Strategien


Der neue Hype Cycle 2017

Gartner nennt 3 Megatrends der Zukunft

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
32 Technologien analysiert Gartner. Künstliche Intelligenz, digitale Plattformen und die Orientierung der Technologie am Kunden sind die wichtigsten Entwicklungen.
  • Binnen zwei Jahren wird keine der untersuchten Technologien ihren Durchbruch erleben
  • Serverlose Plattform-as-a-Service entwickeln sich in den kommenden fünf Jahren zum Hoffnungsträger
  • Kommerziell genutzt Drohnen werden manches hochfliegende Ziel verpassen, die Blockchain ebenso
  • Gartner untersucht nicht nur Business-Technologien, sondern beispielsweise auch das Connected Home und Formen der Arbeitsorganisation
Der Gartner Hype Cycle for emerging technologies 2017 schätzt 32 Technologie-Trends ein.
Der Gartner Hype Cycle for emerging technologies 2017 schätzt 32 Technologie-Trends ein.
Foto: Gartner

Jedes Jahr untersucht der US-Marktforscher Gartner neu aufkommende Technologien und ordnet sie auf seinem Hype Cycle an. Dieser besteht aus fünf Phasen: Zunächst stellt eine Technologie eine InnovationInnovation dar. In der zweiten Phase erreicht sie "den Gipfel überzogener Erwartungen", um anschließend eine Phase der Desillusionierung zu durchlaufen. Phase vier ist die Zeit der Aufklärung, danach entfaltet die Technologie das Maximum ihrer Produktivität. Alles zu Innovation auf CIO.de

Im "Emerging Technologies Hype Cylce 2017" nimmt sich Gartner von Autonomen Fahrzeugen bis zu Virtual Reality 32 Technologien vor. Keine davon wird in den kommenden zwei Jahren ihren Durchbruch erleben, aber es wird auch keine wieder verpuffen. Hinter den untersuchten Trends erkennt Gartner drei Megatrends.

Megatrend 1: Künstliche Intelligenz ist überall

Das ist zum Ersten die Künstliche Intelligenz (KI) oder AI (Artificial Intelligence). Gartner überschreibt diesen Trend mit "AI Everywhere". KI wird die nächsten zehn Jahre prägen. Die Analysten unterscheiden zwischen "schwacher AI" - das sind Lösungen für sehr spezifische Zwecke - und "starker AI", Anwendungen also, die sehr viel breiter einsetzbar sind. Ziel ist das Entwickeln einer "generellen Künstlichen Intelligenz".

Konkret fasst Gartner unter diesem Megatrend beispielsweise Deep Learning, Cognitive Computing und kommerziell genutzte Drohnen zusammen. An diese drei Trends stellen Unternehmen gerade sehr hohe Erwartungen, die Phase der Desillusionierung wird folgen. Während sich Deep Learning und die Drohnen in circa zwei bis fünf Jahren zum Massenmarkt entwickeln, wird es bei Cognitive Computing noch fünf bis zehn Jahre dauern.

Megatrend 2: Ohne digitale Plattformen geht es nicht mehr

Digitale Plattformen bilden den zweiten Megatrend. Die Unternehmen brauchen sie, um die wachsenden Menge an Daten und Compute-Power zu bewältigen. Außerdem unterstützt Gartner die These, der zufolge sich Unternehmen künftig in Eco-Systemen organisieren werden. Das ist ohne digitale Plattform kaum möglich.

Gartner identifiziert drei Megatrends in der Informationstechnologie.
Gartner identifiziert drei Megatrends in der Informationstechnologie.
Foto: Gartner

Eine Schlüsseltechnologie dafür bietet das neue LTE-Netz 5G. Gartner zählt 5G noch zu den Innovationen und erwartet, dass bis 2020 erst drei Prozent der Anbieter den neuen StandardStandard auf den Markt bringen. Dennoch sollten Entscheider den Markt im Auge behalten. Alles zu Netzwerke auf CIO.de

Ein anderer Aspekt dieses Megatrends ist die Blockchain. Diese neue Art der Datenbank wird die Businesswelt transformieren, schreibt Gartner. Bis zu ihrem Durchbruch allerdings werden noch fünf bis zehn Jahre vergehen - und eine Phase der Desillusionierung. Entscheider in den Unternehmen stehen jetzt erst einmal vor der Aufgabe, den Sinn der Blockchain zu erklären, ohne dabei zu technologisch zu werden.

