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Plattformen-Check

3 Wege zu moderner Versicherungs-IT

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Die alte Plattform modernisieren, eine neue proprietäre Plattform aufbauen oder Software in Standard-Paketen kaufen – diese drei Möglichkeiten haben Versicherungs-CIOs, wenn sie ihre IT modernisieren wollen. Die Analysten von McKinsey diskutieren das Für und Wider.
  • Versicherungen, die ihre Kern-IT bereits modernisiert haben, erzielen eine um 42 Prozent höhere Rate an Policen pro Vollzeit-Mitarbeiter
  • Für welche Möglichkeit sich die Versicherer auch entscheiden – eine solche Modernisierung darf nie als reines IT-Projekt gelten, sondern muss auch Prozesse und Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen
McKinsey skizziert drei Möglichkeiten, die IT in Versicherungen zu modernisieren.
McKinsey skizziert drei Möglichkeiten, die IT in Versicherungen zu modernisieren.
Foto: McKinsey

VersicherungsunternehmenVersicherungsunternehmen in den Industrie-Nationen arbeiten mit IT-Systemen, die teilweise Jahrzehnte alt sind, erklärt die Unternehmensberatung McKinsey. Nach Beobachtung der Consultants ist das Bewusstsein für die DigitalisierungDigitalisierung vorhanden. Die Versicherer wissen, dass sie auf digitale Technologien setzen müssen, um neue Produkte zu entwickeln, um Schäden zu bewerten und vor allem, um ihren Kunden eine bessere Erfahrung zu bieten. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de Top-Firmen der Branche Versicherungen

Gleichzeitig haben einige Assekuranzen bereits aufgeholt und ihre Kern-Systeme modernisiert. Verglichen mit den Nachzüglern fallen drei Ergebnisse auf: Die Rate an Policen pro Vollzeit-Mitarbeiter liegt um 42 Prozent höher. Die Kosten pro Police sind um 41 Prozent geringer. Die Abwanderung der Kunden liegt um ein Prozent niedriger.

Die Consultants skizzieren drei Wege zu einer Modernisierung. CIOs können die bisherige Plattform modernisieren, eine neue proprietäre Plattform aufbauen oder Software in Standard-Paketen kaufen. Im Einzelnen:

1. Modernisieren der Legacy-Plattform: Bei dieser Variante bleibt die Versicherung Eigner des Systems, was Risiken vermeidet. Ziel muss sein, die Plattform Stück um Stück zu erweitern. Dieser Weg eignet sich für Unternehmen, die ihre SystemeSysteme immer gut gewartet haben und die stabil laufen. Pluspunkt: Maßgeschneiderte Features bleiben erhalten. Neue Architektur-Komponenten wie Integrations-Layer unterstützen bei der Modernisierung. Alles zu Finance IT auf CIO.de

In der Praxis zeigt sich allerdings, dass das Budget aus dem Ruder laufen kann: Die Transversion des Codes lässt sich nicht automatisieren. Hinzu kommt, dass künftige Veränderungen komplex und zeitaufwändig sein werden.

2. Aufbau einer proprietären Plattform: Historisch gesehen sind es Versicherungsunternehmen gewohnt, proprietäre Plattformen aufzubauen - der Markt bot ihnen schlicht nicht das, was sie brauchten. Diese Möglichkeit besteht nach wie vor, sofern dem IT-Chef genügend interne Skills zur Verfügung stehen.

Dieser Ansatz birgt aber die Gefahr, sozusagen technologisch stecken zu bleiben. Er macht Unternehmen langsam und kontrastiert mit jungen, schnellen InsurTechs. Wenn sich Assekuranzen für den Aufbau einer solchen Plattform entscheiden, sollte diese Web-basiert funktionieren.

3. Standard-Software-Pakete kaufen: Standard-Software wird für Versicherer zunehmend attraktiv. Sie bieten vorgefertigte Funktionalitäten für Pricing, Risikoschätzung und Schadenbearbeitung an. Außerdem unterstützen sie die Sachbearbeiter durch Self-Service-Lösungen für Endverbraucher und Automation. Sie lassen sich relativ einfach integrieren und implementieren. McKinsey gibt allerdings zu bedenken, dass solche Pakete eben nicht genau auf die Bedürfnisse des Versicherers zugeschnitten sind. Salopp formuliert: statt "anything goes" setzen sie auf "Simplicity first". Manches Unternehmen befürchtet auch, in eine Abhängigkeit vom Anbieter zu geraten, die kostspielig werden könnte.

CIOs müssen den "digitalen Ehrgeiz" einschätzen

Insbesondere IT-Entscheider, die auf nur geringe interne IT-Kapazitäten zugreifen können, setzen auf Standard-Software. Nach Einschätzung der Consultants sind die Kosten dafür auch vertretbar.

Eine Entscheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab. CIOs müssen klären, wo das Unternehmen derzeit steht und wo es sich geschäftlich und wirtschaftlich hinentwickeln will. Sie müssen den "digitalen Ehrgeiz" einschätzen - den eigenen und den des gesamten Unternehmens. McKinsey betont, dass eine solche Entscheidung nie als reines IT-Projekt begriffen werden darf. Versicherungsunternehmen müssen im Zuge dieser Modernisierung auch ihre Prozesse und Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen. Wer alte Funktionalitäten in neue Systeme überträgt, gewinnt nichts.

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