Strategien


Auf Digitalisierung vorbereiten

Die IT-Strategie von Thyssenkrupp

Der langjährige Erfolg des Industriekonzerns lag nicht zuletzt in der dezentralen Arbeitsweise. Doch Digitalisierung und Marktdruck erfordern es, stärker zu standardisieren, zentralisieren und harmonisieren. Großprojekte wie daproh und unite zeigen, wie CIO Martin Hölz die richtige IT-Governance zu finden sucht.
  • Um die Basis für Digitalisierungsprojekte zu legen, hat thyssenkrupp vier große Konzernprojekte auf den Weg gebracht: daproh (Data and Process Harmonization), unite (Infrastrukturkonsolidierung) sowie eine CRM- und eine PLM-Initiative.
  • Für die Standardisierung wurden 13 Geschäftsmodelle definiert, die in zehn SAP-Templates abgebildet werden.
  • Die neue geschaffene Einheit Group Process and Information Technology (GPI) entscheidet zusammen mit Business, Regionen und Stakeholdern über die IT-Architektur mit Geschäftsprozessen, Daten sowie Applikationen und Infrastruktur.
  • Die ebenfalls neu geschaffene Konzerneinheit Digital Projects GmbH kümmert sich zusammen mit den Tochtergesellschaften um die Realisierung von Industrie-4.0-Projekten.
Rolltreppen von Thyssenkrupp wurden in das One World Trade Center in New York eingebaut.
Rolltreppen von Thyssenkrupp wurden in das One World Trade Center in New York eingebaut.
Foto: Thyssenkrupp AG

Ein Zementwerk zu verkaufen funktioniert anders, als einen Aufzug zu vertreiben. Zu unterschiedlich sind die Produkte und CRM-Prozesse. ThyssenkruppThyssenkrupp hat gleich fünf unterschiedliche Business Areas und fast 500 Tochtergesellschaften. Synergien herzustellen ist da alles andere als trivial. Tatsächlich kann aber ein und derselbe Kunde sowohl ein Zementwerk kaufen als auch einen Fahrstuhl für seine FirmenzentraleFirmenzentrale. Will Thyssenkrupp zweimal zum Zuge kommen, muss es dieses Cross-Selling-Potenzial erschließen. Top-500-Firmenprofil für ThyssenKrupp Top-Firmen der Branche Industrie

Große Projekte im Backend

Dafür müssten aber die vielfältig vorhandenen Kundendaten harmonisiert vorliegen und möglichst alle Konzerngesellschaften mit derselben CRM-Lösung arbeiten. "Diese Plattform würden wir schon gerne vereinheitlichen", sagt Konzern-CIO Martin HölzMartin Hölz. Was die Gesellschaften dann mit den Daten anstellen, bleibt ihnen dezentral überlassen. Vor der DigitalisierungDigitalisierung am Frontend stehen bei Thyssenkrupp also zunächst große Aufgaben am Backend an. Profil von Martin Hölz im CIO-Netzwerk Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Für Hölz ist die Digitalisierung nichts anderes als die bereits durchlaufene Entwicklung von der Mechanik zur Mechatronik: Durch Embedded-Software in Produkten und Services entstehen neue Geschäftsfelder, mit denen man sich von Wettbewerbern differenzieren kann. Embedded Software entwickelt der Konzern schon seit Jahren, sie steckt etwa in Aufzügen oder Fahrzeugen. In anderen Bereichen, insbesondere dem Stahlgeschäft, zwingt die Essener dagegen der außerordentliche Preisdruck auf dem Weltmarkt dazu, Prozesse zu automatisieren, zu digitalisieren und noch stärker an den Kundenwünschen auszurichten.

Prozesse, Infrastruktur, SCM und PLM

Um die Basis für künftige Digitalisierungsinitiativen zu legen, hat Thyssenkrupp gleich vier große Projekte auf den Weg gebracht: Data and Process Harmoniza­tion (Daproh), Infrastrukturkonsolidierung (Unite) sowie CRM- und PLM-Vorhaben. So rollte die IT gemeinsam mit dem Fachbereich Anfang Oktober im Rahmen des Daproh-Programms ein SAP-Template im Stahlbereich aus.

Damit können die Gesellschaften nun Order-to-Cash-Prozesse integriert abbilden, was Kunden ­wiederum ermöglicht, noch bis kurz vor der Stahlproduktion die Zusammensetzung des Stahls zu verändern. Außerdem sorgt das Template für eine bessere Supply Chain, weil sich Kundenaufträge effizienter abarbeiten lassen. "Mit Daproh lassen sich End-to-End-Prozesse optimal umsetzen, das konnten wir bisher nicht", fasst Hölz zusammen.

Mit der Cloud auf die Karriere-Sonnenseite!

Anfang Oktober wechselten zudem im Geschäftsbereich Industrial Solutions (Anlagenbau) auf einen Schlag rund 5000 User auf eine neue SAP-HANA-Plattform. Der Rollout erfolgte zunächst in Deutschland, später soll die neue Software weltweit implementiert werden. "In dieser Größenordnung haben wir das bei Thyssenkrupp noch nie gemacht", berichtet Hölz.

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