Hamburger IT-Strategietage

BMW-CIO wirbt für Automotive Alliance

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
Wie die Automobilindustrie einheitliche Datenflüsse in der Wertschöpfungskette schaffen will, erklärte BMW-CIO Buresch auf den Hamburger IT-Strategietagen.
Referent auf den Hamburger IT-Strategietagen 2021: BMW-Group-CIO Alexander Buresch
Referent auf den Hamburger IT-Strategietagen 2021: BMW-Group-CIO Alexander Buresch

Alexander Buresch, CIO der BMWBMW Group, und Jürgen SturmJürgen Sturm, CIO von ZF FriedrichshafenZF Friedrichshafen, verfolgen ein ehrgeiziges Ziel. Mit der Automotive Alliance wollen sie ein offenes, hochskalierbares Netzwerk aufbauen, das einen sicheren und unternehmensübergreifenden Datenaustausch in der AutomobilindustrieAutomobilindustrie ermöglicht. Die technische Basis für die entstehende B2B-Plattform soll die europäische Initiative Gaia-XGaia-X liefern. Top-500-Firmenprofil für BMW Top-500-Firmenprofil für ZF Friedrichshafen Profil von Jürgen Sturm im CIO-Netzwerk Alles zu Gaia-X auf CIO.de Top-Firmen der Branche Automobil

Seit vielen Jahren arbeite man mit bilateralen Schnittstellen zu den diversen Lieferanten, berichtete der BMW-CIO auf den Hamburger IT-Strategietagen. Die Lieferanten ihrerseits pflegten ebenfalls zahlreiche Schnittstellen zu ihren Kunden. Buresch: "Wir müssen jetzt über den Tellerrand schauen und die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick nehmen."

Ähnlich argumentierte ZF-CIO Sturm: "Als Tier-1-Zulieferer bedienen wir alle großen Automobilhersteller weltweit. Und jeder möchte gerne, dass wir in seine Cloud kommen." Daraus sei eine Vielzahl verschiedener Ökosysteme entstanden. Der Datenaustausch zwischen den Systemen sei nicht immer einfach, die nötige Transparenz in der Lieferkette fehle häufig.

Automotive-Expertengespräch: Alexander Buresch (oben links), CIO der BMW Group, Moderator Horst Ellermann (oben rechts), Stephan Brand (unten links), CDO von Bosch Mobility Solutions und Jürgen Sturm, CIO von ZF Friedrichshafen
Automotive-Expertengespräch: Alexander Buresch (oben links), CIO der BMW Group, Moderator Horst Ellermann (oben rechts), Stephan Brand (unten links), CDO von Bosch Mobility Solutions und Jürgen Sturm, CIO von ZF Friedrichshafen

Vor diesem Hintergrund entstand die Automotive Alliance, erstmals vorgestellt auf dem Digital Gipfel der Bundesregierung am 1. Dezember 2020. Zu den Initiatoren gehören neben BMW und ZF auch Bosch, die Deutsche Telekom sowie SAP und Siemens.

Die DigitalisierungDigitalisierung der eigenen Produktion sei in den einzelnen Unternehmen der Automobilindustrie schon weit fortgeschritten, argumentieren die Protagonisten. Nun gelte es, einheitliche Daten- und Informationsflüsse in der gesamten automobilen Wertschöpfungskette zu schaffen. Damit lasse sich beispielsweise nachvollziehen, in welchen Fahrzeugen fehlerhafte Teile eingebaut wurden oder wieviel C02 bei der Produktion eines PKW entstehe. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

"Entscheidend ist die Offenheit der Plattform", betonte Stephan Brand, CDO von Bosch Mobility Solutions im Interview auf den Hamburger IT-Strategietagen. Die Automotive Alliance wolle insbesondere auch kleine und mittelständische Unternehmen als Partner gewinnen. Brand: "Wir brauchen Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette. KMUs sind dabei der Schlüssel zum Erfolg."

Datensouveränität entscheidend

Besonders wichtig ist den Allianzpartnern das Thema Datensouveränität. Sowohl Buresch als auch Sturm unterstrichen die dezentrale Architektur des geplanten Informationsnetzwerks. "Jeder liefert seinen Beitrag, bleibt aber Owner seiner Daten", erklärte der BMW-CIO. Um die Daten-Governance im Griff zu behalten, arbeitete man etwa an übergreifenden Modellen für das Metadaten-Management. Buresch: "Mit jedem weiteren Partner entsteht zusätzlicher Mehrwert für das Netzwerk."

Von neuen Partnern erwarte man im Gegenzug eine "aktive Beteiligung", ergänzte Bosch-Manager Brand. Das gelte etwa für die gemeinsame Arbeit an Use Cases für die neue Plattform. Ein Beispiel könnte die unternehmensübergreifende Berichterstattung zum CO2-Ausstoß sein. Weitere Anwendungsfelder liegen in den Bereichen Qualitätsmanagement, Logistik, Instandhaltung und Lieferketten-Management.

Bis zum Ende des dritten Quartals will die Allianz erste Use Cases in Form von Prototypen präsentieren. Das Partnernetzwerk soll in den kommenden zwei Jahren stetig wachsen. Das Interesse sei groß, erklärte Buresch. Man werde in Kürze weitere Partnerunternehmen begrüßen.

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