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Social & Green IT

AfB bietet nachhaltige und soziale IT-Dienstleistungen

Susanne Köppler ist nach einigen Jahren als Praktikantin und freie Mitarbeiterin in den Redaktionen des IDG Medienhauses nun als Content Managerin Events für die inhaltliche Ausgestaltung der Channel- und C-Level-Events bei IDG verantwortlich.
Die AfB gemeinnützige GmbH vereint in ihrem Refurbish-Konzept die ökologische Verantwortung der Wirtschaft mit der sozialen Verantwortung eines Arbeitgebers zu einem erfolgreichen Inklusionsunternehmen.
Gleichzeitig sozial und nachhaltig: Das schafft die AfB gGmbH.
Gleichzeitig sozial und nachhaltig: Das schafft die AfB gGmbH.
Foto: Patric Dressel für Bito Lagertechnik

Wer ökologisch und gleichzeitig gesellschaftlich Verantwortung übernehmen will, muss als Unternehmen neue Wege gehen, Mut beweisen und sich gleichzeitig gegen die Konkurrenz durchsetzen. Wie das gelingen kann, zeigt die AfB gemeinnützige GmbH mit ihrer Bewerbung "Social & green IT" im diesjährigen Wettbewerb um den DIGITAL LEADER AWARD - dem deutschen Award für Digital Leadership.

Die DigitalisierungDigitalisierung kann, so hilfreich sie an vielen Stellen sein mag, an anderer Stelle auch weniger erstrebenswerte Aspekte hervorbringen. Immer mehr Ressourcen werden für die Ausstattung mit SmartphonesSmartphones, Laptops und Computern benötigt, gleichzeitig ersetzt die Automatisierung an manchen Stellen die menschliche Arbeitskraft. Je weiter also die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft voranschreitet, desto mehr gilt es, sozialen und ökologischen Schaden zu vermeiden. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de Alles zu Smartphones auf CIO.de

Oder aber man macht es wie Paul Cvilak und Milan Ringwald: Sie gründeten bereits 2004 mit der AfB ein Unternehmen, das sich zum Ziel setzte, zertifizierte und nachhaltige IT-Dienstleistungen anzubieten, und das mit einem sehr hohen Anteil an Mitarbeitern mit Schwerbehinderung.

Ein Kunde bringt den Stein ins Rollen

Im Jahr 2003 leitete Paul Cvilak ein IT-Asset-Management-Unternehmen. Zu dieser Zeit war das Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) wenig bekannt und eine nachhaltige, grüne IT beschränkte sich bei den meisten seiner Kunden darauf, bei Neuanschaffungen von Hardware auf einen geringeren Stromverbrauch zu achten. Einer von Cvilaks Kunden jedoch erkundigte sich nach der Möglichkeit, Leasing-Rückläufer wiederaufzubereiten und anschließend seinen Mitarbeitern zu einem angemessenen Preis für die private Nutzung zu verkaufen.

Die Idee gefiel Cvilak und er nahm sie mit in seine Mittagspause am benachbarten Currywurststand. Dort traf er auf Milan Ringwald, der zu dieser Zeit als Sozialarbeiter in einer nahegelegenen Werkstatt für psychisch behinderte Menschen tätig war. Ringwald und Cvilak entwickelten gemeinsam die Idee, aussortierte Hardware aufzubereiten - in Zusammenarbeit mit Menschen ohne IT-Erfahrung und Menschen mit Behinderung, um so Nachhaltigkeit und Inklusion zu verbinden.

"Bei AfB fragen wir nach den Stärken eines Mitarbeiters, nicht nach den Schwächen." Dieser Ansatz leitet Ringwald, heute Bereichsleiter Produktion und Aufbereitung, von Anfang an. Von Integrationsämtern und Bundesagenturen höre man zu häufig, was ein Mensch mit einer bestimmten Behinderung nicht kann. "Aber welche Fähigkeiten er mitbringt, wo seine Interessen liegen, also worin sein wirtschaftlich nutzbares Potenzial liegt, wird zu selten thematisiert."

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Aufgabenbereiche im Unternehmen wie Datenlöschung, Aufarbeitung, Versand, Verwaltung, eCommerceeCommerce oder Kundenservice findet die Unternehmensleitung rund um Paul Cvilak und Daniel BüchleDaniel Büchle, der sich bereits während seines Studiums aktiv am Aufbau der AfB engagierte und seit 2013 Teil der Geschäftsführung ist, für fast jeden einen Platz. Profil von Daniel Büchle im CIO-Netzwerk Alles zu eCommerce auf CIO.de

Die AfB nimmt eine zertifizierte Datenlöschung vor, die durch die Software-Lösung Reform auch für die Partnerunternehmen nachvollziehbar ist.
Die AfB nimmt eine zertifizierte Datenlöschung vor, die durch die Software-Lösung Reform auch für die Partnerunternehmen nachvollziehbar ist.
Foto: AfB gGmbH

