Retail IT


Agile Methoden, DevOps, SAP HANA

Wie sich Unilever agil aufstellt

Edward Qualtrough ist Redakteur bei unserer britischen Schwesterpublikation CIO UK.
In der IT-Abteilung der britischen Unilever-Niederlassung zu arbeiten sei "cool", sagt CIO Jane Moran. Sie hat ihr Team aus einer projektbezogenen in eine plattformbasierte Kultur geführt.
  • Vor Morans Antritt hatte Unilever weite Teile der IT outgesourct, die hat sie zurückgeholt
  • Die CIO hat Rollen wie Experten für Unternehmensarchitektur und Lösungsarchitektur eingeführt
  • Wichtig ist ihr die Partnerschaft mit SAP

UnileverUnilever CIO Jane Moran sagt, dass das Unternehmen seine ehemals "projektorientierte in eine plattformbasierte Kultur" geändert hat. Die CIO setzt dabei AgileAgile und DevOpsDevOps ein, um Wachstum, InnovationInnovation, Disruption und Legacys bei dem 88-jährigen Konsumgüterunternehmen in Einklang zu bringen. Top-500-Firmenprofil für Unilever Alles zu Agile auf CIO.de Alles zu DevOps auf CIO.de Alles zu Innovation auf CIO.de

Jane Moran ist CIO bei Unilever in England. Die Digitalisierung kann eine Herausforderung sein, aber "das macht es auch zu einer tollen Zeit, ein CIO zu sein", sagt Moran.
Jane Moran ist CIO bei Unilever in England. Die Digitalisierung kann eine Herausforderung sein, aber "das macht es auch zu einer tollen Zeit, ein CIO zu sein", sagt Moran.
Foto: Unilever

Moran, die im Juni 2014 zu dem britisch-niederländischen Konzern kam, ist seit 2001 als CIO tätig - zuletzt bei Thomson Reuters - und sagte in unserer britischen Schwesterpublikation CIO UK, dass es "noch nie so viele Veränderungen in der Technologiebranche gegeben hat wie heute." Sie führt aus: "Konsumgüter sind eine schnelllebige Branche, die sich ständig verändert und viele Disruptionen aufweist - darunter auch viele technologische Disruptionen".

"Das kann eine Herausforderung darstellen, aber das macht es auch zu einer tollen Zeit, ein CIO zu sein", so Morans Einschätzung. In einem großen Unternehmen wie Unilever besteht die Herausforderung für einen CIO meist darin, die richtige Balance zu finden zwischen der Entwicklung neuer Technologie, die die sich verändernden Anforderungen des Unternehmens erfüllen können, und der Verwaltung der Altsysteme, die nach wie vor wertvolle Funktionen übernehmen. "Die Balance zwischen Kosten, Service-Effizienz sowie Wachstum und Disruption ist eine Herausforderung, bietet aber auch große Chancen. Das macht diese Rolle so interessant und lohnend", sagt die CIO.

Umstellung auf DevOps und Agile

Einer der wichtigsten Schritte, mit dem Moran das gesamte Unternehmen verändert hat, war das Insourcing seiner Technologiekapazitäten und die Umstellung auf DevOps und Agile Methoden. Als sie bei Unilever anfing, waren viele Funktionen "erheblich ausgelagert" an SI-Partner (System Intgration), unabhängige Auftragnehmer und kleinere Firmen. Durch die Verschiebung der Gewichte - etwa ein Drittel der IT-Funktion von Unilever ist jetzt im eigenen Haus - fördert Moran eine plattformbasierte statt einer projektbezogenen Abteilung.

"Wir haben neue Rollen wie Experten für Unternehmensarchitektur und Lösungsarchitektur und leitende Softwareingenieure eingeführt. Dies hat es uns ermöglicht, schneller auf die Bedürfnisse des Unternehmens einzugehen und neue Lösungen zu entwickeln", resümiert sie. Und weiter: "Wir haben auch unsere Arbeitsweise grundlegend verändert, von der gleichzeitigen Durchführung eines großen Portfolios von Projekten hin zu einer Fokussierung auf etwa 30 strategische Technologieplattformen. Diese Plattformen orientieren sich an Geschäftsgebieten wie Supply Chain, digitales Marketing, HR und den Technologien, die Unilever unterstützen".

