Strategien


Interview mit Zukunftsforscher Horx

Von apokalyptischen Spießern und Angst-Kaskaden



Sascha Alexander ist seit vielen Jahren als Redakteur, Fachautor, Pressesprecher und Experte für Content-Strategien im Markt für Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics tätig. Stationen waren unter anderem das Marktforschungs- und Beratungshaus BARC, die "Computerwoche" sowie das von ihm gegründete Portal und Magazin für Finanzvorstände CFOWORLD. Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.

Also betrachten Sie gesellschaftliche Entwicklungen als Wellenbewegungen, in denen nach einem Abschwung auch wieder ein Aufschwung kommen muss?

Horx: Momentan geht es beispielsweise aufwärts, auch wenn das viele Menschen anders sehen wollen. Wir leben im größten Wirtschaftsboom der Geschichte, auch wenn das meiste Wachstum heute nicht mehr in Europa und Amerika, sondern in Asien und Südamerika stattfindet. Wir können auch langsam lernen, "Wohlstand" anders zu definieren als nach "Verbrauchstonnen" oder "Wachstumsraten".

Das industrielle Zeitalter geht zu Ende. Wirtschaft wird immer mehr entmaterialisiert. Gleiches gilt für die Energiediskussion. Es gibt gewaltige Energiemengen, die täglich auf die Erde gelangen - Das Fünftausendfache von dem, was wir Menschen täglich weltweit als Strom verbrauchen! Es ist aus meiner Sicht also letztlich nur eine Frage von intelligenten Systemen der Konversion.

Evolutionssystematik

Sie sind also gegen augenblicksbezogene Beurteilung von Entwicklungen und deren Bewertung nach volkswirtschaftlichen Größen.

Horx: Ich bin kein Volkswirtschaftler, sondern ein Evolutionssystemiker. Unser Team geht von einer erweiterten Evolutionstheorie aus, die sich bei allen Unschärfen in der Vorhersage - die es natürlich auch bei uns gibt - mit den Wirkweisen evolutionärer Prozesse in unserer Wirklichkeit beschäftigt. Das ist eine andere, dynamischere Denkweise als die der Ökonomen oder auch der Umweltschützer.

Die Evolutionstheorie kann ein guter Schlüssel sein, um die stark vereinfachten Weltmodelle zu überwinden, die heute vorherrschen. Es ist immer auch eine Frage, von wem man sich inspirieren lässt. Charles Darwin hat uns noch viel zu sagen, allerdings müssen wir die Erkenntnisse der Evolution auch auf ökonomische, gesellschaftliche, politische Systeme übersetzen. Oder auf Firmenkulturen. Unternehmen, die evolutionär adaptiv sind, die sich im Umfeld ihrer Kunden ständig verändern, überleben. Unternehmen, die ein autistisches Eigenleben führen, stürzen ab.

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