erhöhen kann - ähnlich wie während der industriellen Revolution. Auch damals wurden Arbeiter umfassend weiterqualifiziert, obwohl viele anfangs pessimistisch waren.

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie in der Studie Arbeitsplatz der Zukunft

Automatisierung ist kein Zukunftsthema

Automatisierung ist kein Thema der Zukunft. Sie ist Gegenwart. CIOs müssen ihre Strategie jetzt darauf ausrichten, alltägliche Aufgaben effizienter und zeitsparender zu gestalten. Richtig umgesetzt, kann die Automatisierung arbeitsbedingten Stress reduzieren und gleichzeitig die Produktivität steigern. Flexible und anpassungsbereite Mitarbeiter werden letztlich von der New Economy belohnt.

Norbert Wiener, Mathematikprofessor am MIT, veröffentlichte schon 1949 einen Aufsatz, in dem er seine Gedanken über den Einsatz von Maschinen zusammenfasste: "Wir können demütig sein und mit Hilfe der Maschinen ein gutes Leben führen?, schrieb er, "oder wir können arrogant sein und sterben."

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Themen: Big Data und Stress

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