Todesfälle

Was tun, wenn der Kollege stirbt?

30.05.2018
Von Kerstin Dämon

Leider reagieren viele Unternehmen und Führungskräfte auf trauernde Angestellte mit einem "business as usual", wie Metzger erzählt. "Geht das nicht wird eine Krankschreibung des Mitarbeiters befürwortet." Dabei gebe es zwischen diesen beiden Extremen eine Vielzahl anderer Möglichkeiten, die eine bessere Lösung darstellen können, wie beispielsweise reduzierte Arbeitszeiten oder weniger Verantwortung - wenn der Trauernde signalisiert, dass er mit den üblichen Arbeitsanforderungen überfordert ist.

"Eine längerfristige Krankschreibung ist sehr oft gar nicht sinnvoll beziehungsweise kann soar die Situation verschärfen, da Arbeit den Tag strukturiert und Halt gibt", ist sich Metzger sicher. So kann es helfen, dem Betroffenen zunächst Projekte oder Aufträge zu geben, die weniger eilig, weniger schwierig zu betreuen sind. Aber auch das funktioniert nicht überall und nicht immer. Handelt es sich um den einzigen Außendienstler einer kleinen Firma, muss für die Zeit der schlimmsten Trauer eine Vertretung her. Es sei denn, der Mitarbeiter möchte weitermachen wie bisher.

Kleine Gesten sind entscheidend

Metzger beobachtet bei seiner Arbeit mit trauernden Menschen und als Begleiter für Unternehmen in Trauerfällen, dass sich gerade Führungskräfte in solchen Situationen in Arbeit stürzen. "Das kann aber auch nach hinten losgehen", sagt er. Dadurch könne eine Überforderung entstehen: Der trauernde Mensch deckt sich mit Arbeit ein, um seine Gefühle zu betäuben - und kann die Aufgaben dann gar nicht mehr bewältigen. "Es braucht schon ein gerütteltes Maß an Mehrarbeit, um nichts mehr zu spüren - ein Maß, das selbst unter normalen Bedingungen zu einer Erschöpfung führen kann", so Metzger.

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