Cloud Computing


Amazon, Microsoft, Google im Vergleich

Die besten Public-Cloud-Plattformen in Europa

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Amazon Web Services und Microsoft sind die Marktführer

Dass AWS und Microsoft die Konkurrenz weiter hinter sich lassen, liegt vor allem an der breiten Palette an Infrastruktur-, Plattform- und Anwendungsentwicklungs-Services, kommentierten die Analysten. Sie loben auch die Strategie der Cloud-Riesen, deren starke Marktposition und die hohe Innovationsgeschwindigkeit. Beide Anbieter hätten Maßnahmen ergriffen, um die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Europa und auf nationaler Ebene besser zu berücksichtigen. Das gelte insbesondere für den Datenschutz.

Leichte Vorteile für Microsoft Azure gegenüber AWS sehen die Studienautoren in den Bereichen Developer Experience, Development Services sowie im lokalen Support für den europäischen Markt. Dagegen punktet Amazon mit der größten Kundenbasis, den mit Abstand höchsten Plattform-Umsätzen und seiner Strategie, Enterprise-Kunden zu gewinnen (siehe dazu auch: Enel-CIO hievt die IT in die Amazon-Cloud.)

AWS führt das Feld an, doch der Vorsprung schmilzt

Mit seinem S3 Storage-Service begründete AWS bereits 2006 den Markt für Public-Cloud-Infrastrukturdienste. Kurz darauf folgte mit EC2 ein Compute-Service. Heute offeriert AWS mehr als 70 Public-Cloud-Services in den Bereichen Infrastruktur, Plattform und Applikationen. In Europa bedient die Cloud-Sparte des Amazon-Konzerns mehr als 100.000 zahlende Kunden. Zu den Stärken des Cloud-Primus zählen für Forrester etwa die umfassenden Beziehungen zu Partnern und Systemintegratoren sowie ein "marktführendes" Portfolio an Cloud-Services. Mehr als die Konkurrenten bemühe sich AWS zudem darum, die spezifischen Anforderungen einzelner europäischer Staaten zu erfüllen.

Die Analysten sehen aber auch Herausforderungen. So mache es AWS Entwicklern nicht einfach, die diversen Services zu nutzen. Im Portfolio fehlten zudem etwa ein Service für das Bare Metal Computing sowie Features zur Größenanpassung von virtuellen Maschinen. Ferner gebe es keine On-Premise-Plattform, die Kunden dabei hilft, eine Hybrid-Cloud-Strategie umzusetzen. Das schmerze in Europa besonders.

Für Cloud-native Anwendungen biete AWS perfekte Bedingungen, so Forrester, die Argumente für eine Cloud-Migration kommuniziere der Anbieter überzeugend. Allerdings seien viele Kunden nicht bereit, alles auf die Cloud-Karte zu setzen. Sie bevorzugen hybride Umgebungen, in denen nur ein Teil der Workloads in der Public Cloud läuft. Solche Szenarien decke AWS weniger gut ab als manche seiner Konkurrenten.

Microsoft ist AWS dicht auf den Fersen

Microsofts Engagement im Bereich Public Cloud hat dem Unternehmen eine führende Position knapp hinter AWS beschert, mit großem Vorsprung gegenüber allen anderen Playern. Forrester lobt insbesondere den mehrsprachigen Support, die Rechenzentren in europäischen Ländern und das Versprechen, mit Azure Stack auch in der Private Cloud die Azure-Vorteile nutzen zu können.

Auch die Bemühungen in Sachen Datenschutz, beispielsweise das Datentreuhänder-Abkommen mit T-Systems im deutschen Markt, stünden auf der Habenseite. Zu den Stärken der Azure-Plattform gehörten die Services für Entwickler sowie die Vielzahl nützlicher Verwaltungswerkzeuge. Microsofts Investitionen in die Bereiche Mobile, Analytics und IoT (Internet of Things) passten zu den Anforderungen, die Kunden im Rahmen der digitalen Transformation stellten.

Defizite erkennt Forrester im Bereich Datenbanken und dazu passenden Migrationsdiensten. Im Bereich Infrastruktur fehlten ebenfalls noch Features. Allerdings sei zu erwarten, dass der Konzern diese Lücken in den kommenden zwölf Monaten schließen wird. Eine größere Herausforderung sehen die Analysten in den noch immer verbreiteten Assoziationen mit dem "alten Microsoft", jenem Konzern also, der ausschließlich auf Windows-Plattformen setzte und Open-Source-Software wie Linux schon mal als Krebsgeschwür brandmarkte.

Heute sei Microsoft ein anderes Unternehmen, mit mächtigen Tools nicht nur für Windows und einer offenen und konstruktiven Haltung zur Open-Source-Community. Fast ein Drittel aller virtuellen Maschinen in der Azure Cloud arbeiten heute auf Linux-Plattformen. Dieser Wandel sei etlichen potenziellen Kunden allerdings kaum bewusst.

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