Mitarbeiterin Monika Braun bringt es auf den Punkt: "Wir haben Jobs für blinde, gehörlose und gelähmte Kollegen, für Kollegen mit Spastik, Autismus, paranoider Schizophrenie oder Lernbehinderungen." Braun selbst ist nach einer plötzlich ausgebrochenen Krankheit schwerbehindert. Kurz darauf muss die Leasinggesellschaft, für die sie mit drei weiteren Kollegen arbeitet, Insolvenz anmelden. In dieser schwierigen Situation ist Paul Cvilak zur Stelle: Er übernahm nach der Kontaktvermittlung durch den Landschaftsverband Rheinland nicht nur Braun, sondern auch ihre drei Kollegen.

In der AfB sind alle Räumlichkeiten barrierefrei zugänglich. Außerdem informieren drei fest angestellte Betriebssozialarbeiter die Belegschaft über individuelle Krankheitsbilder. Die Arbeitsprozesse sind so aufgebaut, dass sie die Behinderungen der Mitarbeiter berücksichtigen und gleichzeitig ein selbständiges Arbeiten ermöglichen.

In den vergangenen 15 Jahren entwickelten die Beteiligten also ein Betriebsklima, das es so gut wie jedem Mitarbeiter - ob mit oder ohne Behinderung - erleichtert, erfolgreich und seinen Fähigkeiten gemäß zu arbeiten. Unterstützt wird das durch die Software-Lösung Reform, "die alle Prozesse des IT-Remarketing inklusive Controlling, IT-Asset-Reporting und CSR-Reporting verbindet", erklärt Büchle. Reform ist auf drei Nutzergruppen ausgerichtet: Mitarbeiter mit Behinderung, ohne Behinderung und externe User von Partnerunternehmen.

Die refurbished Hardware von AfB wird in eigenen Ladengeschäften und im Onlineshop verkauft.
Die refurbished Hardware von AfB wird in eigenen Ladengeschäften und im Onlineshop verkauft.
Foto: AfB gGmbH

Die Lösung, die unter anderem über eine entsprechend angepasste Benutzeroberfläche verfügt, nutzen die AfB-Mitarbeiter täglich. Zudem haben etwa 1.000 Partnerunternehmen 24 Stunden am Tag Zugriff darauf und können dort ihre Abholaufträge für Gebraucht-IT platzieren, den Bearbeitungsstatus ihrer Geräte verfolgen sowie automatisiert Datenvernichtungsnachweise und Auditberichte abrufen. Zusätzlich können Partner die ökologische Wirkung ihres Hardware-Remarketing mitverfolgen.

Ökologische Wertschöpfung

Das gemeinnützige Unternehmen ist als IT-DienstleisterIT-Dienstleister und CSR-Partner darauf spezialisiert, gebrauchte IT- und Mobilgeräte von Banken, Versicherungen und öffentlichen Einrichtungen aufzubereiten, indem es die auf den Geräten befindlichen Daten zertifiziert löscht und die refurbished Hardware über eigene Ladengeschäfte und einen Onlineshop an Schulen und Non-Profit-Organisationen vertreibt. Bei der Vermarktung helfen Partner wie Stifter-helfen und Labdoo. So werden zivilgesellschaftliche Organisationen mit preiswerter Hardware unterstützt, weltweit digitale Bildung zu ermöglichen. Alles zu Consultant News auf CIO.de

Die AfB bearbeitete seit ihrem Bestehen so viele Geräte, dass durch das IT-Remarketing in den ersten 15 Jahren 87.270 Tonnen CO², 32.100 Tonnen Rohstoffe und 281.450 MWh Energie eingespart werden konnten. "Sicher hat uns auch das wachsende öffentliche Interesse an Nachhaltigkeitsthemen in die Karten gespielt", erläutert Büchle und formuliert große Ziele für die Zukunft: "Bis 2025 wollen wir 200.000 t CO², 300.000 t Rohstoffe und 600.000 MWh Energie eingespart haben und 700 Mitarbeiter beschäftigen, davon 300 mit Behinderung".

Europas größtes gemeinnütziges IT-Unternehmen

Die AfB ist in den vergangenen 15 Jahren vom Start Up zu Europas größtem gemeinnützigen IT-Unternehmen gewachsen und beschäftigt aktuell 450 Mitarbeiter, unter ihnen 45 Prozent mit Behinderung, an 19 Standorten in fünf Ländern. Ihr Ansatz der "social & green IT" fußt auf drei Säulen: dem wirtschaftlichen Erfolg, dem Nutzen für Klima und Umwelt und dem gesellschaftlichen Mehrwert durch die Schaffung inklusiver Arbeitsplätze. Das Geschäftsmodell der AfB mildert damit die negativen Aspekte der Digitalisierung mit einem funktionierenden Geschäftsmodell und sozialer Verantwortung.

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