Public IT


Studie von Booz & Co.

Woran IT-Projekte in Behörden scheitern

Christiane Pütter ist Journalistin aus München.
Vergleich der Vergütung von ITlern im öffentlichen Dienst und der freien Wirtschaft laut Booz & co.
Vergleich der Vergütung von ITlern im öffentlichen Dienst und der freien Wirtschaft laut Booz & co.

IT-Entscheider müssen mit Blick auf eine langfristige Perspektive an zwei Punkten die Weichen stellen. Zum Einen geht es um die Leistungstiefe, die sie erbringen wollen. Dabei spielen auch exogene Faktoren wie Durchschnittsalter der Belegschaft und deren IT-Kompetenzen eine Rolle. Zum anderen muss der IT-Chef austarieren, wie zentral oder dezentral die IT gesteuert werden soll.

Die Berater beschäftigen sich in ihrer Analyse auch mit der Frage, ob Ämter und Behörden eigene IT-Systeme entwickeln oder bestehende verwenden sollen. Ihre These: Das Entwickeln individueller Software ist nur in Einzelfällen sinnvoll und wirtschaftlich. In der Regel lassen sich auch sehr spezifische Geschäftsprozesse durch das Anpassen von Standard-Software kostengünstiger abbilden.

Behörden bezahlen gute ITler zu schlecht

Als größte Probleme - Booz spricht neudeutsch von "Herausforderungen" - nennen die Analysten folgende:

- Die IT-Kompetenz entwickelt sich nicht analog zum technischen Fortschritt. Das liegt zum Beispiel daran, dass Behörden ITler mit den neuesten technischen Skills schlicht nicht mithalten können - die freie Wirtschaft zahlt mehr. So erhalten SAP-Experten in der öffentlichen Verwaltung laut Tarif zwischen 32.000 und 51.000 Euro brutto im Jahr. Auf dem freien Markt steigen sie bei 75.000 Euro pro Jahr ein. IT-Projektmanager (senior) bekommen im öffentlichen Dienst zwischen 42.000 und 60.000 Euro - Unternehmen zahlen ihnen ab cirka 90.000 Euro aufwärts. Bei Anwendungsbetreuern und Datenbank-Spezialisten sind die Diskrepanzen aber weniger stark.

- Es gibt wenig praktische Erfahrungen mit IT-Großprojekten. Laut Booz weisen die historisch gewachsenen IT-Landschaften in Ämtern und Behörden einen Innovationsrückstau auf. Die IT konzentriert sich auf Wartung und Weiterentwicklung. Restrukturierungen im Zusammenhang mit übergreifenden großen IT-Projekten finden selten statt. Daher fehlen qualifizierte Projektmanager mit praktischer Erfahrung.

- Darüberhinaus bremsen Inflexibilitäten aufgrund des öffentlichen Vergaberechts die IT-Modernisierung der öffentlichen Hand. Laut Booz besteht trotz einer Novellierung des Vergaberechts eine gewisse "Projektanten-Problematik". Hinzu kommen Verfahrensfehler aufgrund unflexibler Vergabeverfahren.

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