Cloud Computing


CIO Damian Bunyan

Uniper hievt die IT in die Cloud

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
Nach der Abspaltung von EON steht Uniper auch in der IT vor großen Herausforderungen. CIO Damian Bunyan setzt konsequent auf Cloud Computing und eine Analytics-Plattform, die dem Energie-Unternehmen neue Chancen eröffnen soll.
Uniper CIO Damian Bunyan: "Mit der Self-Service-Analytics-Lösung hat sich die Zeit bis zur Verfügbarkeit relevanter Erkenntnisse um bis zu 70 Prozent verkürzt."
Uniper CIO Damian Bunyan: "Mit der Self-Service-Analytics-Lösung hat sich die Zeit bis zur Verfügbarkeit relevanter Erkenntnisse um bis zu 70 Prozent verkürzt."
Foto: E.ON

"Ich bin der glücklichste CIO, den ich kenne", sagt Damian Bunyan über sich selbst. Als UniperUniper Anfang 2016 im Wege eines Carve-outs aus dem EON-Konzern hervorging, sah das ganz anders aus. "In den Medien wurden wir als Bad Bank und Resterampe abgestempelt", blickt er zurück. Mit der Ausgliederung von Uniper trennte sich EONEON fast vollständig von der StromerzeugungStromerzeugung aus Kohle, Gas und Wasser. Der Konzern will sich künftig auf Energienetze und das Endkunden­geschäft konzentrieren. Uniper dagegen setzt auf die zwei Geschäftsfelder Energieerzeugung und Energiehandel, mit weitreichenden Folgen für die IT. Top-500-Firmenprofil für EON Top-500-Firmenprofil für Uniper Top-Firmen der Branche Energie u. Rohstoffe

"Es war kein einfacher Job, die 30 Prozent der ITler zu motivieren, die mit dem Carve-out zu Uniper wechselten", erinnert sich Bunyan, der zuvor Chief Process Engineer und Vorstandsmitglied von EON Global Commodities war. Gleich nach seinem Einstieg im Januar 2016 stand er vor grundlegenden Fragen: Sollte sich Uniper in Sachen IT aus dem Shared-Service-Modell von EON bedienen oder besser eigene Weg gehen? Welche IT-StrategieIT-Strategie sollte das Unternehmen verfolgen? Der Wirtschafts- und Politikwissenschaftler entschied sich für einen "klaren Schnitt". Alles zu Strategien auf CIO.de

Dass damit jede Menge Überzeugungsarbeit verbunden war, verhehlt er nicht. Der EON-Konzern betrieb ein fast zehn Jahre altes RechenzentrumRechenzentrum, in dem auch Kern­applikationen der neuen Uniper vorgehalten wurden. Bunyan nutzte die Gunst der Stunde und beschloss: "Wir bauen kein eigenes Rechenzentrum mehr auf, wir gehen in die CloudCloud!" Alles zu Cloud Computing auf CIO.de Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

Nach einer kurzen Evaluierung entschied das IT-Führungsteam, den größten Teil in die Azure-Cloud von MicrosoftMicrosoft zu transferieren. Bunyans Ziel: "Sofern es technisch möglich ist, migrieren wir alle unsere Applikationen in die Cloud." Für Anwendungen, die sich gar nicht oder nur mit hohem Aufwand in der Public Cloud betreiben lassen, greift Uniper auf eine Virtual Private Cloud zurück, die der Dienstleister DXC Technology bereitstellt. Alles zu Microsoft auf CIO.de

Glücklich macht den CIO vor allem ein Nebeneffekt der aufwendigen Migrationsphase: "Ich weiß jetzt genau, wie viele Anwendungen und Daten wir überhaupt in Betrieb haben." Als sein Team die potenziellen Mi­grationskosten jeder einzelnen Anwendung unter die Lupe nahm, stellte sich heraus: rund ein Drittel war verzichtbar. "Die Cloud ist nicht per se günstiger als ein On-Premises-Betrieb", bilanziert der IT-Chef. "Wenn Sie aber nach der Migration 33 Prozent weniger Anwendungen haben, ergeben sich allein dadurch Einsparungen."

Die Mehrheit der insgesamt rund 600 Enterprise-Applications hat Uniper bereits mi­griert. Dazu gehören auch ältere SAP-R/3-Systeme mit dem Modul FiCo (Finance and Controlling) und der Branchenlösung "SAPSAP for Utilities". Die darunterliegende Oracle-Datenbank ersetzte Bunyans Team im Zuge der Migration auch durch SAP HANA; eine Entscheidung über den Umstieg auf das neue Kernsystem S/4 HANA steht noch aus. Alles zu SAP auf CIO.de

Data Lake in der Azure-Cloud

Stabilität und Sicherheit waren dem CIO zufolge die wichtigsten Gründe für die Cloud-Strategie. Doch das sei nicht alles: "Die Cloud bietet uns viele Möglich­keiten, die wir vorher gar nicht hatten." So bilde die Azure-Cloud auch die Basis für die Modernisierung der Dateninfrastruktur und darauf aufsetzender Analytics-Systeme. Dafür entwickelte Uniper im ersten Schritt einen unternehmensweiten Data Lake in der Cloud, der auf Software des kalifornischen Anbieters Snowflake aufsetzt. Gespeist wird er aus mehr als 250 internen und externen Datenquellen, darunter die eigenen SAP-Anwendungen, Risk-Management- sowie Energiehandelssysteme. Auch Sensordaten aus den Uniper-Kraftwerken laufen in dem Pool zusammen.

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