Studie "CIO-Agenda 2022"

Der "War for Talents" wird nicht einfach

Prof. Dr. Dries Faems ist Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurship, Innovation und Technologische Transformation an der WHU - Otto Beisheim School of Management. Er ist Mitglied des Expertenbeirats von IDG Research Services.



Simon Hülsbömer betreut als Senior Project Manager Research Studienprojekte in der Marktforschung von CIO, CSO und COMPUTERWOCHE. Zuvor entwickelte er Executive-Weiterbildungen und war rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur tätig. Hier zeichnete er u.a. für die Themen IT-Sicherheit und Datenschutz verantwortlich.
Wer die digitale Transformation als Unternehmen erfolgreich schaffen möchte, muss vor allem in fähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren.

Für die digitale Transformation müssen Unternehmen nicht nur in die IT-Infrastruktur, Tools und Geräte investieren. Es geht vor allem auch um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über die Fähigkeiten und das Fachwissen verfügen, die Transformationsziele zu erreichen.

Die "CIO-Agenda 2022" von IDG Research, CIO, WHU - Otto Beisheim School of Management und Horváth Digital zeigt, dass die meisten DACH-Unternehmen ihre Investitionen in das Personal dementsprechend erhöhen wollen. Die Studienergebnisse werfen jedoch die Frage auf, ob es den Unternehmen überhaupt gelingen kann, die benötigten IT-Talente einzustellen. So wird insbesondere der Schaffung eines organisatorischen Umfelds, das auf die Anforderungen und Erwartungen einer neuen Generation von IT-Mitarbeitenden vorbereitet ist, relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Das Tauziehen um die (IT-)Experten, die das Know-how für den digitalen Wandel mitbringen, läuft auf Hochtouren.
Das Tauziehen um die (IT-)Experten, die das Know-how für den digitalen Wandel mitbringen, läuft auf Hochtouren.
Foto: Billion Photos - shutterstock.com

Ehrgeizige Investitionspläne

Die digitale Revolution ist in vollem Gange: 80 Prozent der befragten CIOs und IT-Executives geben an, dass ihr IT-Investitionsbudget im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 weiter steigen wird - vor allem in die Digitalisierung ganz allgemein und in IT-Sicherheit soll kurzfristig verstärkt Geld fließen. Als wichtigste Investitionsfelder für die kommenden drei Jahre werden zudem IT-Infrastruktur, künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und Cloud Computing genannt.

Das IT-Gesamtbudget in den DACH-Unternehmen kennt derzeit nur eine Richtung: nach oben.
Das IT-Gesamtbudget in den DACH-Unternehmen kennt derzeit nur eine Richtung: nach oben.
Foto: IDG Research Services

Fehlendes Know-how

Die Aufstockung des IT-Budgets ist ein wichtiger, aber nicht ausreichender Schritt, um die digitale Reise voranzutreiben. Die Unternehmen benötigen Personal, um die Möglichkeiten auch nutzen zu können, die sich aus der Erhöhung der Budgets ergeben.

Auf die Frage, welche Faktoren die Verwirklichung ihrer strategischen Ambitionen behindern, nennen 32 Prozent der CIOs ausdrücklich fehlende Kompetenzen und Fähigkeiten. In kleinen und mittleren Unternehmen (weniger als 1.000 Beschäftigte) ist der Mangel an FachkräftenMangel an Fachkräften der größte Hemmschuh, in großen Unternehmen (ab 1.000 Beschäftigte) der zweitgrößte. Hier wird die fehlende Integration zwischen strategischen Zielen und digitalen Aktivitäten noch etwas häufiger genannt. Alles zu Fachkräftemangel auf CIO.de

Um den Mangel an IT-Experten zu beheben, plant die Mehrheit der Unternehmen, ihr IT-Personal aufzustocken. 71 Prozent der Befragten planen demnach, die Zahl der IT-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen in den nächsten drei Jahren zu erhöhen. Nur sechs Prozent der Unternehmen wollen ihre IT-Belegschaft verkleinern, während 23 Prozent davon ausgehen, dass die Größe ihrer IT-Teams stabil bleiben wird.

