Healthcare IT


Digitalisierung des Gesundheitswesens

Charité-CIO Peuker nimmt Kurs auf personalisierte Medizin

20.01.2021
Karen Funk ist freie IT-Fachjournalistin und Autorin. Bis Mai 2024 war sie Redakteurin beim CIO-Magazin und der COMPUTERWOCHE (von Foundry/IDG). Zudem leitete sie 17 Jahre lang den renommierten IT-Wettbewerb CIO des Jahres. Funk setzt sich seit vielen Jahren für mehr Frauen in der IT und für digitale Bildung ein. 2024 erschien ihr Buch "Hack the world a better place: So gestalten Unternehmen die Zukunft", das sie mit Julia Freudenberg, Geschäftsführerin der Hacker School, zum Thema Corporate Volunteering geschrieben hat.
Im Gespräch mit dem CIO-Magazin erklärt Martin Peuker, IT-Chef der Charité, wo die Reise im Gesundheitswesen hingeht und warum die Branche vor einem Paradigmenwechsel steht.
Martin Peuker, CIO der Charité: "Die Krise hat den kulturellen Wandel in der Charité positiv beeinflusst."
Martin Peuker, CIO der Charité: "Die Krise hat den kulturellen Wandel in der Charité positiv beeinflusst."
Foto: Thomas Rafalzyk / Charité

Die Pandemie hat 2020 jedem viel abverlangt. Hat sie aber auch Dinge ins Rollen gebracht?

Martin Peuker: Die Corona-Krise hat den kulturellen Wandel in der CharitéCharité und besonders in der IT positiv beeinflusst und beschleunigt. Exemplarisch steht dafür die Entwicklung der Corona-App, die eine Entscheidungshilfe liefert, ob ein COVID-Test wegen möglicher Symptome sinnvoll ist. Sie wurde zur Vermeidung einer Überlastung der Ambulanzen entwickelt. Top-500-Firmenprofil für Charité

Wie hat sich die Zusammenarbeit dabei geändert?

Martin Peuker: Die Entwicklung der mittlerweile bundesweit genutzten App war zeitkritisch, was zu einem Pragmatismus führte, der wie selbstverständlich in die Nutzung neuer Arbeitsmethoden mündete. Es wurden cross-funktionale Teams, bestehend aus Ärzten, Pflegern und ITlern gebildet. Während der Konzeption wurde die Kundenperspektive gesucht und einfach gehandelt, statt endlos diskutiert. Erste Lösungen waren nicht optimal, aber die Philosophie eines 'Fail often, but fail early' wurde anstandslos adaptiert. Es entstand ein mutiger Umgang mit Fehlern.

Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie künftig im Gesundheitswesen?

Martin Peuker: Die erwarteten Veränderungen im GesundheitswesenGesundheitswesen sind umfassend und leiten einen weitreichenden Veränderungsprozess ein. Neue datengetriebene Unternehmen verändern den Gesundheitsmarkt sowie die beschleunigte digitale (R)Evolution des GesundheitswesensGesundheitswesens. Beide erzeugen Druck auf die IT, weil es ein Ringen auf gleicher Ebene darstellt. Alles zu Healthcare IT auf CIO.de Top-Firmen der Branche Gesundheit

Was genau braucht es für eine radikale Veränderung des Gesundheitswesens in den nächsten Jahren?

Martin Peuker: Weitreichenden Datenaustausch, interoperable Daten, mündige Verbraucher sowie eine Änderung der Verhaltensweisen, denn Verbraucher werden durch digitale Tools beeinflusst. Diese Veränderungen sind nur zu schaffen, wenn wir unser Führungs- und Kulturverständnis nach vorne weiter modernisieren.

Als Universitätsklinikum betreut die Charité nicht nur Patienten, sondern ist auch Bildungs- und Forschungsstätte. Vor welchen Aufgaben steht die IT in diesem Spannungsfeld?

Martin Peuker: Die kulturelle Kernherausforderung der IT ist ein gleichzeitiges Bedienen der hochstandardisierten und auf effiziente Prozesse konditionierten Krankenversorgung einerseits und die auf hohe Freiheitsgrade und Innovationen pochende Forschung und Lehre andererseits. Zusätzlich wird dies durch die DigitalisierungDigitalisierung überlagert. Die IT muss also klassisch und modern funktionieren und somit ein zeitgemäßes Two-Speed-IT Konzept ausprägen. Beides muss zusammen funktionieren, sonst funktioniert die Translation nicht. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Was heißt das für die Arbeitsorganisation und Führung?

Martin Peuker: Bisher hat sich die IT eher am Führungsmodell der Klinik orientiert: hierarchisch, wenig fehlertolerant, stark prozessual, mit dem Effekt, dass wir zwar hochperformant und -verfügbar sind, aber wenig Kreativität und Agilität zulassen. Der Anstoß zum Wandel kommt ganz besonders aus der Forschung, aber auch zunehmend aus der Klinik.

Was bedeutet das konkret für Ihre Rolle?

Martin Peuker: Aufgabe des CIO ist es jetzt, diesen Wandel nicht nur zuzulassen, sondern ganz bewusst voranzutreiben, mit dem Ziel, dass die modernen Arbeitsweisen aus Forschung und Lehre auch in der IT und idealerweise bei den Kunden der IT Einzug halten.

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