Strategien


Wie die IT für Durchblick sorgt

Klare Sicht für die Führungsetage

Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
80 Prozent der europäischen Manager sind mit der Informationsqualität in ihrem Unternehmen unzufrieden. Firmenzukäufe und Fusionen vernebeln den Blick. Zugleich steigt mit den Kreditvergaberichtlinien Basel II der Bedarf an Transparenz. Gefragt sind geeignete Business-IntelligenceWerkzeuge. Der Trend der Anbieter geht zu immer umfangreicheren Paketlösungen.

Carsten Bange sieht die langen Gesichter schon vor sich. Am 25. und 26. November lädt der Geschäftsführer des Business Application Research Center (Barc) zur diesjährigen Olap (Online Analytical Processing) und BI (Business IntelligenceBusiness Intelligence) -Konferenz nach Würzburg. Wie in den Vorjahren werden rund 140 IT-Verantwortliche und 14 Anbieter kommen; und wieder wird sich bei denjenigen Ernüchterung breit machen, die ein Rundum-sorglos-Paket präsentiert bekommen wollen. "Wir werden oft nach Software für ReportingReporting, Analyse und Planung gefragt - am besten noch mit einer Balanced Scorecard für den Vorstand", so Bange. "Da müssen wir dann sagen: Sorry, mit einem Werkzeug können Sie das nicht erledigen. Das Problem mit den Schnittstellen bleibt Ihnen erhalten." Alles zu Business Intelligence auf CIO.de Alles zu Reporting auf CIO.de

Immerhin: Der Trend geht zu immer umfassenderen Lösungen. Anbieter kleinerer BI-Tools werden aufgekauft (Beispiel Acta, im Juni von Business Objects übernommen), erweitern ihr Angebot (Beispiel Informatica, kündigt mit Power Center RT zusätzliche Analysemöglichkeiten an) oder versuchen als Partner bei etablierten Unternehmen aufzuspringen (Beispiel Ascential, auf der Cebit mit am SAP-Stand). Derweil nehmen andere Wettbewerber für sich in Anspruch, End-to-End-Lösungen anzubieten. So erklärt Allan Russel, Chefstratege bei SAS International, man strebe an, die komplette Intelligence Value Chain zu unterstützen. Wer auf dem BI-Markt überleben wolle, brauche mehr als Olap-Tools, nämlich Werkzeuge, mit denen sich geschäftsstrategische Informationen über alle Unternehmensteile hinweg gewinnen lassen.

Vollmundig, was der SAS-Stratege da ankündigt, denn die komplette Intelligenzkette ist lang. "BI bezeichnet die Transformation operativer Daten in entscheidungs-relevantes Wissen", definiert Bodo Cramer, Senior Consultant der Meta Group. Sie umfasst also alle Techniken, durch die Informationen in ein Data Warehouse fließen, ebenso alle Ansätze, um die Halden von Terabytes zu pflegen, und schließlich jedes Analyse-Tool, das Daten für das Management aufbereitet. Cramer beeilt sich denn auch, die Unschärfe des Wortes BI zu bemängeln: "Besser, es hätte diesen Begriff nie gegeben."

300 bis 400 BI-Lösungen im Angebot

Doch die Kritik an der Nomenklatur kommt zehn Jahre zu spät. 1992 haben die Marktforscher von Gartner das Buzzword BI kreiert; mittlerweile steht es in den Werbebroschüren von 300 bis 400 Software-Lösungen, schätzt Bange. Um die Leistungen dieser BI-Werkzeuge unterscheidbar zu machen, teilt die International Data Corporation (IDC) sie in vier größere Segmente, um so auch gleich die Marktanteile in Westeuropa zu quantifizieren: 46 Prozent des BI-Umsatzes im Jahr 2001 wurden demnach mit Abfrage- und Reporting-Werkzeugen erzielt, die Endnutzer zu Ad-hoc-Analysen heranziehen. 29 Prozent des BI-Umsatzes steuerten Olap-Tools bei, also jene Werkzeuge, mit den Spezialisten mehrdimensionale Daten aufbereiten. 11 Prozent Umsatz entfallen auf das Data Mining, worunter Christina Steensboe, Program Manager von IDCs European Software Group, die Aufbereitung von Daten mittels statistischer Methoden versteht. Der Rest fällt in die Kategorie Sonstiges.

1,2 Milliarden Dollar Umsatz wurden in diesen vier BISegmenten im vergangenen Jahr in Westeuropa erzielt. Das klingt viel, doch die Anbieter können mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Das Wachstum 2001 betrug knapp 2 Prozent; im Vorjahr waren es noch 17 Prozent. Trotz dieses Einbruchs prognostiziert IDC bis 2006 ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 15 Prozent. Schon in der zweiten Jahreshälfte soll der Markt anziehen.

Nachteil der Klassifizierung nach IDC: Die so genannten ETL-Tools sind nicht gesondert ausgewiesen. Das Extrahieren, Transformieren und Laden von Informationen aus den operativen Systemen für ein Data Warehouse gehört aber zu den elementaren Aufgaben, ohne die es gar keine Business Intelligence gäbe. "ETL ist die größte Herausforderung", betont Meta-Mann Cramer. Es bereite den Unternehmen reichlich Probleme, Daten von den unterschiedlichen Plattformen ihrer operativen Systeme zu ziehen. "Trotz guter Standardisierungsansätze werden Metadaten noch sehr individuell modelliert", so Cramer. Großunternehmen leisten sich angesichts des Wildwuchses lieber ETL-Werkzeuge, deren Lizenzen nicht selten 100000 Euro kosten, statt selbst unzählige Entwicklertage in die Datenfriemelei zu investieren. Auch Mittelständler dürfen auf diesen Lösungsweg hoffen: Neben den etablierten - und nicht ganz billigen - Herstellern wie Acta, Ascentia, Informatica oder Sagent bieten immer mehr Datenbankhersteller günstige und leistungsfähige Tools wie den Warehouse Builder (OracleOracle). Alles zu Oracle auf CIO.de

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