Cloud Computing


Billiger wird’s nicht

Die Cloud-Computing-Strategie von EMC, VMware und Cisco

06.11.2009
Von Hartmut  Wiehr

Private Clouds bringen Wahlfreiheit

Es geht Ihnen also um bestehende Rechenzentren, die Sie jetzt als „Private Cloud“ bezeichnen?

Chuck Hollis: Es geht um eine neue Wahlfreiheit: Anwender können Private Clouds bei sich selbst installieren und so ohne externe Service Provider auskommen oder Private Clouds komplett von außen beziehen. Es geht uns um Clouds für bestehende IT-Umgebungen. Es kann auf unteren Layern der Infrastruktur Dynamik eingeführt werden, ohne die Anwendungen zu verändern. Bezieht man Clouds von außen, herrscht in unserem Modell auch hier Wahlfreiheit – Anwender sollen sich zwischen hunderten verschiedenen Service Providern entscheiden können. So können sie sich aus ihrer ökonomischen Zwangslage, unter der sie gerade im Moment besonders leiden, befreien. Vor etwa sieben Jahren erlebten wir ein Erstarken der Outsourcer, die sehr viele IT-Kapazitäten an sich zogen. Mit Private Clouds geben wir den Anwendern die Möglichkeit, eine gesunde Mischung zwischen internen und externen Ressourcen zu schaffen, mit denen sie den Geschäftsanforderungen entsprechen können.

Und warum?

Chuck Hollis: Alles hängt davon ab, wie die Leute in den Rechenzentren ihren Job verstehen. Wenn es Ihr Job ist, eine große, skalierbare IT-Infrastruktur aufzubauen, immer auf dem neuesten Stand zu sein und die passenden Technologien auszuwählen, dann fühlen Sie sich zwangsläufig durch extern angebotene Services bedroht, die Ihre Arbeit und damit letztlich Sie selbst überflüssig machen. Den gleichen Vorgang findet man auch bei Geschäftsfeldern wie Human Resources oder Financial Services, die ebenfalls vor großen Umwälzungen stehen. IT-Abteilungen sollten sich heute selbst mehr als Service Provider verstehen und nicht bloß als Verwalter ihres Rechenzentrums. Nur so können sie flexibler reagieren.

Aber die Praxis sieht doch anders aus. CIOs wissen schon längst, was sie sinnvoll an Outsourcer oder Service Provider ausgliedern können und was sie lieber im eigenen Haus behalten.

Chuck Hollis: Korrekt. Aber es hängt davon ab, mit wem man spricht. Bei Herstellern von industriellen Gütern mag es durchaus zutreffen, aber nicht so im Finanzsektor. Hier pocht man nach wie vor auf die Vollmacht über die eigenen Computer – wegen Datensicherheit usw. Je nach Branche gibt es hier Unterschiede. Am weitesten fortgeschritten ist sicher der industrielle Bereich: Hier weiß man Bescheid über die Vorteile von Supply Chains, Zuliefererbetrieben oder externer Lagerhaltung. Von hier und von Retail-Unternehmen wird ein Umstrukturierungsprozess ausgehen, der IT mehr als Dienstleistung begreift, die auch von auswärts bezogen werden kann. CIOs, die öffentlich bekennen, „Ich möchte überhaupt keine eigene IT mehr besitzen, andere können das besser“, sind gar nicht mehr so selten.

Das sind eher radikale Ansichten, weit weg vom Mainstream.

Chuck Hollis: Sicher. Aber daraus folgt die Konsequenz, dass eigentlich alle Unternehmen eine IT-Infrastruktur brauchen, die im Bedarfsfall auf eine Transformation der IT vorbereitet ist.

Mit Private Clouds wollen Sie also den Unternehmen eine Alternative zu den oben angesprochenen Outsourcern anbieten.

Chuck Hollis: Richtig.

Private Cloud ist also nur ein anderer Name für das, was einige Ihrer Konkurrenten wie IBM oder Fujitsu als "Dynamic Data Centre" anbieten.

Chuck Hollis: Wenn Sie so wollen, ja. Im Moment ist das RechenzentrumRechenzentrum von der IT beschlagnahmt und es ist äußerst schwierig, dort etwas Neues hineinzubringen. Ein Beispiel: Wenn Sie heute die Anbindung einer externen CRM-Anwendung (Customer Relationship Management) anstreben, werden Ihre Rechenzentrumsleute vermutlich sechs Monate brauchen, um die Anbindung an den Host des Dienstleisters zu realisieren. Flexibilität und Wahlfreiheit im Rechenzentrum sind heute noch immer keine Sache von Tagen, sondern von Monaten oder Jahren – je nach den Modalitäten der Infrastruktur und den Vertragskonditionen, die Outsourcer bieten. Das ist Unsinn. Wir bei EMC glauben, dass Virtualisierung und Private Clouds den Anwendern ganz neue Wahlmöglichkeiten innerhalb kürzester Zeit ermöglichen. Die Architektur der IT muss so aufgebaut werden, dass ihre Module von intern oder extern kommen und jeder Zeit schnell umgepolt werden können. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

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