GE investiert in Deutschland

Markt für industriellen 3D-Druck wird aufgeteilt

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
General Electric und Siemens haben den Markt für industriellen 3D Druck, auch als Additive Manufacturing (AM) bekannt, für sich entdeckt. Doch hier durchzustarten ist gar nicht so einfach: Der Marktführer, die EOS GmbH aus Krailling bei München, trumpft mit ihrer großen Erfahrung.

GE gibt im wachsenden Markt für industriellen 3D-Druck3D-Druck mächtig Gas. Im November letzten Jahres investierte der amerikanische Siemens-Rivale 1,5 Milliarden Dollar in die deutsche Concept Laser GmbH und den schwedischen 3D-Druck-Experten Arcam. Sie bilden nun als "GE Additive" den Kern einer neuen Unternehmenseinheit, die der Konzern derzeit noch aus seiner Luftfahrtsparte GE Aviation heraus steuert. Concept Laser und Arcam sind unter anderem auf Verfahren spezialisiert, um Bauteile für den Flugzeugbau mittels 3D-Druck zu erstellen. Alles zu 3D-Druck auf CIO.de

Wird Lichtenfels weltweiter Hotspot für 3D Druck?

Der neue 3D-Campus von der GE-Tochter Concept Laser (GE) im oberfränkischen Lichtenfels soll Anfang 2019 bezugsfertig sein.
Der neue 3D-Campus von der GE-Tochter Concept Laser (GE) im oberfränkischen Lichtenfels soll Anfang 2019 bezugsfertig sein.
Foto: Concept Laser

GE will nun 100 Millionen Euro investieren, um gemeinsam mit Concept Laser das Wachstum des industriellen 3D-Metalldrucks voranzutreiben und in diesem neuen Bereich der industriellen Fertigung eine marktführende Position aufzubauen. Ab Herbst 2017 sollen am oberfränkischen Standort Lichtenfels auf einer Fläche von 35.000 Quadratmetern in einem "3D-Campus" Forschung und Entwicklung, Produktion, Service und Logistik unter einem Dach zusammengeführt werden. Anfang 2019, so die Planung, wird es hier rund 700 neue Arbeitsplätze geben, so dass Lichtenfels zu einem weltweiten Zentrum der Metalldruck-Technologie von GE wird.

Auch in München will GE aktiver werden. In unmittelbarer Nähe des Global Research Center von GE soll dort eines von mehreren weltweit geplanten Marketing-Zentren rund um die neue Technologie entstehen. GE möchte den Kunden das Designen und Herstellen von Komponenten im 3D-Druck nahebringen und hat zu diesem Zweck 50 Mitarbeiter - darunter viele Techniker und Ingenieure - abgestellt, die das Konzept der Additiven Fertigung im Zusammenspiel mit den Softwarelösungen von GE demonstrieren sollen. Bis zu zehn 3D-Drucker von Concept Laser und Arcam will GE in dem Center aufstellen.

Siemens und Pratt & Whitney gegen GE

Europa ist weltweit führend in der technischen Entwicklung des industriellen 3D-Metalldrucks. GE, das nicht nur Arcam und Concept Laser, sondern auch eine ganze Reihe kleinerer Player im Markt für Additive Fertigung zugekauft hat, wird den entstehenden Unternehmensbereich GE Additive möglicherweise von einem europäischen Headquarter aus steuern. Der US-Konzern stößt dabei auf ein gut vorbereitetes Konkurrenzumfeld.

So hatte Siemens im vergangenen Jahr mehrheitlich (85 Prozent) die britische Materials Solutions Ltd. für einen nicht genannten Preis erworben und außerdem eine 3D-Druck-Unit in Schweden eröffnet. Siemens produziert vor allem Teile für Gasturbinen auf diesem Weg und steht hier mit GE im Wettbewerb. Ein weiterer großer Player im Bereich Additive Fertigung für die Luftfahrt ist der amerikanische Triebwerkhersteller Pratt & Whitney, der zur United Technologies Corp. gehört. Er baut ebenfalls seinen 3D-Druckbereich aus, um mit Prototypen die Entwicklung von Triebwerkskomponenten zu beschleunigen.

Marktführer ist die EOS GmbH

Weder GE, noch Siemens oder Pratt & Whitney kommen allerdings am Münchner Pionier EOS GmbH vorbei, dem im industriellen 3D-Druck führenden Technologieanbieter, wenn es um Metallverarbeitung geht. Wie das "Wall Street Journal" mit Bezug auf die Beratungsfirma Wohlers Associates schreibt, stammen knapp 26 Prozent der weltweit verkauften 3D-Industriedrucker von EOS, GE ist mit 21,5 Prozent Marktanteil die Nummer zwei.

EOS hat erst vor wenigen Wochen auf der Hannover Messe Industrie seine Expansionspläne verkündet und außerdem den Aufbau einer Beratungs- und Trainingssparte namens "Additive Minds" in Aussicht gestellt. Der Aufbau eigener Skills dauere bei den Kunden zu lange, argumentierte der Anbieter. Es gelte, die Qualifikation und die "Transformationsfähigkeit" von Managern und Ingenieuren zu beschleunigen. Wichtig sei in den Fabriken der Zukunft zudem die nahtlose Vernetzung von unterschiedlichen Technologien.

So müssten für eine erfolgreiche Serienfertigung Arbeitsschritte vor allem auch softwareseitig optimiert werden. Der Prozess vom Design des Bauteils bis hin zum 3D-Druck auf EOS-Systemen soll deshalb möglichst schnell und gut verzahnt ablaufen. EOS arbeitet hier etwa mit Siemens PLM Software zusammen, ist aber auch mit SAP verbandelt, um die Integration des industriellen 3D-Drucks in die Produktionsleit- und ERP-Systeme voranzutreiben.

Markt wuchs 2016 um 17,4 Prozent

Wohlers Associates bringt jedes Jahr einen Report zum weltweiten Markt für Additive Manufacturing (AM) heraus. Den jüngsten Zahlen zufolge gab es im vergangenen Jahr 97 Hersteller von industriellen AM-Systemen, im Jahr zuvor zählten die Berater nur 62 einschlägige Unternehmen. Mit zunehmendem Wettbewerb verschärfe sich die Marktsituation für die Pioniere des 3D-Drucks, heißt es dort. Der Markt sei 2016 um 17,4 Prozent auf ein Volumen von 6,063 Milliarden Dollar gewachsen, im Jahr zuvor hatte das Wachstum noch 25,9 Prozent betragen.

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Thema: 3D-Druck

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