Strategien


Vernetzung und Kooperation

9 Digitalisierungsratschläge für KMU

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Ob Prozesse, Mitarbeiter oder Technologie – Mittelständler müssen sich neu positionieren. Das Institut für Innovation und Technik (IIT) gibt Handlungsempfehlungen.
  • Schwierigkeiten bereitet KMU das Fehlen definierter Schnittstellen
  • Der Nutzung von Plattformen steht die Befürchtung im Weg, Kundenbeziehungen zu verlieren, wenn man die Plattform nicht selbst betreibt

Wie können kleine Industrie-Unternehmen und Mittelständler die DigitalisierungDigitalisierung anpacken - für diese Leitfrage legt das Institut für Innovation und Technik (IIT) jetzt eine Systematik vor. Das Papier "Digitalisierung industrieller Wertschöpfung - Transformationsansätze für KMU" nennt neun Handlungsempfehlungen. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Kleine und mittlere Unternehmen müssen sich schrittweise neu aufstellen.
Kleine und mittlere Unternehmen müssen sich schrittweise neu aufstellen.
Foto: Institut für Innovation und Technik (IIT), Berlin

Dabei unterscheidet das IIT zwischen Primäraktivitäten - wie Produktion, Logistik, Vertrieb/Marketing und Services - und Unterstützungsaktivitäten. Zu den Unterstützungsaktivitäten zählen Innovation, Transformation, Vernetzung und Kooperation, Daten und Analytics sowie die Organisation der Arbeit. Laut IIT betrifft die Digitalisierung hauptsächlich Produktion und Vertrieb/Marketing, wo Unternehmen vor allem auf Effizienzgewinne abzielen.

Zunächst belegt das IIT mit Zahlen vom Bitkom, inwieweit der industrielle Mittelstand bereits handelt. Laut einer Bitkom-Umfrage unter gut 500 Teilnehmern haben 40 Prozent wegen der Digitalisierung bereits neue Produkte oder Services auf den Markt gebracht, zwölf Prozent haben im Gegenzug Waren oder Dienstleistungen vom Markt genommen. 57 Prozent haben bestehende Angebote verändert.

Fehlende Schnittstellen und Sorge vor Kundenverlust

Schwierigkeiten bereitet kleinen und mittelständischen Unternehmen laut IIT das Fehlen definierter Schnittstellen etwa für die Kooperation mit Lieferanten und den Datenaustausch zwischen verschiedenen Verwaltungs- und Liefersystemen. Die Möglichkeit, für neue Partnerschaften Plattformen zu nutzen, stößt bei manchem Entscheider auf Skepsis. Sie sorgen sich, Kundenbeziehungen zu verlieren, wenn sie die Plattform nicht selbst betreiben.

9 Ratschläge für KMU

Das IIT spricht folgende Empfehlungen aus:

1. Kunden stärker einbinden

Unter dem Stichwort von der "Losgröße 1" können Mittelständler eng mit dem Kunden zusammenarbeiten und ihm das passgenaue Produkt bauen. Der Kunde sollte dabei als Partner betrachtet werden, der mittels digitaler Technologien schon früh im Produktionsprozess mitredet.

2. Den Innovationsbegriff erweitern

Wer seine Innovationsfähigkeit steigern will, braucht ein Change Management. Innovative Impulse entstehen sowohl durch intelligente Daten-Analysen als auch durch Wertschöpfungspartnerschaften. Technologien rund um "Open Innovation" unterstützen das.

3. Mehr Vernetzung und Kooperation

Gerade ressourcenschwache Unternehmen profitieren, wenn sie sich über Plattformen vernetzen, schreibt das IIT. Auch die Zusammenarbeit mit Wettbewerbern bringt Vorteile, etwa durch das Schaffen übergreifender Standards oder Geschäftsmodelle.

4. Daten systematisch analysieren

Zum einen können durch die Auswertung von Markt-, Kunden- und Trenddaten Informationsvorsprünge entstehen. Zum anderen können Maschinenschäden früher entdeckt werden, wenn Prozessdaten ausgewertet werden.

5. Eine Digitalisierungsstrategie umsetzen

Digitalisierung ist Chefsache. Von der Unternehmensspitze aus sollten sich alle Unternehmensbereiche mit potenziellen Chancen der Digitalisierung beschäftigen. Das erfordert ein Change Management im Unternehmen.

6. Schritt für Schritt neu positionieren

Ihre Meinung ist gefragt!

Im ersten Schritt validiert das Unternehmen die bisherigen Wertschöpfungsprozesse und Geschäftsmodelle im Hinblick auf die Anforderungen, die seine Kunden heute stellen. Außerdem gehören die Unternehmensziele auf den Prüfstand. Daraus leitet das Unternehmen ab, wie es sich künftig positionieren will. Im nächsten Schritt werden alle nötigen Prozesse identifiziert und nach ihrem Digitalisierungspotenzial bewertet. Als Folge dessen wird analysiert, welche technologische Unterstützung erforderlich ist. Neupositionierung heißt darüber hinaus, dass das Unternehmen seine vorhandenen Kompetenzen und Netzwerke auf Defizite durchleuchten muss.

7. In Qualifizierung und Kompetenzen investieren

Digitalisierungsbedingt entwickeln sich die Qualifikationen der Mitarbeiter zum Wettbewerbsfaktor. Unternehmen sollten nicht nur in Qualifizierungsmaßnahmen investieren, sondern auch in eine innovationsfreundliche Kultur.

8. Rechtsfragen beobachten

Der Schutz geistigen Eigentums sowie Haftungs- und Datenschutzfragen spielen eine immer größere Rolle, wenn sich Unternehmen in Partner-Netzwerken engagieren. Im Zweifelsfall sollten juristische Experten hinzugezogen werden.

9. Forschen und in Gremien engagieren

Universitäten und Hochschulen setzen oft Pilotprojekte mit Unternehmen auf. Das IIF regt auch an, sich in Gremien zu engagieren, beispielsweise um sich dann in puncto rechtliche Rahmenbedingungen Gehör zu verschaffen.