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Coca-Cola-CIO

Christian Rasche macht Lieferketten agil

Schreibt und recherchiert Führungs- und Karrierethemen - in der Redaktion von CIO-Magazin und COMPUTERWOCHE. Ihre Schwerpunkte sind CIOs, IT-Karrieren und -Nachwuchs, Führung, New Work und Diversity.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Setzt sich für mehr Frauen in der IT ein.
Christian Rasche, CIO bei Coca-Cola European Partners (CCEP), digitalisiert die Wertschöpfungskette. Wo die Reise hingeht, verrät er im Gespräch mit cio.de.
Christian Rasche leitet die IT-Geschicke von CCEP in Deutschland. Der Konzessionär von The Coca-Cola Company vertreibt deren Getränke an den Zwischenhandel, der diese wiederum an Einzelhändler und über 300.000 Gastronomiebetriebe sowie tausende Zulieferer verkauft.
Christian Rasche leitet die IT-Geschicke von CCEP in Deutschland. Der Konzessionär von The Coca-Cola Company vertreibt deren Getränke an den Zwischenhandel, der diese wiederum an Einzelhändler und über 300.000 Gastronomiebetriebe sowie tausende Zulieferer verkauft.
Foto: Kai Bublitz/CCEP

Herr Rasche, Sie sind unlängst beim "CIO des Jahres" mit dem Innovation Award für Ihr Projekt "CIO E2E Business Transformation" ausgezeichnet worden. Worum ging es dabei?

Christian Rasche: Im Fokus stand dabei die erfolgreiche DigitalisierungDigitalisierung der Route-to-Market (RTM), mit der wir eine Strategie der vertikalen Digitalisierung der Wertschöpfungskette verfolgten. Im ersten Schritt ging es um die Digitalisierung des Bestellprozesses unserer Direktkunden. WirWir waren die ersten im deutschen Getränkemarkt mit einer solchen Lösung, die einen effizienten, digitalen Bestellprozess ermöglichte und über die wir im letzten Jahr knapp 90 Millionen Euro Umsatz generierten. Top-500-Firmenprofil für Coca-Cola European Partners GmbH Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Und im zweiten Schritt?

Rasche: … ging es dann darum, eine Plattform zur Digitalisierung der Beziehungen von Gastronomen und Getränkefachgroßhandel zu schaffen. Das Ergebnis war kollex - ein Joint Venture zwischen Krombacher, Bitburger und uns. Im vergangenen Jahr stieß dann noch Rotkäppchen-Mum als gleichwertiger Gesellschafter hinzu. Deutschlandweit gibt es 3.500 FachgroßhändlerFachgroßhändler mit rund 300.000 Kunden in der Gastronomie, die ebenfalls einen sehr verstaubten Bestellprozess hatten. Hier wollten wir die führende Plattform werden. So bringt kollex nicht nur die richtige Nutzerorientierung mit sich, sondern auch eine massive Vertriebsmannschaft aus mehreren Konzernen, die nicht mit Einzellösungen konkurrieren. Top-Firmen der Branche Handel

Bei kollex allein blieb es jedoch nicht. Welche Initiativen kamen noch hinzu?

Rasche: Wir starteten mit einer um Meta-Daten angereicherten Segmentierung der einzelnen Outlets, auf deren Basis wir unsere angebotenen Produkt-Portfolios spezifischer aufstellen und so dem richtigen Kunden das richtige Produkt anbieten konnten. Während wir uns mit POGO (Platform for Outlet Growth Optimization) auf die Analyse des bestehen Produkt-Portfolios fokussierten, sind wir im nächsten Schritt mit "Spotlight" noch weiter gegangen: Wir boten unseren Kunden eine Beratungsleistung für Produkte und Produkt-Bundles auf Grundlage von Kassendaten an. So konnten wir unseren Partnern Empfehlungen geben, welche Produkte sich besser verkaufen lassen.

Was war das Besondere an dem Projekt?

Rasche: Das Besondere war, dass wir für jeden Teilbereich in der RTM eine Lösung bauten. Also einen sehr ganzheitlichen Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette hatten und nach und nach die "Löcher stopften". Nun wird es im nächsten Schritt darum gehen, diese Initiativen wertschöpfend miteinander zu verknüpfen, um somit nochmal einen Value Add erreichen zu können.

Der Innovation Award zeichnet nicht nur Sie aus. Warum hat auch Ihr Team diesen Preis verdient?

Rasche: Man ist immer nur so gut wie sein Team. Wir hätten diese sehr ambitionierte Ziele nicht erreicht, wenn wir nicht eine so gut eingespielte, dedizierte und hochkarätige Mannschaft gehabt hätten. Wir haben mit den unterschiedlichen Initiativen maßgeblich zum Erfolg von CCEP beigetragen und die digitale Transformation um Welten nach vorne gebracht.

Für die stetige Ausdauer und den Mut etwas Neues zu wagen hat das Team diesen Preis mehr als verdient. An dieser Stelle möchte ich auch meinen ausdrücklichen Dank an alle Beteiligten ausrichten. Darüber hinaus war und ist aber auch die Unterstützung und die Weitsicht des Executive Teams mit CEO Frank Molthan entscheidend, wie auch die Unterstützung und der Freiraum für spezifische Projekte von Group CIO Peter Brickley.

Vor welchen Herausforderungen steht die IT bei CCEP derzeit?

Rasche: Wir sind ein großes komplexes Unternehmen, welches in dieser Form erst seit 2016 existiert. Es haben sich somit viele spannende IT-Projekte in unterschiedlichen Silos gebildet. Die Herausforderung ist nun, den enormen Wert dieser Projekte und Initiativen zusammenzuführen und hier Synergien zu schaffen.

Was hat sich durch Corona verändert?

Rasche: Das Konsumentenverhalten hat sich in der Krise vollkommen gewandelt, vor allem hat der elektronische Handel enorm zugenommen und wird dies auch in Zukunft weiter tun. Dies heißt aber auch, dass der Kampf um die letzte Meile nochmal wesentlicher stärker wird - auch für uns. Wir werden uns in diesem Jahr daher nochmal in hohem Maße damit beschäftigen, wie wir näher an den Endkonsument heranrücken können.

Was bedeutet die Pandemie für die Lieferketten?

Rasche: Corona hat viele Abhängigkeiten in den LieferkettenLieferketten offengelegt, was dazu führen wird, dass Unternehmen in agilere und anpassungsfähigere Lieferketten investieren werden. Dazu kommt, dass die vollständige Transparenz und Echtzeit-Informationen über die gesamte Lieferkette zu einer ultimativen Grundlage für die Beziehung zu Händlern beziehungsweise Kunden werden. Das wiederum macht eine viel engere Zusammenarbeit mit den Händlern erforderlich. Alles zu Supply Chain auf CIO.de

Und was ist mit der Gastronomie?

Rasche: Die sich hoffentlich bald wieder erholende Gastronomie wird in Zukunft viel flexibler werden müssen - das wird dieselbe Flexibilität auf der Angebotsseite durch leicht anpassbare Aufträge und kürzere Lieferzeiten erfordern. Die Visualisierung der Prozesse und die sofortige Berechnung von Szenarien mit verschiedenen Beschaffungsmöglichkeiten ist ein Muss, um in Zukunft zu überleben und wettbewerbsfähig zu bleiben.

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