Ein großer Teil der befragten CIOs plant eine Aufstockung des IT-Personals.
Ein großer Teil der befragten CIOs plant eine Aufstockung des IT-Personals.
Foto: IDG Research Services

Wettbewerb um IT-Talente

Die Studie "CIO-Agenda 2022" zeigt, dass die meisten IT-Executives den Ehrgeiz haben, in aktuell relevante Themenfelder wie künstliche Intelligenz und Cybersicherheit zu investieren. Außerdem scheinen sie zu erkennen, dass die Beschäftigung mit diesen Themen eine Aufstockung ihres IT-Personals erfordert. Die erfolgreiche Rekrutierung dafür nötiger IT-Talente ist jedoch keine einfache Aufgabe, da diese zunehmend auch in den Fachbereichen nachgefragt sind.

Daher reicht ein wettbewerbsfähiges Gehalt nicht aus, um das erforderliche Personal anzulocken. Wenn Unternehmen den Kampf um IT-Talente gewinnen wollen, müssen sie sich vom Wettbewerb abheben, um ein besonders attraktiver Arbeitgeber zu sein - gerade auch im Kampf um die begehrten Millenials und Mitglieder der Generation Z. Das bedeutet, dass in ein zukunftsorientiertes Arbeitsumfeld investiert werden muss, welches die Wünsche und Erwartungen einer neuen Generation von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern berücksichtigt, die sich mit flexiblen und hybriden Arbeitsformen vertraut gemacht haben.

Wenig Bereitschaft im KMU-Umfeld

Die Ergebnisse der "CIO-Agenda 2022" deuten jedoch darauf hin, dass ein erheblicher Teil der befragten Unternehmen nicht bereit ist, in diese Art von alternativen Regelungen zu investieren. Das gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, von denen eine knappe Mehrheit (51 Prozent) keineswegs plant, im Jahr 2022 ihre Investitionen in das Thema Future Workspace and Workforce zu erhöhen.

Dem gegenüber stehen die Großunternehmen: Hier wollen 64 Prozent der Befragten in Future Workspace und Workforce investieren. Allerdings ist auch hier der Abstand zu anderen Themen wie Digitalisierung (80 Prozent der Großunternehmen planen zu investieren), IT-Sicherheit (84 Prozent) und Technologiestrategie (70 Prozent) bemerkenswert.

Eine ähnliche Investitionszurückhaltung ist beim Thema "hybrides Arbeiten" zu beobachten. Nur 27 Prozent der CIOs und IT-Executives planen, hierfür in den nächsten Jahren verstärkt Geld in die Hand zu nehmen. Noch geringer ist die Bereitschaft, in die digitale Unterstützung von HR zu investieren: Nur 16 Prozent der befragten Unternehmen planen Investitionen in neue HR-Software - obwohl die meisten von ihnen vor großen Herausforderungen bei der Personalbeschaffung stehen.

Fazit: So lassen sich die Pläne kaum umsetzen

Insgesamt deuten die Ergebnisse der Studie "CIO-Agenda 2022" auf eine potenzielle Kluft zwischen der Notwendigkeit, das IT-Personal aufzustocken, und den Möglichkeiten der Unternehmen, dies zu tun. Während die meisten Befragten planen, ihre IT-Belegschaft zu verstärken, haben sie nicht immer die Motivation, in die Schaffung eines Arbeitsumfeldes zu investieren, das für diese Mitarbeitenden attraktiv ist.

Auf diese Weise laufen die DACH-Unternehmen Gefahr, im weltweiten Kampf um IT-Talente auf der Verliererseite zu landen. Dieses Spannungsverhältnis scheint bei kleinen und mittleren Unternehmen besonders ausgeprägt zu sein, wo der Bedarf an IT-Talenten einerseits zwar relativ hoch ist, die Bereitschaft, in ein zukunftssicheres Arbeitsumfeld zu investieren, anderseits jedoch verhältnismäßig gering.

Hintergrund zur Studie

Die Studie "CIO-Agenda 2022" wurde vom 6. bis zum 14. Dezember 2021 von IDG Research Services (CIO, CSO & COMPUTERWOCHE) in Zusammenarbeit mit der WHU und Horváth Digital durchgeführt. Es nahmen 304 CIOs, Geschäftsführende, Vorstände, C-Führungskräfte und Abteilungsleitende aus verschiedenen Unternehmensbereichen aller Branchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an der Online-Befragung teil.

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