Megatrend 3: Die Technologie orientiert sich noch stärker am Nutzer

Ob vom "Kunden" die Rede ist oder vom "Anwender" - jede Technologie wird sich noch stärker am Menschen orientieren, prophezeit Gartner. Das bedeutet, dass die Grenzen zwischen haptischer und virtueller Welt weiter verschwimmen und Hard- sowie Software zum Beispiel unter dem Schlagwort der "Augmented Reality" des Menschen Wahrnehmungsfähigkeit erweitern. Bis Gehirn-Computer-Schnittstellen massentauglich sind, vergehen allerdings noch mindestens zehn Jahre.

Ebenso lang braucht nach Gartners Einschätzung 4D-Drucker. Sie erzeugen "programmierte" Materialien, die selbstständig eine neue Form annehmen können. 4D-Druck wird die Geschäftswelt in Zukunft tiefgreifend verändern. Noch aber steckt es im Embryonal-Stadium.

Durchbruch von IoT-Plattformen und Smart Robots

Soweit die drei übergreifenden Themen. Der neue Hype Cycle beschäftigt sich auch mit Industrie 4.0Industrie 4.0-Technologien, etwa mit Smart Robots und IoT-Plattformen (Internet of Things). IoT-Plattformen erreichen schon binnen zwei bis fünf Jahren massenhafte Anwendung, ist Gartner überzeugt. Allerdings dürfen sich CIOs nicht von den derzeit zu hohen Erwartungen blenden lassen. Wer eine solche Plattform kaufen will, sollte auf sechs Bestandteile achten: Analytics, Anwendungs-Plattform, Daten-Management, Geräte-Management, Integration und Sicherheit. Gartner betont, dass der Kauf einer solchen Plattform immer erst einen Anfangspunkt bildet. Bis das Unternehmen echten Nutzen daraus zieht, stehen Customisierungs- und Schulungsaufwand an. Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Was Smart Robots betrifft, so erleben sie ihren Durchbruch wohl erst in fünf bis zehn Jahren. "Smart" werden sie durch ihre Lernfähigkeit und die Fähigkeit, mit menschlichen Kollegen zusammenzuarbeiten. Hotelketten wie Marriott, Hilton und Westin setzen smarte Roboter seit 2016 im Zimmer-Service ein. Weil Roboter nicht nur in der Produktion schneller, billiger und zuverlässiger arbeiten können als der Mensch, sondern - wie die Hotels zeigen - auch im Kundenservice einsetzbar sind, verknüpfen viele Entscheider hohe Erwartungen mit ihnen. Derzeit zu hohe, mahnt Gartner.

Serverless PaaS (Platform-as-a-Service)

Ein weiteres Technologie-Thema ist serverless PaaS (Platform-as-a-Service). Der Entwickler muss sich dabei nicht mehr direkt mit dem ServerServer beschäftigen, das überlässt er quasi in Form einer "Blackbox" dem Anbieter. So kümmert sich der Cloud-Service beispielsweise um die automatische Skalierung der Server-Infrastruktur, des Speichers und des Netzwerks. Er übernimmt damit das Kapazitätsmanagement. Im Zuge von "serverless" ist oft auch von "event-driven" die Rede. Alles zu Server auf CIO.de

Aktuell betrachtet Gartner serverless PaaS als Innovation, die sich binnen zwei bis fünf Jahren entwickeln wird. Samt dem gesamten Zyklus an überzogenen Erwartung und Desillusionierung. CIOs und CTOs (Chief Technological Officer) sollten den Markt beobachten. Derzeit dominieren AmazonAmazon Web Services, GoogleGoogle, MicrosoftMicrosoft, IBMIBM und iron.io Alles zu Amazon auf CIO.de Alles zu Google auf CIO.de Alles zu IBM auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de

Flexibles Arbeiten mit Smart Workspace

Die Analysten nehmen sich im aktuellen Hype Cycle auch organisatorischer Fragen an, beispielsweise dem Smart Workspace. Räumlich und zeitlich verteiltes Arbeiten durch Vernetzung und Collaboration-Tools ist mittlerweile nichts Innovatives mehr, so Gartners Urteil. Der Trend erlebt gerade den Höhepunkt überzogener Erwartungen. Ob und wie stark ein Unternehmen von smart Work profitiert - etwa in Form steigender Produktivität - hängt nicht nur von der bereitgestellten Technologie ab, sondern auch von kulturellen Fragen und nicht zuletzt dem Wunsch manchen Mitarbeiters, Privaträume privat zu lassen.

Ein weiterer Punkt ist das vernetzte Wohnhaus (Connected Home). Obwohl die Verbraucher dieses Konzept regional sehr unterschiedlich annehmen und der globale Markt derzeit erst zwischen fünf und 20 Prozent erschlossen ist, glaubt Gartner an den Durchbruch innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre.

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