Im Zuge von Social Media

Analytical Officer greift CIO-Rolle an

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und beschäftigt sich mit Rechtsurteilen, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Mal wieder sieht ein Wissenschaftler die klassische CIO-Rolle in Gefahr. In Zeiten von Mobil-IT und Social Media stehe eine Aufspaltung der Funktion bevor.

Kinder wollen bekanntlich oft Feuerwehrmann werden, manche werden es sogar tatsächlich. Andere erfüllen sich Berufsträume, indem sie Sternekoch, Operndiva, Menschenrechtsanwalt oder Bundeskanzlerin werden. Aber wie viele CIOs wollten eigentlich als Kind oder Jugendlicher, nun, ausgerechnet „CIO“ werden? Was mit Computern machen, das vielleicht; Programmieren, Management oder Informatik lernen und studieren; später vielleicht sogar eine Stelle als IT-Leiter anstreben. Aber so lange liegen sie noch nicht zurück, die Zeiten, in denen erstens Berufskürzel aus dem englischen Sprachraum unüblich waren und zweitens neben CEO und CFO auch die neue Rolle eine „Chief Information Officer“ überhaupt erst definiert wurde.

In IT-Fragen hatte bisher alleine der CIO den Hut auf. Jetzt droht die Zersplitterung dieser Funktion.
In IT-Fragen hatte bisher alleine der CIO den Hut auf. Jetzt droht die Zersplitterung dieser Funktion.
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Es lohnt, sich daran zu erinnern, wenn man die Analyse des Forschers und Buchautors Thornton A. May, Executive Director der IT Leadership Academy am Florida State College in Jacksonville, für unsere amerikanische Schwesterpublikation Computerworld.com liest. May sieht nämlich eine „Ära der Aufspaltung“ aufziehen, die gerade den CIO in seinem Kernbereich berührt.

Mitursächlich für dieses Phänomen sind Trends wie die mobile IT und vor allem auch Social MediaSocial Media, diese durch IT generierte Parallelwelt, in der die Kunden ihr Königsein so richtig ausleben können und mit der die Unternehmens-IT oft so wenig anzufangen weiß. May weiß jedenfalls zu berichten, dass jenseits des Atlantiks die CIOs den Wandel schon mit angespannten Nerven zu spüren beginnen. Kürzlich habe er sogar einen IT-Chef aus Tom Stoppards Theaterstück „Arcadia“ zitieren hören: „Es macht mich so glücklich. Wieder am Anfang zu sein, fast nichts wissend … Die Zukunft ist Unordnung. […] Es ist die bestmögliche Zeit zum Leben, wenn sich fast alles, was man zu wissen glaubt, als falsch herausstellt.“ Alles zu Social Media auf CIO.de

Zu blumig? Nun ja, diese dramatischen Worte waren von einem leidgeprüften CIO offenbar als treffende Zuspitzung seiner Lebenswirklichkeit gemeint. Und May führt durchaus harte Fakten ins Feld. Zum einen erlebten die Firmen gerade eine aufgeregte Umstrukturierungsphase. So seien derzeit 60 Prozent der weltweit führenden 2000 Firmen dabei, ihr Führungspersonal auszutauschen – CEOs mitinbegriffen, vor allem aber ihre CFOs, CIOs, COOs sowie die Chefs ihrer Marketing-, Rechts- und Personalabteilungen. Üblich sei, dass dies lediglich in jedem zehnten oder fünften Unternehmen gleichzeitig stattfinde, so May.

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