Cloud Computing


Eigenbetrieb versus Managed-Modell

OpenStack-Praxis für den CIO

03.03.2016


René Büst ist Research Director in Gartners Managed Business and Technology Services Team mit Hauptfokus auf Infrastructure Services & Digital Operations. Er analysiert Entwicklungen im Bereich Cloud Computing (Anbieter von Managed Cloud-Services und Public Cloud sowie Cloud-Strategien wie IaaS, PaaS und Multicloud), digitale Infrastrukturen und Managed Services sowie den Einfluss der digitalen Transformation auf die IT. Seit Mitte der 90er Jahre konzentriert sich Herr Büst auf den strategischen Einsatz der IT in Unternehmen und setzt sich mit deren Einfluss auf unsere Gesellschaft sowie disruptiven Technologien auseinander.

OpenStack als Do it Yourself

Beim Do-it-yourself-Ansatz (DIY) agiert die IT-Abteilung als interner Full Service Provider. Sie ist somit für den Aufbau und die Wartung der gesamten Infrastruktur und ihrer Komponenten zuständig. Hierzu gehören unter anderem die Auswahl und der Einkauf der geeigneten Hardware für die OpenStack-Umgebung sowie das richtige und zukunftsorientierte Sizing der Infrastruktur.

Neben der Verantwortung für den physikalischen Unterbau setzt der Infrastruktur-Manager im DIY-Modus auf OpenStack aus dem sogenannten "Trunk". Hierbei nutzt er den Quellcode des OpenStack-Projekts, um sich seine individuelle OpenStack-Version zu entwickeln. Mit einem OpenStack-DIY behält der Anwender die für ihn maximal mögliche Flexibilität und kann die OpenStack-Umgebung exakt an die individuellen Bedürfnisse anpassen. Das bietet Vorteile, wenn etwa selbstentwickelte Applikationen betrieben werden sollen, die sehr infrastrukturnah entwickelt sind.

OpenStack Deployment-Varianten: die Qual der Wahl

Welche Variante der OpenStack-Nutzung sich am besten eignet, hängt von unterschiedlichen Faktoren in Bezug auf die Unternehmensgröße und des Unternehmenstyps ab. Den größten Einflussfaktor für oder gegen eine der genannten Nutzungsvarianten stellt die vorhandene Expertise innerhalb der IT- Organisation dar. Das Wissen rund um OpenStack ist eine wertvolle Ressource und derzeit nur schwer am Markt zu finden. Ähnlich verhält es sich mit dem notwendigen Wissen, um skalierbare Cloud-Infrastrukturen und Cloud-fähige Applikationen zu entwickeln. Dieses Skillset ist - unabhängig von OpenStack - ein entscheidender Faktor, um eine Digital Infrastructure Platform (DIP) erfolgreich zu betreiben.

Der vollständige OpenStack-DIY-Ansatz sollte nur absoluten OpenStack- und Cloud-Profis beziehungsweise großen Cloud Service Providern (CSP), Telekommunikationsanbietern oder je nach Skillset Enterprise IT-Abteilungen vorbehalten bleiben. Von diesen ist zu erwarten, dass sie über die notwendigen Mitarbeiterressourcen verfügen, um skalierbare Cloud-Infrastrukturen und OpenStack- Umgebungen maßgeschneidert aufzubauen.

Als Technologie-Unternehmen können CSPs und Telkos zudem anhand eines sehr individuellen Ansatzes (DIY) einen Wettbewerbsvorteil auf Technologie-, Infrastruktur- und OpenStack-Ebene erzielen, um sich damit von anderen Marktteilnehmern zu differenzieren und von neuen OpenStack-Funktionen zu profitieren. Allerdings gleicht der DIY-Ansatz einer Kamikaze-Mission. Die Integration der einzelnen Projekte sowie die Selbstverantwortung für Wartung, Updates und Upgrades der OpenStack-Version sorgen für eine nicht kalkulierbare Komplexität. Gleichzeitig erhöht sich das Gesamtrisiko für den IT-Infrastrukturbetrieb und dessen Management.

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