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3D-Druck

Die Deutsche Bahn verkürzt Lieferzeiten

Schwere Ersatzteile lässt die Bahn im 3D-Druck-Verfahren produzieren. Künftig bildet der Konzern auch Mitarbeiter in der Drucktechnik aus.
Ersatzteile für Züge kann die DB selbst herstellen lassen.
Ersatzteile für Züge kann die DB selbst herstellen lassen.
Foto: Joerg Huettenhoelscher - shutterstock.com

Die Deutsche BahnDeutsche Bahn nutzt ein Netzwerk aus Dienstleitern, um schwere und betriebsrelevante Ersatzteile aus Metall im 3D-Drucker zu produzieren. Das dabei eingesetzte Verfahren wurde vom Berliner Maschinenbauer Gefertec entwickelt, hinter den Prozessen steht unter anderem das Startup 3yourmind, ein Berliner Softwareanbieter. Top-500-Firmenprofil für Deutsche Bahn

Geringere Lieferzeiten, weniger Produktionsabfälle

Laut Pressemitteilung dauerte die Liefer- und Wartezeit für schwere Spezialteile zur Instandhaltung der Fahrzeuge bisher bis zu 24 Monate. Durch das neue Druckverfahren habe sich die Spanne wesentlich verkürzt. "Mit dem Durchbruch beim Metalldruck können wir jetzt schrittweise eine schnellere Versorgung mit Ersatzteilen sicherstellen und die Fahrzeuge gehen zügig wieder auf die Strecke", sagt Sabina Jeschke, DB-Vorstand DigitalisierungDigitalisierung und Technik. "Ziel ist es, bis 2021 rund 10.000 verschiedene Ersatzteile über den 3D-Druck3D-Druck abrufbar zu machen." Alles zu 3D-Druck auf CIO.de Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Das Verfahren spare nicht nur Zeit, sondern auch Rohstoffe, da Ersatzteile nicht mehr in großen Mengen gelagert werden müssten, sondern bei Bedarf hergestellt werden könnten. Die Bahn gibt an, dass dadurch Produktionsabfälle minimiert, Lagerbestände reduziert und Transportwege entfallen werden. Damit leiste die additive Fertigung einen Beitrag zum Umweltschutz.

Konstruktionsvorlagen aus Zeichnungen oder Scans

Damit ein Ersatzteil produziert werden kann, erstellt die DB aus vorhandenen Zeichnungen oder eingescannten Objekten Konstruktionsvorlagen für den 3D-Druck. Den Anfang machte Ende 2015 ein einfacher, hellgrauer Mantelhaken aus Plastik, der in ICE-Zügen zum Einsatz kam.

Die DB besitzt keine eigenen 3D-Drucker, kooperiert wird mit Dienstleistern aus der Branche. Ende 2016 rief das Unternehmen das Netzwerk "Mobility goes Additive" ins Leben. Heute arbeiten hier laut den Angaben mehr als 80 Unternehmen - von Anwendern, Druckmaschinenherstellern und Druckdienstleistern über Universitäten bis hin zu Startups - zusammen. Beteiligt sind beispielsweise die SBB, Siemens und verschiedene Institute. Das Multiplikatorennetzwerk umfasse insgesamt rund 50 Ansprechpartner in den Geschäftsfeldern der DB.

Europäische Kooperationen

Aktuell sei es möglich, über das Metalldruckverfahren sogar mehr als 17 Kilogramm schwere, betriebsrelevante Bauteile für ICE-Züge herzustellen. Ein Beispiel ist die sogenannte Kastenkulisse. Dieses Bauteil wird unter dem Wagenkasten montiert und sorgt für den sicheren Lauf des Wagens in engen Kurven oder beim Passieren von Weichen. Insgesamt könnten mehr als 120 verschiedene Teile hergestellt werden. Seit 2015 seien mehr als 7.000 Ersatzteile für über 130 Anwendungsfälle im 3D-Drucker gefertigt worden.

Die sogenannte Kastenkulisse ist ein Beispiel der Bauteile, die im 3D-Druck-Verfahren hergestellt werden.
Die sogenannte Kastenkulisse ist ein Beispiel der Bauteile, die im 3D-Druck-Verfahren hergestellt werden.
Foto: Deutsche Bahn AG

Außerdem kooperiert das Unternehmen im 3D-Druck mit fünf anderen europäischen Eisenbahnen, unter anderem mit der SBB, der ÖBB und der italienischen Staatsbahn. So ließen sich kostspielige Redundanzen bei den Druckherstellern vermeiden und der Know-how-Transfer in der Branche beschleunigen.

Zertifizierungen und neue Ausbildungsinhalte

Um künftig noch schneller und in größeren Mengen Ersatzteile zu drucken, lässt die DB laut Mitteilung ihre Lieferanten vom TÜV Süd in Sachen 3D-Druck zertifizieren. Außerdem integriert die Bahn den 3D-Druck in diesem Jahr erstmals in die Berufsausbildung. Dafür seien eigene Ausbildungsinhalte entwickelt worden.

Auch für die Logistikbranche biete der 3D-Druck großes Potential. DB Schenker etwa untersuche, wie in großen Materiallagern 3D-Drucker eingesetzt werden können, um Ersatzteile vor Ort auszudrucken und damit Lagerbestände zu verkleinern.

Deutsche Bahn | 3D-Druck
Branche: TransportTransport
Zeitrahmen: seit Mitte 2015
Mitarbeiter: rund ein Dutzend Mitarbeiter im Kernteam;
Dienstleister: Verschiedene Druckdienstleister, Qualifizierungslogik TÜV Süd
Einsatzort: Deutschland und in Kooperation unter anderem die Schweiz, Österreich und Italien; Top-Firmen der Branche Transport

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