Skandale, Pech und Pannen

Die Apple-Akte

21.01.2011
Von  und Hendrik Becker


Einen seiner ersten Artikel schrieb René Schmöl, Jahrgang 1982, mit 16 Jahren für die Tageszeitung Freies Wort. Es war ein Interview mit Hape Kerkeling. Dieser Erfolg motivierte ihn, weiterzumachen. Nach sieben Jahren im Lokaljournalismus und einer Ausbildung zum Verlagskaufmann folgte ein Volontariat bei der Verlagsgruppe Handelsblatt. Seit 2007 ist René Schmöl in unterschiedlichen Positionen für IDG tätig. Momentan als Chef vom Dienst Online für das Portal cio.de.

Der Werbespot schlug vor allem bei Werbern, Kreativen und Technikern ein wie eine Bombe. Dr. Peter Fleissner, Gestaltungsforscher aus Wien: "Dieses Bild entsprach der Sehnsucht vieler Menschen, dass die Arbeit generell von Zwängen befreit und zur emanzipierten Arbeit wird. Wer einen Apple hatte, gehörte zu den Vorreitern. Die Apple-Kultur des Kreativ-Seins wurde damit zur Werbebotschaft.“

Doch es war nicht nur schick, einen Apple zu haben. Denn das Hardware-Konzept und das Betriebssystem waren in den 80ern der Windows-Welt weit voraus. Forscher Fleissner erklärt: "Apple hat die grafisch orientierte Oberfläche von Xerox übernommen. Dazu wurden in den internen Speicher Routinen eingebaut, die von Anwendungsprogrammen in der Programmiersprache Pascal abgerufen werden konnten. Das machte die Software-Entwicklung einfacher und den Macintosh-Rechner schneller."

Das steckt hinter Apple

Die Folge: Gerade für Werber und Kreative wichtige Anwendungen wie digitale Grafik- und Gestaltungsprogramme wurden ausschließlich für den "Mac" entwickelt. Gestaltungsforscher Dr. Peter Fleissner erinnert sich zum Beispiel an eine Anwendung wie Hypercard, die es Apple-Benutzern damals erlaubte, Powerpoint-artige Präsentationen ohne Mühe zu programmieren.

Ein gefälliges Äußeres, die leichte Bedienung und Programme, mit denen man Anzeigen gestalten, Fotos bearbeiten oder Illustrationen erstellen kann: Dieses Erfolgsrezept begründet den Apple-Kult bis heute. Buchautor Dr. Joachim Gartz: "Das Look and Feel sowie die Qualität der Produkte sind besser als bei der grauen PC-Konkurrenz. Apple hat immer auf die mystische Einheit von Hardware und Software bestanden."

Steve Jobs wurde mit dem Macintosh zum smarten Guru der Computer-Zukunft, des "Digital Lifestyle". Eifrig befeuert von der Apple-Marketing-Abteilung, die auch die eigene Unternehmenskultur in den 80er Jahren als "Zukunft der Arbeit" verkauft. Dr. Fleissner: "Nach außen hin wurden die Mitarbeiter von Apple als lockerer Haufen von Kreativen dargestellt. Die Unternehmenskultur sei liberal und schöpferisch, es gäbe keine Disziplinierungen, man könne nach Herzenslust schöpferisch tätig sein, ohne Urlaubsantrag frei machen. Oder 16 Stunden durcharbeiten. Einfach kreativ sein und nicht mehr abhängig arbeiten."

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