CERN-IT-Sicherheitschef Stefan Lüders

"Wir leben ByoD seit 20 Jahren"



Simon Hülsbömer betreut als Senior Project Manager Research Studienprojekte in der IDG-Marktforschung. Zuvor verantwortete er als Program Manager die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT - inhaltlich ist er nach wie vor für das "Leadership Excellence Program" aktiv. Davor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.

Ihr vierter Arbeitsschwerpunkt ist die Sicherheit der Kontrollsysteme. Was für Systeme setzen Sie da ein?

Stefan Lüders: Unsere Beschleuniger und Experimente werden ähnlich geplant wie eine klassische Fahrzeugproduktionslinie oder eine Raffinerie. Es geht hier teils um Kontrollsysteme, die wir selbst entwickelt haben, teils Kontrollsysteme, die Sie am Markt bei Siemens, Schneider Electric, ABB und anderen bekommen. Die Sicherheit dieser Systeme muss gewährleistet sein, damit nicht irgendjemand anders als das CERN die Teilchenbeschleuniger betreibt.

"Bin nicht der Sicherheitsverantwortliche"

Mit nur vier Angestellten und einer Handvoll Studenten können Sie aber unmöglich die Sicherheit aller genannten Bereiche gewährleisten. Wie sieht Ihre IT-Security-Strategie aus?

Stefan Lüders: Ich bin der Sicherheitschef, nicht der Sicherheitsverantwortliche - weder für das CERN noch für das Grid. Ich habe diese Verantwortung abgelehnt, weil ich den größten Teil der Infrastruktur - seien es Jobs und Routinen innerhalb des Grid oder die Clients im Office-Bereich - nicht kontrollieren kann. Deshalb ist es in meinen Augen anmaßend, zu glauben, die Verantwortung dafür übernehmen zu können. Mir ist natürlich bewusst, dass andere Menschen trotzdem häufig Verantwortung für Dinge übernehmen, über die sie keinerlei Kontrolle besitzen.

Und wie funktioniert das System dann?

Stefan Lüders: Wir haben die Verantwortung für die Sicherheit an alle unsere Mitarbeiter und Gastnutzer delegiert. In erster Instanz bedeutet das: Wenn Sie ans CERN kommen und Ihr Notebook mitbringen, wird Ihnen von Anfang an über verschiedene Methoden beigebracht, dass Sie für die Sicherheit Ihres Computers verantwortlich sind.

Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder Sie sehen zu, dass Ihr Rechner regelmäßig gepatcht wird, dass Antivirus-Software läuft, dass Sie ein sicheres Passwort nutzen und so weiter. Oder Sie ignorieren das alles und riskieren eine Kompromittierung des Computers, nach der Sie Ihr gesamtes System neu aufsetzen müssen. Spätestens dann stellen Sie fest, dass das aktive Kümmern um Security kostengünstiger ist als das reaktive.

Eine Sonderstellung nimmt das Grid ein, bei dem die Frage nach den Sicherheits-Verantwortlichkeiten im Gegensatz zur Office-Welt anders geregelt ist: Jedes Rechenzentrum am "Grid" ist de jure selbst für die Security seines Zuständigkeitsbereichs innerhalb des Grid verantwortlich. Ein Mitarbeiter von mir hält die Rolle des "WLCG" Sicherheitschefs und koordiniert alle Aktivitäten.

Viel Wert legen wir deshalb auf das Monitoring und die Nachverfolgbarkeit im Nachhinein, wenn etwas passiert ist. Wir schauen uns ständig an, was für Computing-Jobs laufen und wie sie laufen. Erlangen wir Kenntnis über eine missbräuchliche Nutzung des Grid, ist es wichtig, dass wir umgehend eingreifen und feststellen können, wer hat den betroffenen Job von wo und wann laufen lassen.

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