Strategie-Handbuch für CIOs

Mit der neuen Aufstellung nimmt Moran eine echte Veränderung in der Wahrnehmung der IT-Aufgaben durch den Rest des Unternehmens wahr. "Unsere Technologie-Abteilung ist ein spannender Arbeitsplatz", sagte sie. "Das IT-Team ist führend bei der Lösung von Herausforderungen und dem Wachstum unseres Unternehmens." In einigen Fällen habe Unilever das Agile Squads-Modell von Netflix und Spotify übernommen: Ihre IT-Teams arbeiten mit Geschäftspartnern und Dritten in gemeinsamen Pods zusammen. Das habe die IT-MitarbeiterIT-Mitarbeiter dazu inspiriert, "anders über Technologie und ihre Rolle in der Technologie zu denken". Alles zu Retail IT auf CIO.de

Zu den messbaren Vorteilen gehören signifikante Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen. Moran fügt hinzu, dass die Abteilung in den letzten dreieinhalb Jahren etwa ein Drittel der Gesamtkosten übernommen hat, wobei die Kollegen durch Plattform-Teams mit weniger Aufwand deutlich mehr leisten und auf kontinuierliche Entwicklung und Integration setzen. Einige agile Konzepte in der IT wurden auch anderen Abteilungen vorgestellt, sagt Moran und fügte hinzu, dass sich die Idee der iterativen Entwicklung unternehmensweit durchgesetzt habe.

Lernkultur fördern

"Indem wir die IT-Abteilung von einer Lieferanten-Beziehung zu einer echten Engineering-Abteilung machen, ist es cool, in der IT zu sein", so Moran. Sie will eine Lernkultur fördern und das Team darin unterstützen, mit den neuesten Technologien Schritt zu halten. Moran, die auch nicht-geschäftsführende Direktorin bei JP Morgan Securities PLC ist, sagte, dass sie als solche mehr Zeit mit den strategischen Partnern von Unilever verbracht habe, darunter SAPSAP, MicrosoftMicrosoft, Salesforce, AWS und zunehmend GoogleGoogle. Alles zu Google auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

"Ich habe festgestellt, dass eine enge Zusammenarbeit mit unseren wichtigsten Partnern für beide Seiten von Vorteil ist, da wir uns dabei helfen können, neue Systeme, Ansätze und Technologien in großem Maßstab zu erproben", sagt sie. "Wir arbeiten mit unseren Software-Anbietern zusammen, um Lösungen zu entwickeln, die für uns funktionieren. Wir innovieren gemeinsam, und das ist für beide Seiten spannend."

Die Partnerschaft von Unilever mit SAP ist von besonderer Bedeutung. Die Unilever-Umgebung mit über 100.000 Mitarbeitern in 200 Ländern und einem massiven Produktionsbetrieb von mehr als 350 Industriestandorten ist eine der größten SAP-Implementierungen der Welt. Die Plattform zählt Zehntausende von Anwendern.

Fünf bis zehnmal mehr Leistung

Unilever überprüfte seine ERP-Optionen und entschied sich für die Einführung der S4/HANA-Suite von SAP. "Die Zusammenarbeit mit SAP hat uns geholfen, den internen Business Case für S4/HANA aufzusetzen", sagte sie. "Wir haben festgestellt, dass HANA in unseren Datenbanken fünf- bis zehnmal mehr Leistung bringt, wenn wir HANA Sidecar haben".

