Strategien


CIO und CHRO Donya Amer

Wie Hapag-Lloyd Technik und HR verknüpft

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

IT-Modernisierung im Dreimonats-Rhythmus

Beim Modernisieren des zentralen Buchungssystems setzen die Hanseaten auf agile Methoden mit Product Ownern, ScrumScrum Mastern und sogenannten "Heart-Beat"-Plänen. Dabei handelt es sich um dreimonatige Phasen, die den Sprints in der agilen Terminologie entsprechen. "Wir haben das Großprojekt in Dreimonats-Blöcke aufgeteilt, weil es so überschaubar und einfacher handzuhaben ist", erläutert die CIO. "Außerdem kann man so auch Zwischenerfolge herausstellen und feiern." Alles zu Scrum auf CIO.de

Auf der Agenda von Hapag-Lloyd-CIO Donya Amer stehen mehrere Großprojekte, darunter die Modernisierung des zentralen Buchungssystems und die Migration auf SAP S/4 HANA.
Auf der Agenda von Hapag-Lloyd-CIO Donya Amer stehen mehrere Großprojekte, darunter die Modernisierung des zentralen Buchungssystems und die Migration auf SAP S/4 HANA.
Foto: Hapag-Lloyd AG

Das Modernisierungsprojekt wurde dazu in sechs Themen-Cluster gegliedert, in denen jeweils Aufgaben gebündelt sind. In den Clustern arbeiten Expertinnen und Experten aus Business- und IT-Bereichen eng zusammen; Product Owner kommen in der Regel aus einer Fachabteilung. Als orchestrierende Instanz fungiert ein Programm Management Office (PMO). Dessen Aufgabe ist es unter anderem, Module aufeinander abzustimmen und Fortschritte wie auch Hindernisse für alle Teams transparent zu machen.

Digital Weeks und Hackathons

Innovationen sollen aber nicht nur in Form neuer Anwendungsfunktionen, sondern konzernweit entstehen. Der Digitalbereich von Hapag-Lloyd unter Leitung von Ralf BelusaRalf Belusa und der von Florian HeinemannFlorian Heinemann geführte Business-Analytics-Bereich spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie organisieren beispielsweise Hackathons, "Digital Weeks" und "Data Weeks" für die Belegschaft, in denen sowohl IT- als auch Business- und Prozessthemen behandelt werden. "Ziel solcher Veranstaltungen ist es, Innovationen ins ganze Unternehmen zu tragen", sagt Amer. Profil von Florian Heinemann im CIO-Netzwerk Profil von Ralf Belusa im CIO-Netzwerk

Weiterbildung und Talent Management

Ein weiteres Großprojekt unter ihrer Verantwortung dreht sich um das Thema Weiterbildung und Talent Management. "Es geht dabei nicht nur um Technik, sondern darum, Talente an Bord zu holen und zu halten", erläutert sie. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bräuchten eine Perspektive, wie sie sich im Unternehmen weiterentwickeln können.

Unter dem Namen "Akademie" hat Hapag-Lloyd dazu ein breit angelegtes Programm gestartet und ein eigenes Weiterbildungszentrum für die weltweit rund 14.000 Beschäftigten gegründet. Amer: "Wir wollen damit unsere eigenen Weiterbildungsstandards setzen und danach handeln. Lernen ist ein lebenslanger Prozess. Und am Ende geht es auch darum, für den Arbeitsmarkt attraktiv zu sein."

Die "Akademie" ist hybrid aufgestellt und offeriert sowohl Onsite- als auch Online-Kurse. Zum Start im Januar 2023 waren bereits mehrere Curricula entwickelt, die beispielsweise allgemeine Unternehmenswerte wie Nachhaltigkeit beinhalten. Darüber hinaus gibt es vertiefende Lehrpläne, die auf bestimmte Karrierepfade etwa im Vertrieb oder im Bereich Data Science zugeschnitten sind. Für "seine" Akademie erwarb Hapag-Lloyd mit dem Kanada-Haus in Hamburg sogar ein neues Gebäude.

Sustainability-Strategie für die nächsten zehn Jahre

Das Thema Nachhaltigkeit hat der Transport- und Logistikkonzern früh aufgegriffen. Bereits Ende 2021 präsentierte das Management eine Nachhaltigkeitsstrategie für die kommenden zehn Jahre. Dafür gibt es sowohl einen Head of Sustainability, der direkt an den CEO berichtet, als auch ein dediziertes Team. "Im Grunde geht es um die zwei Bereiche Land und Wasser", erläutert Amer. So setze man sich etwa intensiv mit dem Stromverbrauch von Gebäuden und der IT auseinander. Im Bereich Wasser beschäftigten sich Expertinnen damit, wie sich der CO2-Fußabdruck der eingesetzten Schiffe beispielsweise durch neue Antriebskonzepte und -komponenten reduzieren lässt.

Strategie 2030 weist den Weg

Und wie bleibt ein Traditionsunternehmen wie Hapag-Lloyd langfristig erfolgreich? Auch darauf hat die Vorständin eine klare Antwort: "Man braucht eine fundierte Strategie." Daran arbeite das Management derzeit. Unter dem Namen "Strategie 2030" feilen Führungskräfte und Teams seit Anfang des Jahres an einer neuen Konzernstrategie, die Ende des Jahres finalisiert sein soll. Zu den Kernelementen gehören beispielsweise "People and Leadership", aber auch "Technologie und Digitalisierung".

"Wir müssen die richtigen Talente an Bord kriegen und halten", sagt Amer, sowohl in Deutschland als auch in Polen und Indien, wo Hapag-Lloyd seine drei großen Hubs für Technologiekompetenz unterhält. "Am Ende geht es darum, die Menschen mitzunehmen. Deshalb ist der Schulterschluss zwischen Technik und HR so wichtig."

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