Strategien


Fraunhofer-Studie

Wie fit sind ERP-Systeme für die Industrie 4.0?

Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML

Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML

Die ERP-Hersteller arbeiten daran, ihre Systeme für das aufziehende Industrie-4.0-Zeitalter vorzubereiten. Dabei stehen vor allem BI- und Analytics-Funktionen im Fokus. Für die Integration werden standardisierte Schnittstellen ausschlaggebend sein.

Gut sieben von zehn ERP-HerstellernERP-Herstellern und -Resellern entwickeln ihre Softwarelösungen in Hinblick auf Industrie 4.0-AnwendungenIndustrie 4.0-Anwendungen weiter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Dortmund in Kooperation mit dem Team ERP LOGISTICS des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML. Das Ergebnis basiert auf der Befragung 40 deutscher, vorwiegend mittelständischer ERP-Anbieter zu dem Thema ihrer aktuellen Aktivitäten im Kontext von Industrie 4.0. Alles zu ERP auf CIO.de Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Auch im Industrie-4.0-Zeitalter werden ERP-Systeme eine wichtige Rolle spielen - glauben zumindest die Hersteller.
Auch im Industrie-4.0-Zeitalter werden ERP-Systeme eine wichtige Rolle spielen - glauben zumindest die Hersteller.
Foto: TUM2282 - shutterstock.com

Nach Angaben der Studienteilnehmer basiert die Tendenz zur Integration neuer Anwendungen und Weiterentwicklungen vorwiegend auf Kundenanforderungen (90 Prozent) und Marktentwicklungen (75 Prozent). Die Weiterentwicklung der Software - bezugnehmend auf aktuelle Forschungserkenntnisse - wird nur von jedem fünften ERP-Anbieter durchgeführt und insgesamt kooperiert nur jeder Dritte mit Forschungseinrichtungen im Kontext der Industrie 4.0.

Fokus liegt zusätzlichen BI-Funktionen

85 Prozent der Befragten konzentrieren sich bei der modernen Anpassung von ERP-Systemen auf Business-Intelligence-Anwendungen. Nicht nur sie dienen einer schlankeren und einfacheren Verarbeitung und Auswertung operativer Daten, sondern auch die Entwicklung von Standardschnittstellen, Big Data, Supply-Chain-Management-Funktionen und die Integration von MES-Funktionen sind hierfür entscheidend. Im Gegensatz dazu werden bei der Weiterentwicklung von Funktionen Prozesssimulationen oder Social-ERP weniger berücksichtigt.

Vor allem BI-Funktionen stehen im Fokus der ERP-Hersteller.
Vor allem BI-Funktionen stehen im Fokus der ERP-Hersteller.
Foto: Digital In NRW / Fraunhofer IML

Mit der zunehmenden mobilen Arbeitsweise geht die Entwicklung von Apps unterschiedlicher Funktionsbereiche für Plug-in-Funktionen einher. Auch das Ergebnis der Studie lässt erkennen, dass Modularisierung und Appisierung an Bedeutung zunehmen, denn 58 Prozent der Studienteilnehmer arbeiten auf die Modularisierung ihrer Software hin.

Über die Hälfte der ERP-Anbieter (63 Prozent) streben darüber hinaus eine gezielte Weiterentwicklung ihrer Software hin zu einem ganzheitlichen System an, in dem ihre bereits umfangreiche Software um zusätzliche Funktionen ergänzt wird - dabei stehen Manufacturing Execution Systems (MES) und Shop-Floor-Funktionen besonders stark im Fokus.

Die ERP-Zunkunft ist interoperabel und offen

Ebenso spielen die Eigenschaften Interoperabilität und Offenheit von ERP-Systemen im Kontext der Industrie 4.0 eine große Rolle. Die standardisierten Schnittstellenformate für Industrie 4.0-Anwendung befinden sich in der Entwicklung und bedürfen weiterhin intensiver Forschungsarbeit, denn Schnittstellen werden laut Mehrheit der befragten ERP-Hersteller in Zukunft zunehmend an Bedeutung gewinnen (86 Prozent). Aufgrund der Heterogenität der technischen Industrie 4.0-Entwicklungen dürfte sich diese Problembeseitigung jedoch verzögern.

Wenn es um den funktionalen Ausbau der ERP-Systeme geht, denken die Hersteller in erster Linie an MES und Shopp-Floor-Erweiterungen.
Wenn es um den funktionalen Ausbau der ERP-Systeme geht, denken die Hersteller in erster Linie an MES und Shopp-Floor-Erweiterungen.
Foto: Digital In NRW / Fraunhofer IML

Um die Daten der Cyber-Physischen Systeme (CPS) effektiv und effizient zu integrieren, muss das ERP-System die dafür notwendige Flexibilität mitbringen. Für mehr als die Hälfte der ERP-Hersteller ist die Erfassung und Verarbeitung der Daten, die von CPS auf Produktionsebene erzeugt wurden, in einem ERP-System essentiell (54 Prozent). Die Herausforderung, die durch Industrie 4.0-Anwendungen entsteht, ist das zwangsläufig hohe Datenvolumen, dem die Hersteller mit dem Ausbau der Auswertungsmöglichkeiten und -funktionen im ERP-Umfeld (Business-Intelligence- und Business-Analytics-Funktionen) entgegenarbeiten.

ERP-Systeme bleiben das Herz der Unternehmens-IT

Moderne Informations- und Internet-Technologien üben im Kontext der Industrie 4.0 Einfluss auf alle Unternehmensbereiche aus. Die Bedeutsamkeit von ERP-Systemen wird sich in Zukunft nicht verringern und ihre Funktion als Datendrehscheibe und Integrationszentrum von Unternehmen nach wie vor bestehen bleiben - wie es aus der Marktstudie des Fraunhofer IML hervorgeht. Besonders für KMU können die Ergebnisse der Untersuchung dabei unterstützen, die Tauglichkeit eines ERP-Systems - basierend auf den Funktionalitäten und technologischen Komponenten - im Kontext der Industrie 4.0 zu prüfen. Im Hinblick auf die Funktionen, Eigenschaften, der Rolle und Relevanz von ERP-Systemen liefert diese Studie auf Basis aktueller Einschätzungen aufschlussreiche Erkenntnisse für die Zukunft.

Die Marktstudie kann unter http://www.erp-logistics.com/112/1/studien.html kostenlos heruntergeladen werden.

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Themen: ERP und Industrie 4.0

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