Unilever hat sich stark verändert, wobei Moran erklärt, dass bis vor wenigen Jahren nur wenig Software-as-a-Service genutzt wurde und 99 Prozent der Infrastruktur und Anwendungen vor Ort lagen. "In den letzten Jahren sind wir proaktiver auf Cloud Services umgestiegen, sei es Software as a Service, Infrastruktur as a Service, Plattform as a Service oder Data as a Service", sagte sie. "Wir nutzen AmazonAmazon Web Services in erster Linie für unsere Geschäftsanwendungen und IaaS und Microsoft Azure als Platform-as-a-Service für die Daten- und Analyseanwendungen von Unilever". Alles zu Amazon auf CIO.de

Das Unternehmen hat auch seine Belegschaft von mehr als 100.000 Büroangestellten vollständig auf Office 365Office 365 und Skype für Unternehmen migriert. Das zeigt die Fähigkeit, auf Cloud-Dienste in größerem Umfang umzusteigen. Der zusätzliche Vorteil besteht darin, dass die Organisation einen Großteil ihrer Hardware abbauen und auf umweltfreundlichere Weise arbeiten kann. Alles zu Office 365 auf CIO.de

Moran ist zuversichtlich, dass Unilever bis Mai 2018 GDPR-konform (deutsch: Datenschutzgrundverordnung) sein wird. Sie versucht, ihrem Unternehmen ein sicherheitsbewusstes Ethos zu vermitteln. Denn die zahlreichen technologischen Innovationen bei Unilever müssen auf einer sicheren Plattform und in einer sicheren Umgebung stattfinden. "Wir arbeiten an allen möglichen neuen technologischen Innovationen. Aber gleichzeitig brauchen wir ein belastbares technologisches Rückgrat", erklärt sie. "Wir arbeiten hart, um sicherzustellen, dass unser Haus Cyber-sicher ist, indem wir jeden Tag patchen."

Moran sagt, dass die Umstellung auf Agile und DevOps dazu beigetragen hat, neue innovative Technologien bei Unilever auszuprobieren, aber dass es für CIOs zunehmend schwieriger geworden sei, mit der schieren Zahl an aufstrebenden Disruptoren Schritt zu halten. Während das Venture-Unternehmen der Organisation, die Unilever Foundry, mit Startups und Innovatoren zusammenarbeitet, stützt sich Moran auch auf die großen Software-Anbieter und Gartner. Sie will kleinere Unternehmen evaluieren, die den Betrieb von Unilever verbessern könnten.

Robotik und Automatisierung "nehmen richtig Fahrt auf"

DevOps bieten Morans Plattform-Teams die Freiheit, mit neuen Technologien zu experimentieren. Sie entwickeln in sechs bis zehn Wochen kostengünstige Piloten. Die CIO stellt fest, wie Robotik und Automatisierung von Robotik-Prozessen "richtig Fahrt aufnimmt", nachdem sie sich intern mit der IT und nun mit den globalen Prozessen in HR, Vertrieb und Business Finance beschäftigt hat.

Das Internet der Dinge stellt eine große Chance im Unilever-Werksgelände dar, wobei Moran betont, „IoT ist wirklich die Analytik, die auf den Sensoren aufbaut“, die seit Jahren in Fabriken eingesetzt werden. In Zusammenarbeit mit Microsoft Azure, IBM und Salesforce schickte Moran eine Reihe von Piloten in die Produktion, die bei der intelligenteren Logistik und den Fabriken unterstützen.

Moran sagt auch, dass es für Unilever offensichtliche Business Cases rund um die BlockchainBlockchain gebe, insbesondere die Idee der "Food-to-Fork-Rückverfolgbarkeit". Die Zahlungsautomatisierung mit Hilfe der verteilten Ledger-Technologie bietet ebenfalls eine große Chance für das globale Geschäft. Mit dem Ziel, im Jahr 2018 Innovationen in erheblicher Größenordnung zu liefern, weiterhin eine sichere und leistungsstarke IT bereitzustellen und die Technologiefunktion durch flexibleres Arbeiten und ein stärkeres Partner-Ökosystem weiterzuentwickeln, kehrt Moran zu der strategischen Rolle zurück, die die IT bei Unilever spielt. Alles zu Blockchain auf CIO.de

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