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200 Millionen Euro

Riesenprojekt: Talanx führt SAP ein

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Zum ersten Mal etabliert eine große Versicherung eine Standardlösung. Was bisher als unmöglich galt, hat Talanx ins Rollen gebracht - gemeinsam mit SAP.
Thomas Noth, IT-Vorstand bei Talanx: "Re-Use before buy before make. Wir wollten so viel wie möglich aus einem Haus nutzen."
Thomas Noth, IT-Vorstand bei Talanx: "Re-Use before buy before make. Wir wollten so viel wie möglich aus einem Haus nutzen."
Foto: Talanx

Thomas Noth kurbelt gern. Servolenkung? Nichts für ihn. Elektrische Fensterheber ebenso wenig. Noth mag alte Autos. Viel Zeit für sein Hobby hat er allerdings nicht. Der IT-Vorstand des Hannoveraner Versicherungskonzerns Talanx hat 2009 ein Riesenprojekt angekurbelt: die Ablösung alter Systeme und die Einführung von Standardsoftware. Als Co-Piloten holte er sich SAP aus Walldorf und Accenture, Kronberg/Taunus, dazu. Und im Kofferraum lagen noch die - inzwischen umgesetzten - Pläne zur Gründung einer IT-Tochter, Talanx Systeme.

Der Reihe nach: Unter dem Dach einer Holding versammelt der Talanx-Konzern mehrere Marken, darunter HDI-Gerling, Targo VersicherungenVersicherungen, PB Versicherungen und Neue Leben. Die Talanx ist nach eigener Darstellung mit Prämieneinnahmen von knapp 23 Milliarden Euro (für 2010) die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe. Europaweit sieht sie sich auf Platz elf. Auslöser von IT-Chef Noths Mega-Projekt war ein massiver Investitionsstau in der IT. Der Gerling-Zukauf 2006 hatte die Situation weiter verschärft. Top-Firmen der Branche Versicherungen

Die Talanx hat ihre beiden Gesellschaften HDI und Gerling miteinander verschmolzen. Allerdings existierten 2008 noch zwei verschiedene Systemwelten. Noth sah sich also die bisherigen Systeme an. Seine Strategie: "Re-Use before buy before make. Wir wollten so viel wie möglich aus einem Haus nutzen", sagt der IT-Entscheider. Das gestaltete sich schwierig: Beide Systemwelten waren technologisch veraltet, insbesondere im Retailgeschäft. Außerdem hatten die beiden Firmen vor dem Merger unterschiedliche Geschäftsmodelle verfolgt - mit unterschiedlichen Prozessen. Noth war schnell klar, dass er auf das bevorzugte Wiederverwenden größtenteils verzichten musste.

Blieb die zweite Möglichkeit: Kaufen. Und zwar Standardsoftware. Doch der Markt gibt für Versicherungen nicht viel her. Etwa 15 Anbieter zählte die Longlist der Talanx - übrig blieben zwei: SAPSAP und ein mittelständischer Spezialist. "Mit den beiden vielversprechendsten Anbietern haben wir detaillierte, qualifizierte Proof-of-Concepts anhand konkreter Geschäftsvorfälle durchgeführt", berichtet Noth. "Der relativ hohe fachliche und technische Aufwand hat sich mit Blick auf die gewonnene Realisierungssicherheit definitiv gelohnt - insbesondere, da dieser zumindest mit dem präferierten Partner im Projekt ohnehin angefallen wäre." Alles zu SAP auf CIO.de

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